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Wiesn 2015 Eine Million Maß Bier am ersten Wochenende

Mit viel Bier, zwei Schlägen zum Anstich und einigen Schwerverletzten startete das erste Wiesn-Wochenende. Der Höhepunkt am Sonntag: der Trachten- und Schützenumzug. Als "heiter und entspannt" bezeichnete Münchens zweiter Bürgermeister und Festleiter Josef Schmid den Auftakt.

Stand: 20.09.2015

Trotz einiger Regenschauer haben viele Menschen das Münchner Oktoberfest besucht. Laut Schätzungen der Stadt München sind am ersten Wiesn-Wochenende wohl eine Million Besucher gekommen. Die Zelte mussten teils wegen Überfüllung geschlossen werden. Festleitung, Schausteller, Wirte und Marktleute sind mit diesem Auftakt zufrieden. Auch Josef Schmid, Festleiter und zweiter Münchner Bürgermeister spricht von einer guten Stimmung.

"Ich wünsche mir, dass die Wiesn so harmonisch weitergeht, wie sie gestartet ist, denn dann wird es auch heuer wieder das schönste Volkfest der Welt."

Josef Schmid

Veggie-Gerichte sind im Kommen

Unter den Besuchern waren wie jedes Jahr auch viele Italiener, US-Amerikaner und auch Gäste aus Asien, die teilweise auch im Phantasie-Trachtenlook feierten. Insgesamt wurden zwei Ochsen weniger als letztes Jahr verspeist, nämlich zehn. Immer mehr wählen vegetarisches Essen. So meldet ausgerechnet die Ochsenbraterei eine erhöhte Nachfrage nach Spinatknödeln. Insgesamt tranken die Wiesngäste knapp eine Million Maß Bier.

BRWiesn 2015 ...

Tausende marschieren farbenfroh zur Wiesn

Trachtenumzug durch München

Rund 9.000 Trachtler, Schützen, Fahnenschwinger, Jäger und zahlreiche Musikkapellen und Spielmannszüge zogen am Sonntagvormittag durch die Münchner Innenstadt auf die Theresienwiese. Sieben Kilometer war er lang: der Trachtenumzug wurde vom Münchner Kindl, Laila Noeth, angeführt. Gruppen aus ganz Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien, Serbien und Polen reihten sich in den Festzug ein.

Die Teilnehmer präsentierten in farbenprächtigen traditionellen und historischen Gewändern Brauchtum und zum Teil auch alte Handwerkskunst.

In festlich geschmückten Ehrenkutschen fuhren der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mit ihren Ehefrauen Karin beziehungsweise Petra mit.

Bilderbuch-Start für die 182. Wiesen

Unter weiß-blauem Himmel waren gestern die Festwirte auf die Theresienwiese eingezogen. Münchens OB Dieter Reiter (SPD) hatte das erste Fass mit nur zwei Schlägen angezapft.

Zwei Sekunden zu früh allerdings hatte der Münchner Oberbürgermeister die zwei rekordverdächtigen Schläge gesetzt. "Nicht stolz, aber glücklich," sei er, kommentierte Reiter:

"Es war dieses Jahr ohne große Vorbereitung. Es funktioniert genauso gut, wie wenn man sich tagelang auf den Anstich vorbereitet und ins Trainingslager geht. Es ist eine Frage von Sekunden und ob der erste Schlag passt oder nicht."

Münchens OB Dieter Reiter

Viel Lob für Anstich-Technik

Hochprofessionell, sehr konzentriert und kraftvoll - so würdigt der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude den Erfolg seines Nachfolgers. Nun müsse Reiter aber aufpassen, dass es mangels Steigerungsmöglichkeiten nicht langweilig werde. Er rate deshalb zwischendurch zu einer richtigen Panne, einer Bierfontäne etwa, damit es wieder spannend werde.

Die erste Maß reichte Dieter Reiter traditionsgemäß dem bayerischen Ministerpräsident Horst Seehofer. Und auch er lobte Reiter für seine Anzapf-Technik. Er hole nicht weit aus, aber sehr kräftig, so der CSU-Chef.

"Das sind die Besten. Das ist wie beim Elfmeter. Wer nicht so lange anläuft und kunstvoll das verwandelt - das sind die Exzellenten und das ist hier auch so."

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer

Ude durch Reiter entthront

Ganze vier Schläge hatte Dieter Reiter bei seiner Premiere im vergangenen Jahr gebraucht, bis das Bier aus dem 200-Liter-Holzfass floss. Wobei der vierte Schlag nur ein halber war - und auch nur ein Sicherheitsschlag.

