30

30 Jahre nach Tschernobyl Wildschweine immer noch radioaktiv belastet

Winterzeit ist Jagdzeit. Bei den Wildschweinen ist jedoch knapp 30 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe die Belastung mit Cäsium sehr hoch. Besonders im Landkreis Landsberg am Lech wurden ungewöhnlich hohe Werte gemessen.

Stand: 27.01.2016

Eine Rotte Wildschweine | Bild: colourbox.com

"Überläuferbache mit 48 Kilo - 495 Bequerel. Frischling mit 22 Kilo - 602 Bequerel. Dann ein Frischling mit 32 Kilo 715 Bequerel - also auch drüber ..."

Jäger Michael Kratzeisen

So ist es, wenn der Jäger Michael Kratzeisen aus dem Tagesprotokoll von Ende Dezember liest - es erweckt wenig Appetit: Der Jäger schreibt in seiner zertifizierte Messstelle genau die Cäsiumbelastung bei jedem erlegten Wildschwein auf. 600 Becquerel pro Kilo sind der Grenzwert, ab da darf das Fleisch nicht verkauft oder verschenkt werden.

Frischlinge sind besonders belastet - verstrahlte Schwammerl

Aus Sicherheitsgründen gilt bei den mobilen Messstellen - und das sind die meisten in Oberbayern - sogar die Grenze von 500 Becquerel. Da lag auch einer der Frischlinge drüber, den Kratzeisen gemessen hat: Über 1.000 hatte das Jungtier; ein anderes Tier hatte sogar knapp 8.000 Bequerel. Laut Kratzeisen sei das noch nicht alarmierend: Gerade im Winter seien die Frischlinge besonders belastet, das liege an der Nahrung der jungen Wildschweine. Die ernähren sich nämlich ab dem Herbst von Pilzen; genau dadurch nehmen sie das Cäsium auf.

Besonders in den Maronen-Schwammerl ist das Cäsium gespeichert und noch mehr im Hirschtrüffel, weil der direkt im Boden wächst. Und Frischlinge lagern das Cäsium viel stärker in Relation zum Körpergewicht ein als Säue oder Eber. Im Landkreis Landsberg gibt es noch eine Besonderheit:

"Bei uns im Landteil gibt es Bereiche, das ist im Bereich Landsberg vor allem der westliche Teil, also jenseits des Lechs, die eben grundsätzlich höher belastet sind. Da kann ich auch nur mutmaßen, ob es da an dem Fallout lag damals, weil da vermehrt Gewitter waren, oder ob da drüben jetzt mehr Hirschtrüffel wachsen als hier östlicherseits."

Jäger Michael Kratzeisen

Dass im Winter das Schwarzwild höher belastet ist als sonst, ist bei Jägern und auch im Landesamt für Umweltschutz bekannt. Überhaupt gibt es schon immer regionale und saisonale Besonderheiten. Insofern bleibt auch 30 Jahre nach Tschernobyl nichts anderes übrig als jedes Wildschwein zu messen. Denn Tatsache ist, dass die Wildschweine kein festes Revier wie etwa Hirsche oder Rehe haben. Sie leben im Wald und auch auf dem Feld, in einem Umkreis von vielen Kilometern. Dadurch kann niemand vorhersagen, was die Tiere in welchem Gebiet gefressen haben. Und Frischlinge sind besonders belastet, sie können auch durch Muttermilch das Cäsium aufnehmen.

Alpenregion und Bayerischer Wald am stärksten belastet

Wenn ein Tier mehr Mais frisst, dann ist die Belastung viel geringer als wenn es Eicheln isst, die im Wald wachsen - der Waldboden ist immer noch stark belastet, im Gegensatz zum Ackerboden. Wenn Schwarzwild gefüttert wird wie etwa im Forstenrieder Park, dann ist das Fleisch kaum mit Cäsium belastet. Generell lässt sich sagen: In Bayern sind die Alpenregion und der Bayerische Wald am stärksten betroffen. In Oberbayern gab es nach dem Reaktorunglück in Tscherbnobyl in Oberbayern einzelne Fall-outs durch Regen: Beispielsweise hatte es rund um Kolbermoor und bei Landsberg geregnet, auch Ebersberg ist stärker belastet. Andere Regionen sind weniger belastet, beispielsweise Dachau und Fürstenfeldbruck.

Radioaktivität im Wildschwein, im Flieger, beim Röntgen, durch die Erdstrahlung

Ist es bedenklich, einen Wildschweinbraten zu essen? Die Strahlung von einer Portion mit 600 Becquerel Cäsium ist ungefähr ein Tausendstel von dem Wert, den ein durchschnittlicher Bundesbürger im Jahr durch Erdstrahlung usw. als Radioaktivität zu sich nimmt - da ist jeder Flug und jedes Röntgenbild viel gravierender. Allerdings ist es auch Fakt, dass sich die Strahlenbelastung addiert.


30

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Frankenberger, Samstag, 06.Februar, 15:35 Uhr

5. Radioaktive Wildschweine

Solche Artikel werden seit Jahren geschrieben. Aus Versehen habe ich dann einen bereits etwas älteren verlinkt. Darauf schrieb mir jemand: Der Artikel ist Jahre alt !

Offensichtlich begreifen viele "Radioaktivität" nicht. Oder sollen es nicht begreifen, denn in Japan spielt man aus wirtschaftichem Interesse mit diesem Thema fahrlässig herum !

Rentner 77, Donnerstag, 28.Januar, 14:57 Uhr

4. Radioaktive Belastung der Wildsauen

nach dem Desaster in Tschernobil wurde manchem klar,das die Verseuchung eine Halbwertzeit von ca.30000 jahren hat,das heißt das nach 30000 jahren nur die hälfte der Verstrahlung zurück gegangen ist.Bitte nicht die Bürger für dumm verkaufen,es ist schon genug von den Politikern dumm geredet worden.

Dr. Peuser Manfred, Donnerstag, 28.Januar, 13:14 Uhr

3. radioaktive Wildschweine

Der letzte Absatz ist korrekt. Bei den Wildschweinen wurde noch nie eine Strahlenschädigung festgestellt. Der Genuß von Wildschweinfleisch oder Maronenpilzen
ist auf Grund der geringen Menge völlig unbedeutend, denn jeder Mensch strahlt selbst mit ca. 5000 Bequerel durch das Isotop Kalium 40.

Andreas Nagel, Donnerstag, 28.Januar, 10:29 Uhr

2. Bitte richtige Begriffe verwenden

Hallo zusammen!

Interessanter Bericht! Es ist schon erstaunlich das die Belastung auch noch nach 30 Jahen so hoch ist.

Ein kleinen Einwand hätte ich als Jäger aber: Bei Wildschweinen heißt das weibliche Stück Bache - das männliche Keiler!

Mit waidmännischem Gruß

Andreas Nagel

stefan, Donnerstag, 28.Januar, 08:16 Uhr

1. Kosten für die Steuerzahler

Für verstahlte Wildschweine werden immer noch Ausgleichszahlunge nach dem Atomgesetz geleistet. - Kurze Zeit nach Tschernobyl wurden Zahlungen in Höhe von 150 Mio. Euro ausgezahlt - Über die aktuellen Kosten für die Wildschweine finden sich aber keine Angaben.