111

Online-Petition Zorneding Riesiger Rückhalt für den Pfarrer

Der Zornedinger Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende hat seine Kirchengemeinde bereits verlassen. Er hat sich wegen der "Dynamik der Ereignisse" und des starken Medienechos mit sofortiger Wirkung beurlauben lassen.

Von: Anja Wahnschaffe und Veronica Zapp

Stand: 08.03.2016

Er fühle sich jetzt erleichtert, sagte der Pfarrer noch am Montagmorgen und bitte um Verständnis für seinen Abschied am Ende des Monats. Doch bereits jetzt hat er um seine sofortige Beurlaubung gebeten und seine Kirchengemeinde verlassen. "Er ist weg", sagte ein Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats. Die Kirchenleitung rechnet nicht damit, dass eine Online-Petition den katholischen Priester umstimmen kann. Bereits mehr als 40 000 Menschen haben die Aufforderung "Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben" unterschrieben.

Vorgestern hatte Olivier Ndjimbi-Tshiende die Gemeinde im Gottesdienst über seinen Weggang aus der Pfarrei unterrichtet. Ausschlaggebend seien "die Erfahrungen der letzten Zeit." Die Situation sei sehr belastend für ihn gewesen. Näheres führte er nicht aus.

Das Erzbistum München und Freising hat das Abschiedsgesuch des Pfarrers mit großem Bedauern angenommen, sagte Bistumssprecher Bernhard Kellner.

"Wir bedauern das sehr und stehen an seiner Seite."

Bistumssprecher Bernhard Kellner

Kundgebung als Zeichen der Solidarität

Am Mittwoch um 18.00 Uhr will die Gemeinde St. Martin ein Zeichen gegen Rassismus und für Solidarität mit Olivier Ndjimbi-Tshiende setzen. Geplant ist eine Kundgebung im Rathauspark Zorneding. Danach soll es eine Lichterkette von der evangelischen Christophorus-Kirche über das Rathaus zur katholischen Kirche St. Martin geben.

Die Kirchengemeindemitglieder reagieren zum Teil schockiert. Der evangelische Pfarrer Manfred Groß berichtet, sein katholischer Kollege habe ihm mehrmals erzählt, dass er auch in seiner Zeit vor Zorneding immer wieder wegen seiner Hautfarbe beleidigt worden sei. Groß will im Kirchenvorstand und im Gespräch mit der politischen Gemeinde darauf dringen, ein gemeinsames Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Nun wurde eine Online-Petition gestartet, damit der Pfarrer bleibt. Die Petition haben bereits über 40.000 Menschen unterschrieben.

"Dieser Vorgang ist deshalb so entsetzlich, weil Pfarrer Olivier nicht geht, weil er möchte. Er geht, weil er Morddrohungen erhalten hat, nachdem er sich gegen fremdenfeindliche Äußerungen lokaler Politiker positioniert hatte. Wenn wir den Weggang des Pfarrers nun stillschweigend akzeptieren, überlassen wir kriminellen Nationalsozialisten das Feld. Wir signalisieren, dass es in Deutschland wieder so weit ist, dass eine Gruppe, die Angst verbreitet, nicht mit Gegenwehr zu rechnen hat."

Aus der Petition von Julia Peters-Klopp

Deshalb möchte die Initiatorin der Petition, Julia Peters-Klopp, dass "unser Pfarrer bleibt - und dass die Bevölkerung aufbegehrt gegen diese Art der Machtergreifung".

"Das ist für mich ein Punkt, wo ich gesagt habe, das kann ich nicht aktzeptieren. Weil, das bedeutet ja, dass es tatsächlich Leute schaffen, in dem sie Angst verbreiten, dass Leute gehen oder eben sich nicht mehr äußern gegen Rechts oder gegen was auch immer. Das darf einfach nicht sein. Wir haben eine Meinungsfreiheit und da darf man jemandem nicht Angst machen, wenn er diese Meinung öffentlich äußert. Und wenn das dann Erfolg hat, dann lernen die ja, dass man damit weiterkommt, und werden es immer wieder tun. Die Zustände hatten wir in Deutschland schon mal. Da habe ich gesagt, das möchte ich nicht mehr akzeptieren."

Julia Peters-Klopp

Ende einer Eskalation

Es ist das Ende einer Eskalation - ein Musterbeispiel dafür, was Worte anrichten können. Im Oktober 2015 hatte die Zornedinger CSU-Politikerin Sylvia Boher im Parteiblatt "Zorneding Report" gegen eine "Invasion" afrikanischer "Militärdienstflüchtlinge" gehetzt. Der Pfarrer - ein gebürtiger Kongolese - widersprach ihren Thesen, worauf Bohers Parteifreund Johann Haindl ihn als "Neger" titulierte (siehe Kasten unten). In den folgenden Monaten erhielt Ndjimbi-Tshiende Schmähbriefe und massive Drohungen, bis er jetzt einen Schlussstrich zog.