Reiters halblaute Bemerkung "Sch... drauf. Wurscht!" ins BR-Mikrofon ging um die Welt. Reiters Vorgänger und Parteifreund Christian Ude ist mit zwei Schlägen nun nicht mehr Rekordhalter.

Trotz Flüchtlingskrise feiern

Dieter Reiter wünscht sich besonders in diesem Jahr eine friedliche Wiesn. Trotz Flüchtlingskrise sollten die Menschen Spaß haben. Man dürfe auch zwischendurch feiern. Es sei keine Katastrophe zu beklagen, sondern einen logistische Herausforderung.

"Wir wollen in München zeigen, dass beides geht. Sich durchaus emotional mit dem Flüchtlingsthema zu befassen, aber gleichzeitig auch zu feiern."

Dieter Reiter

300 Polizisten auf der Wiesn im Einsatz

Nicht einmal eineinhalb Stunden nach dem Anstich mussten sich Sanitäter um die erste "Bierleiche" kümmern. Ein etwa 50-Jähriger hat wohl zu tief ins Glass geguckt und holte sich eine Alkoholvergiftung. Im Jahr zuvor gab es das erste Alkoholopfer etwa 40 Minuten später.

Für die Sicherheit auf dem Festgelände sorgen täglich 300 Polizeibeamte, 200 weitere sind rund um die Theresienwiese im Einsatz. Die Polizei spricht von einem "normalen" Wiesnauftakt, mit Diebstählen und Raufereien.

Mehrere Schwerverletzte am ersten Wiesntag

  • Bei einem Besuch des Oktoberfests ist ein 33 Jahre alter Wiesenbesucher am Samstagabend niedergestochen worden. Zwischen dem Mann und einer Gruppe Wiesnbesucher kam es offenbar zu einer heftigen Auseinandersetzung. Im Verlauf des Streits wurde der Mann dann von einem der anderen Beteiligten mit einem Messer am Oberkörper und am Hals verletzt. Er musste sofort in einem Münchner Krankenhaus notoperiert werden. Lebensgefahr besteht bei dem Opfer nicht.
  • Einen weiteren Schwerverletzten gab es eine Stunden nach der Eröffnung. Ein 22-Jähriger ist aus bisher unbekannter Ursache von der Empore des Schützenfestzeltes gestürzt. Der Mann fiel etwa fünf Meter in die Tiefe auf den Fußboden und verletzte sich dabei schwer. Er wurde in eine Münchner Klinik eingeliefert.
  • Eine 38-Jährige stürzte aus dem Fenster eines Festzeltes. Sie schlug etwa 1,80 Meter tiefer mit dem Rücken auf dem Boden auf. Die Frau erlitt eine Platzwunde sowie ein Schädel-Hirn-Trauma. Sie wurde im Krankenhaus behandelt.
  • Ein 48-Jähriger, der vom Oktoberfest kam, lief auf die Bayerstraße. Dort erfasste ihn ein vorbeifahrender Bus. Der Mann wurde unter dem Bus eingeklemmt und musste von der Polizei befreit werden. Er wurde auf eine Intensivstation gebracht.
  • Ein Australier lief auf die Ludwigstraße und kollidierte dort mit einem Taxi, prallte auf die Motorhaube und wurde anschließend auf die Fahrbahn geschleudert. Er musste ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht werden.

Mindestens 10 Euro für die Maß

Nach den Schlägen beim Anzapfen ist die zweitwichtigste Zahl auf dem Oktoberfest der Bierpreis. Je nach Zelt kostet die Maß mindestens 10 Euro, maximal 10,40 Euro. Zum Vergleich: Die Maß Mineralwasser gibt es für um die 8 Euro.

Wiesn 2015 - die Höhepunkte

Familientage

Familientage

Dienstag, 22. September,
und Dienstag, 29. September,
jeweils von 12 bis 18 Uhr.

Karussell fahren bis zum …

Standkonzert

Standkonzert

Sonntag, 27. September, ab 11.00 Uhr, alle Wiesnkapellen spielen zu Füßen der Bavaria.

Musi(k) liegt in der Luft.

Böllerschießen

Böllerschießen

Sonntag, 4. Oktober, ab 12.00 Uhr, zu Füßen der Bavaria.

Nix für Lärmempfindliche, Schreckhafte und Feinstaubgegner!

