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Skandal um Pfarrer in Zorneding Bürgermeister gegen Gemeinderätin

Der Zornedinger Bürgermeister Piet Mayr hat die umstrittene CSU-Gemeinderätin Sylvia Boher öffentlich zum Rücktritt aufgefordert. In der Gemeinderatssitzung erklärte er, er wolle nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten. Boher will aber bleiben.

Von: Michael Bartmann

Stand: 18.03.2016

Er hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: der Rücktritt des Zornedinger Pfarrers Olivier Ndjimbi-Tshiende. Der dunkelhäutige Pfarrer war rassistisch beleidigt worden und hatte Morddrohungen erhalten. Ausgelöst hatte das Ganze die CSU-Gemeinderätin mit hetzerischen Aussagen gegen Flüchtlinge.

Die Worte von Bürgermeister Mayr, ebenfalls CSU-Mitglied, waren deutlich. Er wolle nicht länger mit Boher zusammenarbeiten und fordere sie im Namen aller Zornedinger auf, ihr Mandat umgehend niederzulegen, so Mayr zu Beginn der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend.

"Ich fordere Frau Boher jetzt zum unverzüglichen Rücktritt auf, um Schaden von der Gemeinde Zorneding abzuwenden und um die Zusammenarbeit im Gemeinderat wieder herzustellen."

Bürgermeister Mayr im BR

In zwei Minuten erledigt

Bei der Sitzung im Rathaus fehlte Boher.

Bei Boher selbst scheint diese Forderung aber auf taube Ohren zu stoßen. Bei der Sitzung fehlte die umstrittene Gemeinderätin. Sie hatte sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen lassen. Im persönlichen Gespräch habe sie aber deutlich gemacht, so der Bürgermeister, dass sie überhaupt nicht daran denke, ihr Mandat niederzulegen. Eine rechtliche Handhabe hat die Gemeinde nicht: Boher ist bis zu den nächsten Kommunalwahlen gewählt.

Er könne deshalb nur an seine Kollegin appellieren, einzulenken und dem Ansehen Zornedings nicht länger zu schaden, so Bürgermeister Mayr. Zu einer Abstimmung im Gemeinderat über die Causa Boher kam es nicht. Das Ganze dauerte nur gute zwei Minuten. Die SPD, die ursprünglich die Gemeinderäte über die Rüchtrittsforderung abstimmen lassen wollte, zog ihren Antrag zurück. Wortmeldungen gab es keine - auch sonst keine erwähnenswerten Reaktionen auf die Erklärung des Bürgermeisters. Offensichtlich wollten die Gemeinderäte möglichst schnell zurück zur Tagesordnung.

Bei den zahlreichen Zuschauern sorgte das für einiges Murren. Sie waren vor allem wegen Boher gekommen. "Das soll's jetzt gewesen sein?", fragte einige. Da die Gemeinderätin sich weigert, ihr Mandat aufzugeben, ist die nächste Konfrontation im Gemeinderat programmiert.

  • Autorenprofil Michael Bartmann | Bild: BR/Julia Müller Michael Bartmann

    Hörfunk-Reporter in der Redaktion Oberbayern, Onliner und Autor für BR24


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Sigi, Samstag, 19.März, 18:23 Uhr

13. Ein Blick ins Gesetz schärft die Rechtskenntnis...

....gilt das dann auch für die rassistische Gemeinderätin?

Man sollte schon gleiche Maßstäbe anlegen. Es hat einen Faden Geschmack, wenn Rechtsstaatlichkeit einseitig eingefordert wird.
Rassismus ist nicht rechtsstaatlich!

bunter Rheinländer, Samstag, 19.März, 17:36 Uhr

12. Gesinnungspolizei?

"Die Gedanken sind frei" - aber die Äußerung nicht mehr.
Da braucht sich dann niemand wundern.
Jetzt wird ein Sündenbock gesucht: sie wagte es auszusprechen, was fast alle dachten.
Die "Kritiker" sind noch verlogener als das, was sie vorgeben anzuprangern.

  • Antwort von Schwarzer Landrheiner, Samstag, 19.März, 18:44 Uhr

    @Verfehlter Gedankenleser

    Aha! Und sie konnten Gedankenlesen und wissen was alle gedacht haben? Kann man sie für Fasching buchen? Optional können sie es auch mit Logik versuchen.
    Die Kritiker haben sie bei der Gelegenheit auch gleich "durchgelesen"?

    Was sie denken ist ihre Sache. Dafür brauchen sie keinen "Gesinnungspolizist" inszenieren. Was sie schreiben ist "kritischer" Unsinn.