Die "Grundstimmung am Ort": tief gespalten

Auch Zornedings erster Bürgermeister Piet Mayr bedauert den Abschied des Pfarrers; die Vorgänge gäben "nicht die Grundstimmung am Ort wieder". Hinter den Drohungen vermutet er "Psychopathen". Doch die Gemeinde ist gespalten. 2014 sorgte die Unterbringung von 35 minderjährigen Flüchtlingen für Auseinandersetzungen; eine Schule, die ein Hilfsprojekt erarbeitete, wurde mit fremdenfeindlichen Mails bombardiert. Im November 2015 erteilte Mayr auf einer Versammlung Flüchtlingshelfern unter Verweis auf die Gemeindeordnung Redeverbot, wofür er lauten Beifall erhielt.

Die CSU-Spitze hatte sich heute Vormittag beharrlich zu dem Rücktritt des Pfarrers ausgeschwiegen, Generalsekretär Andreas Scheuer hatte sogar die Bitte des BR um eine Stellungnahme abgelehnt und dafür viel Kritik eingesteckt. Umso deutlicher äußerte sich Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause. Der Pfarrer sei "Opfer eines fremdenfeindlichen Mobs, der sich auch durch die nur halbherzig zurückgenommenen rassistischen Äußerungen der örtlichen CSU-Funktionäre befeuert fühlen durfte."

Rassistische Anfeindungen auch im Kreis Landshut

Bereits früher musste der Pfarrer Erfahrungen mit Rassismus machen. So zum Beispiel in der Pfarrei Buch am Erlbach im Kreis Landshut, wo der katholische Priester früher als Pfarradministrator Dienst tat. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks bestätigte ein Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats für München und Freising, dass es Probleme mit einem Mitarbeiter der Kirchengemeinde in Buch am Erlbach gegeben hatte. Dabei soll der Mann gesagt haben, nicht "unter einem Neger" arbeiten zu wollen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Von Seiten der Kirche wurde noch einmal klargestellt, dass kein Rassismus geduldet würde. Mit dem Mitarbeiter hätten damals Gespräche stattgefunden. Schließlich habe der Mann die Stelle gewechselt. Buch am Erlbach war eine der ersten Seelsorgestationen des Pfarrers vor gut zehn Jahren.

Seehofer veruteilt Geschehen als "völlig inakzeptabel"

Gestern Nachmittag erklärte der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer gegenüber dem BR:

"Das ist völlig inakzeptabel und ich verurteile das total. Die bayerische Polizei und Justiz muss alles daran setzen, das aufzuarbeiten. Null Toleranz ist da bei uns in Bayern der Maßstab."

Horst Seehofer

Einen Zusammenhang mit der Rolle der CSU vor Ort wollte Seehofer allerdings nicht erkennen. "Das wurde damals von den Verantwortlichen schon aufgearbeitet."

Scheuer und Aigner fordern harte Strafen

Auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hat reagiert: Er sagte, dass seine Partei die Drohungen "aufs Schärfste" verurteile, die nun "mit aller Härte des Gesetzes aufgeklärt" werden müssten.

Auch die CSU-Bezirksvorsitzende, Staatsministerin Ilse Aigner, und der CSU-Kreisvorsitzende Thomas Huber verurteilten mittlerweile die Umstände, die zum Rücktritt von Ndjimbi-Tshiende führten.

"Wir bedauern den Rücktritt von Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende zutiefst und verurteilen die Umstände, die dazu geführt haben, auf das Schärfste! Diejenigen, die solche Drohungen aussprechen, müssen mit aller Härte des Gesetzes verfolgt und bestraft werden. Ausländerfeindlichkeit und jede Form von Rassismus dürfen nicht toleriert werden."

Ilse Aigner und Thomas Huber in einem schriftlichen Statement

Aigner: CSU trifft keine Schuld

Wie Parteichef Horst Seehofer stritt aber auch sie jede Verbindung zur Rolle der CSU ab:

"Wir verwahren uns aber auch gegen Unterstellungen, dass die CSU mit den Drohungen gegen Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende in irgendeiner Verbindung steht. Einen solchen Zusammenhang herzustellen, ist böswillig."