Neu auf der Wiesn

Rund eine Milliarde Euro soll die Wiesn in die Kassen aller Beteiligten spülen. Diese Zahl hat Wiesnchef und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) ausgegeben. Zuletzt wurde diese Summe 2008 erreicht.

Neu bei den Fahrgeschäften sind "Konga" (die weltweit höchste und schnellste Megaschaukel), "Daemonium" (eine vierstöckige Geisterbahn) und "Tower Event Center" (das höchste transportable Hochhaus mit einem Roller-Parcour am nahen Abgrund).

Hendl, Riesenbrezen und Kaiserschmarrn konkurrieren mit Weißwurstleberkäs, Zuckerwatte in Blumenform und Biereis. Wem das Schützenfestzelt größer und Käfer's Wiesnschänke länger vorkommt, täuscht sich nicht. Das eine Zelt ist niegelnagelneu, das andere gestreckt worden.

Die Oide Wiesn

Seit 2010 hat das Oktoberfest eine kleine Schwester: die Oide Wiesn im Westteil der Theresienwiese neben dem Riesenrad. Besucher bekommen für drei Euro Eintritt (Kinder bis 14 Jahren zahlen nichts) viel Nostalgie, echte Volksmusik und - erstmals - ein Motodrom aus dem Jahr 1928 mit Steilwandfahrern. Der Bierpreis auf der Oidn Wiesn ist mit mindestens zehn Euro aber auf der Höhe der Zeit.

Wiesn 2015 - Öffnungszeiten & Verbote

Bierzelte

Die Bierzelte öffnen Montag bis Freitag um 10.00 Uhr und schließen um 23.30 Uhr. Letzter Bierausschank ist um 22.30 Uhr. An Samstagen und Sonntagen beginnt der Ausschank bereits um 9.00 Uhr.

Käfer's Wiesnschänke und das Weinzelt haben bis 1.00 geöffnet, letzter Ausschank ist um 0.30 Uhr. Auch Bedienungen haben ein Recht auf Feierabend!

Die Hühnerbratereien, Wurstimbisshallen und Cafézelte sind bis 23.00 Uhr geöffnet.

Fahrgeschäfte

Am Eröffnungstag ist bei Karussells & Co. von 10.00 bis 24.00 Uhr Betrieb.

Sonntag bis Donnerstag laufen die Fahrgeschäfte von 10.00 bis 23.30 Uhr.

Samstags, am Freitag, 25. September, am Donnerstag, 1. Oktober, und am Freitag, 2. Oktober, drehen sich die Fahrgeschäfte von 10.00 bis 24.00 Uhr.

Oide Wiesn

Auf der Oiden Wiesn geht's von 10.00 bis 23.00 Uhr rund. Ausschank und Musik enden um 21.30 Uhr. Die Kassen öffnen um 9.30 Uhr.

Kinder & Jugendliche

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen sich nach 20.00 Uhr nur in Begleitung einer erziehungsberechtigten Person auf dem Festplatz aufhalten. Im Bierzelt dürfen Kinder unter 6 Jahren in Begleitung einer erziehungsberechtigten Person nur bis 20.00 Uhr bleiben.

Kinderwagen

Kinderwagen sind von Sonntag bis Freitag auf dem Festgelände bis 18.00 Uhr erlaubt.

Erstmals sind Kinderwagen an Samstagen - und damit in diesem Jahr auch am Feiertag 3. Oktober - generell untersagt.

Tiere

Für Tiere gilt: "Wir müssen draußen bleiben". Blindenführhunde sind ausgenommen.

E-Zigaretten

Das Rauchverbot gilt auch für E-Zigaretten. "Laut Bundesnichtraucherschutzgesetz herrscht ein allgemeines Rauchverbot, ohne Unterscheidung bestimmter Produktgruppen wie Zigarren, Zigaretten oder E-Zigaretten", schreibt die Stadt, die das Oktoberfest veranstaltet, auf ihrer Homepage.

Am besten öffentlich!

Bitte festhalten! Die Rolltreppen am U-Bahnhof Theresienwiese fahren während der Wiesn "schneller".

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist während des Oktoberfestes im Großeinsatz: Sie setzt an allen Tagen zusätzliches Personal sowie mehr Bahnen und Busse ein - insgesamt sind es 6.000 Extra-Fahrten. Schätzungsweise sechs Millionen Besucher wollen transportiert werden. Sogar die Rolltreppen im U-Bahnhof Theresienwiese werden beschleunigt: Sie fahren um 0,18 Meter pro Sekunde schneller als sonst.


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