Lydia, Samstag, 19.März, 09:46 Uhr

11. Ein Blick ins Gesetz schärft die Rechtskenntnis....

Wo bitte ist der Artikel/Paragraf, der besagt, dass die GR Mitglieder über den Ausschluss/Rücktritt eines GR-Mitglieds entscheiden können?
Der GR wird vom Bürger gewählt, und kann nicht wegen unliebsamer Äußerungen/Tätigkeiten/Abstimmungen durch Gemeinderatsmitglieder abgesetzt werden.
Wo kämen wir denn da hin? Am Schluss würde Jeder, der nicht zum Mainstream passt, abgesetzt?
Noch haben wir ein bisschen Rechtsstaatlichkeit in diesem Land, diesie sollten wir tunlichst erhalten!

Und zum Problem Pfarrer/Gemeinde: Wenn ich so die Protokolle der PGR Sitzungen zwischen den Zeilen lese, gabs da seit geraumer Zeit diverse Probleme monetärer Art.

  • Antwort von Rechtsstaatler, Samstag, 19.März, 18:19 Uhr

    @Lydia

    Korrekt. Sie berufen sich auf Rechtsstaatlichkeit? - Dann fordern sie das bitte auch von der Gemeinderätin ein. Das Verhalten war hetzerisch unrechtmäßig und damit nicht rechtsstaatlich. Gerade von Vertretern in öffentlichen Ämtern erwarten Bürger zurecht auch eine Vorbildfunktion. Diese Funktion erfüllt sie nicht.
    Politiker mit Ehre ziehen daraus Konsequenzen.
    Zornedinger werden vermutlich dagegen protestieren oder Mahnwachen abhalten bis die Einsicht und Vernunft wieder einkehrt. Ausserdem finde ich es schäbig, wenn man sein Fehlverhalten nicht erkennt.

    Es gibt verzeihbare Fehler von Politikern, aber eben auch nicht entschuldbare Todsünden. Das Letztere trifft hier zu.

Scheinheiligenverein, Freitag, 18.März, 17:28 Uhr

10. Libertas Bavariae

Es ist ja schon interessant, mal in das Innenleben der Staatspartei zu schauen.
Ebenso interessant ist das beredte Schweigen der Grosskopfeten, die doch sonst zu allem und jedem eine Meinung haben. Lauter mutige Kerle sind das!

Münchner, Freitag, 18.März, 13:15 Uhr

9. Frau Boher

Gemeinde Zorneding - immer schön die Fassade wahren gell Her Bürgermeister. Frau Boher hat das gesagt, was 75% der Deutschen denken, nur noch nicht öffentlich sagen aus Angst vor Repressalien. Aber deswegen muss man noch lange kein Rechtsradikaler sein. Ist wie bei Mc Donalds, keiner geht hin aber die Filialen sind voll.

  • Antwort von FK, Freitag, 18.März, 13:34 Uhr

    Wer solche Satements über Flüchtlinge abgibt wie Fr. Dr. Boher hat eine rechtsradikale Gesinnung und damit basta.
    Und es ist immer wieder dasselbe unqualifizierte Geschwafel:
    "Ich bin zwar kein Nazi, ... aber..."
    Sagen Sie es doch einfach, daß Sie das Asylrecht abschaffen wollen und daß Sie keine Menschen mit schwarzer Hautfarbe haben wollen.
    Genauso wie in den 50iger und 60iger Jahren Kinder von deutschen Frauen und schwarzen GI´s von der Gesellschaft ausgeschlossen wurden und man die Mütter als ...Nutten bezeichnet hat.
    Und Sie glauben im Ernst 75% der Deutschen wollen das?
    Wenn das stimmt, da dann gute Nacht.

  • Antwort von Manfred, Freitag, 18.März, 13:44 Uhr

    Bitte schließen Sie nicht von sich auf die Mehrheit der Bevölkerung!

  • Antwort von Karl, Freitag, 18.März, 16:27 Uhr

    Rassismus und Fremdenhass, wie von Frau Boher geäußert, entsprechen ganz sicher nicht der Ansicht von 75% Prozent der Deutschen! Es ist erschreckend, wie sich eine Minderheit von Rassisten immer wieder einfach zur Mehrheit erklärt und sich anmaßt für das ganze Volk zu sprechen. Ob man das jetzt rechtsradikal nennt oder nicht, eins ist es in jedem Fall: menschenverachtend und widerlich!

  • Antwort von Francesco, Samstag, 19.März, 09:06 Uhr

    Ich finde es schon schlimm genug, dass Sie so denken, aber noch schlimmer finde ich Ihre Hetze, die Stimmung Ihres Umfeldes sei die Meinung der Allgemeinheit. Das stimmt einfach nicht. Möglicherweise hilft - seriöses Interesse unterstellt - besser informieren...