Ilse Aigner und Thomas Huber in einem schriftlichen Statement

Für Christen gibt es keine Ausländer

Aufs Schärfste verurteilt hat im Namen des Bistums Würzburg Generalvikar Thomas Keßler die ausländerfeindlichen Äußerungen. Kirche sei eine Weltgemeinschaft, deswegen seien alle Christen aufgefordert, sich Fremden gegenüber solidarisch zu zeigen, so Keßler.

"Für Christen gibt es keine Ausländer. Es mag kulturelle Unterschiede geben, aber aus Sicht des Glaubens gehören wir alle zusammen. Viele ausländische Priester haben in ihrer Heimat selbst Ungerechtigkeit oder Verfolgung mitbekommen oder am eigenen Leib verspürt. Sie sind daher auch für diesen Themenbereich oft besonders sensibilisiert"

Thomas Keßler, Würzburger Generalvikar

Darüber hinaus brächten ausländische Priester oft neue Impulse und sorgten so für neue Begeisterung für den Glauben.

Ende eines Gastspiels

Barockkirche St. Martin in Zorneding

Wohin der Zornedinger Pfarrer jetzt wechselt, ist noch nicht bekannt. Ndjimbi-Tshiende bittet um Verständnis dafür, dass er keine weiteren Interviews geben und sich nicht mehr zu den Vorgängen äußern wolle.

Der 66-Jährige, der 1979 die Priesterweihe empfangen hat, ist habilitierter Philosoph. Seit 2009 gehört er dem Münchner Diözesanklerus an, seit 2012 ist er Pfarrer in Zorneding. Bei seiner Einführung hatte das CSU-Blatt "Zorneding Report" noch über "das Glück" geschrieben, "als Pfarrer an einen Ort gekommen zu sein, wo viele Gläubige noch Heimat empfinden und gestalten". Ndjimbi-Tshiende selbst hatte seine "Vision für die Gemeinde" in einem Vorstellungstext so formuliert:

"Die schwierigste Aufgabe des Menschen als solchem scheint wohl dies zu sein: Verstehen und verstanden werden (...) Wo Menschen sind, entstehen auch Probleme, diese sind mit der Vernunft zu lösen, Emotionen lassen eher die Lage explodieren."

Olivier Ndjimbi-Tshiende 2012

"Nach der Vorabendmesse bist du fällig"

Die Äußerungen der CSU-Lokalpolitiker scheinen das Klima in Zorneding massiv verschlechtert zu haben. Noch im Oktober hatte Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärt, er habe bisher in Zorneding keine Ausgrenzung erfahren. Danach erhielt er immer mehr Schmähpost, darunter auch massive Drohungen mit Formulierungen wie "Ab mit dir nach Auschwitz" und "Nach der Vorabendmesse bist du fällig". In drei Fällen hat der Pfarrer Anzeige erstattet. Die Behörden ermitteln wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Bedrohung.

"Eine Schande" - Reaktionen @BR24 (Forum und Facebook)

Hans Grassl

Leider ist das nicht das erste Mal, dass in Zorneding ein Pfarrer gehen musste, weil er einigen Ortshonoratioren nicht passte. Wir haben vor 27 Jahren Zorneding verlassen, weil wir das erlebt haben. Der Ungeist hat anscheinend in Zorneding einen festen Stand.

Hans-Joachim Waldheim

Für alle ach so christlichen Bayern: Der erste Mensch, und somit Adam, war ein Schwarzer.

Roswitha Cooper

Wenn die CSU sich weiterhin als demokratische Partei mit dem "C" im Namen verstanden wissen will, dann ist jetzt sofort eine klare öffentliche Stellungnahme und Verurteilung zu diesen ungeheuerlichen Vorgängen in Zorneding erforderlich. Ich liebe meine Heimat Bayern, aber ich schäme mich für Bayerns politische Führung .

Dieter Schmitz

Ich verurteile die Politikhetze gegen Herrn Ndjimbi-Tshiende aufs Schärfste. Ich selbst arbeitete fast 20 Jahre in Afrika unter anderem auch in Zaire, heute Rep. Dem. Kongo. Während dieser Zeit habe in nie, nie, nie, Rassismus gegen mich erlebt. Ich bin Weißer wie es weißer nicht gehen kann. Ich schäme mich für diese Hetze gegen einen Scharzen Menschen, der zudem hier in Deutschland Dienste für Deutsche leistet. Eine Schande für die CSU.

F.K.

Ich habe jetzt hier schon mehrfach von AFD-Anhängern gelesen, dass die Vorgange in Zorneding unmöglich und eine Schande sind. Sehr interessant!!! Von der CSU hat man derartiges noch nicht gehört, gelesen. Achtung Herr Scheuer, jetzt wird es gefährlich für die CSU. Die AFD überholt die CSU jetzt auch noch links.

