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Klimakiller Zement Wie das Zementwerk Rohrdorf umweltfreundlicher werden will

Zement ist schlecht für unser Klima. So setzt die Zementproduktion mehr CO2 frei als der weltweite Flugverkehr. Aber das Zementwerk Rohrdorf südlich von Rosenheim will den Baustoff umweltfreundlicher machen.

Von: Linus Lüring und Matthias Lauer

Stand: 10.11.2017

Zementwerk Rohrdorf | Bild: BR/Linus Lüring

Dass Autos oder Kraftwerke Klimasünder sind, ist nichts Neues. Aber auch bei der Zementherstellung wird klimaschädliches CO2 freigesetzt - mehr als doppelt so viel wie vom gesamten Flugverkehr weltweit. Das liegt am Hauptbestandteil von Zement, der auch bei Rosenheim abgebaut wird: Kalkstein aus abgestorbenen Muscheln und Korallen.

"Das war hier mal Gletscher- und Meergebiet. Hier sind dann die Kleinstlebewesen gestorben. Die haben das CO2 aufgenommen und es über Millionen Jahre konserviert."

Mike Edelmann, Geschäftsführer Rohrdorfer Gruppe

Wird der Kalk zu Zement gebrannt, wird CO2 frei. Das ist nicht zu verhindern. Trotzdem kann Zement umweltverträglicher werden.

Hüttensand als Beimischung

Das Zementwerk Rohrdorf bei Rosenheim mischt ein Abfallprodukt, das in der Eisen- und Stahlindustrie entsteht, in die meisten Zementsorten: Hüttensand. Die kleinen, bräunlichen Steinchen sind so groß wie Weizenkörner. Bis zu einem Viertel des gewöhnlichen Zements wird heute dadurch ersetzt. Das heißt auch: Ein Viertel weniger CO2 wird frei -und der Anteil soll größer werden. Die Hersteller experimentieren weiter, um noch mehr des gewöhnlichen Zementsorten zu ersetzen. Damit könnte umweltfreundlicher gebaut werden. Dabei muss aber niemand Angst haben, dass dieser klimafreundlichere Zement schlechter ist. Die Qualität wird ständig überprüft. Und: Bei großen Bauwerken, zum Beispiel bei Staudämmen, kann dieser neue Zement sogar besser halten.

Zementindustrie experimentiert weiter...

"Die Zukunft des Produkts hängt einfach davon ab, dass es umweltfreundlicher und nachhaltiger ist. Die Politik wird sonst der Zementindustrie große Schwierigkeiten machen. Wir haben das bei der Atomindustrie bereits erlebt. Die Politik greift dann einfach ein, wenn der Weg falsch ist."

Professor Johann Plank, Lehrstuhl für Bauchemie, TU München

Dabei ist die Herausforderung für die Industrie groß. Derzeit gibt es zum Beispiel Versuche mit einem Gemisch aus Zement und Ton. Marktreif ist der Baustoff allerdings noch nicht.


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Kommentare

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Wolfgang, Freitag, 10.November, 18:11 Uhr

3. Zement deutlich besteuern, dann wird für längere Nutzungszeit geplant und gebaut

Vereinfacht, wieso halten unsere Betonbrücken nur rund 40 Jahre, die Engelsbrücke in Rom schon 2000 Jahre.

Aber auch der langwieser Viadukt der Rhätischen Bahn in Graubünden ist schon 113 Jahre alt, Beton!

Viele Bahn- und Straßenbrücken wurden in genieter, später geschweißter Stahlfachwerkbauweise errichtet. Diese konnten mit Kränden ggf. herausgehoben werden und einfach durch neue Brücken ersetzt werden. Stahl lässt sich sehr gut receyclen....

Egon, Freitag, 10.November, 15:36 Uhr

2. Fazit: Fliegen ist gesund !

Also, geht doch. Wieder einer mehr angeschwärzt ....... Ich würde zuerst die Fliegerei abschaffen, dann den Bahnverkehr ausbauen ...... dann erst kann man sich mal über den Zement unterhalten. Bis dahin habe ich hoffentlich ein passendes Zelt gefunden zum Wohnen bzw. genügend Baumstämme fürs Blockhaus aus dem Wald geholt.

PeterZä, Freitag, 10.November, 14:41 Uhr

1. Neuheit?

Das macht die Industrie bereits seit Generationen.
Das ist wirklich nichts neues.
Alles was irgendwo an tauglichen Sondermüll anfällt wird verwendet.
"Hüttensand" klingt halt nicht so ungesund an wie "Hochofenschlacke"