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Eishallen-Einsturz vor zehn Jahren Gedenkfeier in Bad Reichenhall

Bad Reichenhall hat der Opfer des Eishallen-Einsturzes vor zehn Jahren gedacht. Bei der Katastrophe am 2. Januar 2006 kamen zwölf Kinder und Jugendliche sowie drei Mütter ums Leben. Von Christine Haberlander und Christoph Dicke

Von: Christine Haberlander und Christoph Dicke

Stand: 02.01.2016

Zum Zeitpunkt des tragischen Unglücks, um 15.54 Uhr, versammelten sich die Angehörigen an der Erinnerungsstätte aus bunten Glasstelen, die sich auf dem ehemaligen Eishallengelände an der Münchner Allee in Bad Reichenhall befindet. Dort gedachten sie der 15 Menschen, die bei dem Unglück getötet wurden. Bei der Gedenkfeier mit dabei war auch der Oberbürgermeister von Bad Reichenhall, Herbert Lackner. Im Anschluss an die privat gehaltene kurze Gedenkfeier wurde im Münster St. Zeno ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten.

Albtraum für Bad Reichenhall

Das Drama ist bis heute unfassbar: Um 16 Uhr hätte die Halle aus den 70-er Jahren für den Publikumsverkehr ohnehin gesperrt werden sollen, um das Dach voller Schnee  freizuschaufeln.

Doch sechs Minuten vorher, um 15.54 Uhr, stürzt die Konstruktion aus Holz, Glas und Metall wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Es trifft rund 50 Eisläufer, die noch Sekunden zuvor in der Halle unbeschwert ihre Runden gedreht haben. Die Einsatzkräfte können 34 teils schwer verletzte Menschen aus den Trümmern retten. Für 15 Menschen kommt jede Hilfe zu spät.

Rückblick auf die Katastrophe

Montag,  2. Januar 2006

Es schneit ohne Unterbrechung. Die Rettungskräfte im Berchtesgadener Land haben bereits drei Lawinenopfer auf der Reiteralpe geborgen, als ein neuer Großalarm eingeht:

15:54 Uhr

Unter einer gewaltigen Schneelast stürzt in Bad Reichenhall unvermittelt das Dach der 33 Jahre alten Eissporthalle ein (hier ein Bild vom Zustand im Jahr davor). Besonders tragisch dabei: Um 16 Uhr wäre die Halle für den Publikumsverkehr geschlossen worden, um danach den Schnee vom Dach zu räumen. Nun liegen Menschen unter tonnenschweren Holzbalken, Stahl und Glas verschüttet.

16:01 Uhr

Nach und nach treffen Retter ein und machen sich ein Bild von der schlimmen Lage. Bis zu 150 Menschen werden unter den Trümmern vermutet. Vor allem viele Kinder und Jugendliche sollen unter den Vermissten sein. Es werden erste Tote geborgen und verletzte Eisläufer ins Krankenhaus eingeliefert. Die Einsatzkräfte arbeiten unermüdlich auch unter Einsatz ihres eigenen Lebens.

22:45 Uhr

34 Menschen können gerettet werden. Sie sind zum Teil schwerst verletzt. Ein fünfjähriges Mädchen wird als letzte Überlebende aus dem Trümmer-Berg befreit. Sie steht kerzengerade im Schnee, steckt zwischen Balkenteilen fest. Ein Wunder, dass ihr nicht mehr passiert ist.

Donnerstag, 5. Januar 2006: 2 Uhr

Als letzte Tote wird eine 40-jährige Frau geborgen. Die Bilanz des Eishalleneinsturzes von Bad Reichenhall: 15 Menschen kommen ums Leben: zwölf Kinder und Jugendliche sowie drei Frauen

Die juristische Aufarbeitung der Katastrophe

Auch wenn die strafrechtliche Aufarbeitung 2011 quasi abgeschlossen wurde, sind bis heute viele Fragezeichen geblieben. Bei Prozessen gegen Verantwortliche für Bau und Betrieb der Eishalle kam es nur zu einer Strafe: Der Konstrukteur der Halle wird 2008 zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der Gutachter, der noch drei Jahre vor dem Einsturz der Halle einen guten Zustand bescheinigt hatte, wurde in zwei Prozessen frei gesprochen - auch wenn der Bundesgerichtshof den ersten Freispruch aufgehoben hatte. Ebenso konnte der angeklagte Architekt strafrechtlich nicht belangt werden.

Alarmzeichen bei maroder Halle offenbar missachtet

Die für die Eishalle Verantwortlichen der Stadt Bad Reichenhall kamen erst gar nicht auf die Anklagebank. Vertreter der Opfer vermuteten hier eine gewisse Befangenheit der Staatsanwaltschaft. Doch die Anzeige eines Hinterbliebenen gegen den Chefankläger wegen Strafvereitelung im Amt blieb ohne Folgen. Zumindest bescheinigte der Richter im Prozess gegen den Gutachter den zuständigen Beamten, sie hätten eine Vielzahl an Alarmzeichen bei der maroden Halle missachtet. Was aber strafrechtlich ohne Konsequenz blieb.

Bad Reichenhall überprüft alle öffentlichen Gebäude

Als Konsequenz aus der laut OB Herbert Lackner "größten Katastrophe in der Nachkriegsgeschichte der Stadt" hat Bad Reichenhall alle öffentlichen Gebäude überprüft und mit Millionenaufwand saniert. Anfang 2010 hat die Stadt durch einen Wiesbadener Künstler eine Gedenkstätte auf dem ehemaligen Eishallengelände errichten lassen: 15 bunte Glasstelen ragen seitdem in den Himmel - für die 15 getöteten Menschen an jenem 2. Januar 2006. 

  • Oberbayern-Korrespondentin Christine Haberlander aus dem Studio in Traunstein | Bild: Ulrich Kölbl / BR Christine Haberlander

    BR-Korrespondentin für Traunstein, Altötting, Mühldorf und das Berchtesgadener Land

  • Christoph Dicke, Reporter im Bereich Aktuelles/Landesberichte/Bayern für Hörfunk, Fernsehen und Online | Bild: BR / Markus Konvalin Christoph Dicke

    BR-Reporter im Bereich Aktuelles/Landesberichte/Bayern für Hörfunk, Fernsehen und Online


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