Susanne Langholf

Die Herkunft und Hautfarbe des Zornedinger Pfarrers in Kombination mit ganz offensichtlich hoher Intelligenz und Bildung scheint ja ungeheuer provokant zu sein. Ich bin sehr entsetzt über die Aggressionen gegen den Pfarrer UND das Schweigen der CSU dazu.

Argus A.

Kein anständiger Mensch wird es richtig finden, anderen mit dem Tod zu drohen. Das steht ja wohl außer Frage.
Der Pfarrer aus Zoneding wurde von den genannten Personen beleidigt und diese Leute haben sich als ungeeignet für die Übernahme politischer Ämter erwiesen. Sie haben eine Gesinnung gezeigt, die nicht hinzunehmen ist. Da ist auch die CSU gefordert, reinen Tisch zu machen und damit zu zeigen, dass sie sich von diesen Leuten distanziert.

kleinlaut

Ich bin selbst nicht in der Kirche, aber selbstverständlich sollte sich die Kirche nicht nur bei politischen Mißständen einmischen - sie muss es sogar, wenn sie als korrektive moralische Instanz verstanden werden möchte. Sie kann doch bei (eigenem und bei fremden) Fehlverhalten nicht einfach wegsehen und fröhliche Abendmahlslieder singen. Wir leben in einer Demokratie und hier kann sich jeder äußern, solange er niemanden beleidigt oder hetzerisch ist.

Martin Philipps

Als deutscher Christ, der im Kongo lebt, bin ich sehr enttäuscht über die Erfahrung des Priesters Ndjimbi-Tshiende. Möge Gott Sie in Ihrem Gottesdienst in Deutschland ermutigen und die Polizei die Urheber der Drohungen finden.

Sebastian Pfeil

Einfach beschämend, dass Mitglieder einer Partei, die den Begriff "christlich" im Namen führt, so etwas auslösen. Befremdlich, dass im katholischen Bayern das Priesteramt so wenig respektiert zu werden scheint...

Reinhard Scheffler

Wie verlogen doch manche unserer christlichen Mitbürger sind, die sich doch als Teil einer Wertekultur verstehen, die die Flüchtlinge verinnerlichen sollen...Eine Schande für die CSU und auch für uns "andere" Deutsche.

Liesl Bucher

Ich bin entstezt über diese Vorgänge in Zorneding! Und dass hier CSU-Mitglieder in verantwortlichen Positionen fremdenfeindliche Äußerungen von sich geben, muss für die ganze Partei CSU inakteptabel sein! Solche Beschämungen und obendrein Morddrohungen dürfen nicht passieren!

Dobers

Dass führende Mitglieder einer Partei mit dem "C" in ihrem Namen so etwas von sich geben, zeigt, wie sehr sich die von der Landesspitze vertretene Politik sich auswirkt.

Trixie Belden

Demokratie ist kein Geschenk, wie wir unpolitischen Kinder der Siebziger dachten - sie muss erkämpft werden. Ich wünsche allen Kraft und Mut, die dies an vorderster Front tun, wie Herrn habil. Ndjimbi-Tshiende. Sein Schritt ist nachvollziehbar menschlich. Nicht nachvollziehbar ist der Verbleib eines Rassisten in einem Kirchengremium! Aufwachen und handeln!

Sebastian Pfeil

Einfach beschämend, dass Mitglieder einer Partei, die den Begriff "christlich" im Namen führt, so etwas auslösen. Befremdlich, dass im katholischen Bayern das Priesteramt so wenig respektiert zu werden scheint...

Ulrike Müller

Wir hatten einige Jahre einen katholischen Pfarrer aus Ghana, der hier sehr beliebt war (Schwarzwald). Auch sein Nachfolger ist Afrikaner und niemand hat ein Problem damit.

Reinhard Scheffler

Wie verlogen doch manche unserer christlichen Mitbürger sind, die sich doch Teil einer Wertekultur verstehen, die die Flüchtlinge verinnerlichen sollen.. Eine Schande für die CSU und auch für uns "andere" Deutsche.

Michael Meier

San mer scho wieder soweit? Des is a Schand!

Susanne Edelmann

Und wer ist letztlich schuld daran, dass es so weit gekommen ist? Die Partei, die sich selber christlich nennt - eine Schande ist das!

Werner Hohn

Hoffe es gibt eine "Hölle" für diese Scheinheiligen welche diese Bedrohung ausgesprochen haben.

Thomas Uhlmann

Gott war kein Bayer und hat auch nicht die weiße Rasse erschaffen! Für euch muss sich jeder anständige "Homo Sapiens" schämen...!

Vorgeschichte: Die Aussagen der CSU-Politiker

Im Oktober hatte sich die CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher im Parteiblatt "Zorneding Report" zur Flüchtlingslage geäußert. Sie sprach von einer "Invasion" und führte aus [Rechtschreibung folgt dem Originalzitat]: "Heute wird uns von den Links dominierten Medien weiß gemacht ein Militärdienstflüchtling aus Eritrea ist mit einem Heimatvertriebenen Deutschen des 2. Weltkriegs gleichzusetzen???" Es folgten kritische Stellungnahmen auch des Pfarrers und ein offener Brief des Pfarrgemeinderats von St. Martin, der die lokale CSU aufforderte, die Abbildung der beiden Gemeinde-Kirchtürme aus dem Logo ihrer Werbepostille zu entfernen.

Wenig später trat Bohers Vize Johann Haindl in der Ebersberger Zeitung nach. "Der [gemeint ist der Pfarrer, Anm. der Red. ] muss aufpassen, dass ihm der Brem [Altpfarrer von Zorneding] nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger." Das Erzbistum München und Freising verurteilte in einer Mitteilung die "rassistische Entgleisung eines politischen Mandatsträgers". Nach mittlerweile deutschlandweiten Schlagzeilen und massiver Kritik traten Boher und Haindl im November von ihren Ämtern zurück. Haindl legte auch sein Gemeinderatsmandat nieder. Boher sitzt nach wie vor im Gemeinderat. Nebenbei: In ihrer Dissertation hatte sich die Unternehmensberaterin und Marktforscherin vor zwei Jahrzehnten mit dem Thema "Parteienverdrossenheit" beschäftigt.


111

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Hanne Sader, Freitag, 11.März, 14:41 Uhr

61. Morddrohung gegen Pfarrer

Ich kann es nicht fassen, dass so etwas in unserm angeblich christlichen Land möglich ist, ich schäme mich.

Tanja Castell, Donnerstag, 10.März, 17:58 Uhr

60. Viel Glück für unseren Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende

Mich macht das Ganze mehr als traurig. Über eine Stunde konnte ich mit unserem Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende sprechen (26.02.), die schrecklichen Briefe lesen und mir wieder bestätigen lassen, dass es nicht nur aus der Gemeinde kommt, sondern unser Pfarrer vor allem auch keinen Rückhalt des inneren Kreises, der Kirchenverwaltung und des Kirchenrates hatte. Er meinte, er hätte mehr Kraft gehabt gegen den Rassismus anzugehen und stark zu sein, wenn er nicht auch von seinen "eigenen Leuten" so drangsaliert worden wäre. Vom Heizung abdrehen, jeden Morgen im kalten Winter bis hin zu pulverartigen Substanzen im Briefkasten. Ähnlich erging es bereits Pfarrer Karrmann vor ein paar Jahren, Pfarrer Beat, der auch froh war, Zorneding verlassen zu können und nun auch unser Pfarrer Olivier. Der Satz von ihm "Zorneding wäre so schön, ohne die Zornedinger" wird mir noch lange in Erinnerung bleiben in der Hoffnung, dass sich baldmöglichst endlich einiges ändert, vor allem auch im "inneren Kreis"!

R. Krüger, Hessen, Mittwoch, 09.März, 23:40 Uhr

59. Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende

Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende habe ich vor ca. 27 Jahren in unserer Pfarrgemeinde als Urlaubsvertretung kennen gelernt.Er sprach schon damals ausgezeichnet deutsch, wobei ihm jedes Wort in seiner Bedeu tung wichtig war. Er war u.a. eiiner der besten Priester und Seelsorger, die ich in meiner mehr als 30jährigen Tätigkeit als Pfarrsekretärin erlebt habe. Bei dem Priestermangel könnte sich jede Pfarrgemeinde - vor allem in der Diaspora - glücklich schätzen, einen Priester wie ihn zu haben.

Kukuschko, Mittwoch, 09.März, 21:06 Uhr

58. Es sind hier derart viele Zornedinger im Forum

dass man sich schon fragt, ob nicht auch der eine oder andere Geisterfahrer dabei ist.

  • Antwort von Nicht Zornedinger, Freitag, 11.März, 09:10 Uhr

    Ist das ein exklusiver Artikel nur für Zornedinger? Nicht Zornedinger dürfen dazu keine Meinung haben?

Horst , Mittwoch, 09.März, 20:48 Uhr

57. Kein Zuwanderungsproblem

wird durch Gefühlsregungen positiver oder negativer Art gelöst. Fest steht, dass die Probleme immer unübersichtlicher werden. Zorneding ist nur ein kleiner Teilausschnitt.