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Welt-Down-Syndrom-Tag In Altenstadt gelingt die Inklusion

Der 21. März ist der „Welt-Down-Syndrom-Tag". Wie erfüllt das Leben von Kindern mit Trisomie 21 sein kann, beweist die 10-jährige Serafina. Sie besucht die Grundschule in Altenstadt bei Schongau.

Von: Julia Binder

Stand: 21.03.2017

Die Schülerinnen und Schüler in der jahrgangsübergreifenden Flexiklasse 1/2 sind sehr konzentriert. Mathe steht auf dem Stundenplan, da wird fleißig addiert und subtrahiert, mit Einer- und Zehnerzahlen. Auch Serafina bearbeitet die Arbeitsblätter. Seit drei Jahren besucht die 10-Jährige die Grundschule in Altenstadt.

"Ich lern grad rechnen und lesen. Aber ich kann schon lesen."

Serafina, 10 Jahre

Deutsch ist Serafinas Lieblingsfach, sie kann schon sehr gut lesen und schreiben – und das obwohl sie Trisomie 21 hat. Die 10-Jährige wird nach dem regulären Grundschullehrplan unterrichtet. In Fächern, wo sie langsamer ist, erhält sie zusätzliche Unterstützung. In Serafinas Klasse sitzen Erst- und Zweitklässler, dazu weitere Schüler mit Förderbedarf. 

"Es erfordert ein bisschen umdenken. Weg vom Frontalunterricht, hin zu offeneren Formen, anderen Aufgaben."

Christoph Obermeier, Klassenlehrer der Integrationsklasse

Schulbegleiterin unterstützt Serafina

Diese Offenheit spiegelt sich auch im Klassenklima wider. Für die Mitschüler ist es zum Beispiel total normal, dass neben Serafina ständig eine erwachsene Frau sitzt. Silva Gronser, die Schulbegleiterin.

"Wenn Serafina Aufmerksamkeit braucht, die sie vom Lehrer nicht kriegen kann, kriegt sie die von mir. So bleibt das Gleichgewicht in der Klasse erhalten. Ich geh mit ihr zur  Toilette. Schau, dass ihre Schuhe gebunden sind. Ich bin der gute Geist im Hintergrund."

Silvia Gonsa, Schulbegleiterin

Zeit, Mut und Geduld für Menschen mit Trisomie 21

Serafinas Mama, Sigune Echter, ist selbst Grundschullehrerin. Sie ist aber auch Vorsitzende des Vereins „einfach mehr“ für Menschen mit Trisomie 21 im Pfaffenwinkel. Und sie ist, wie sie selbst sagt, leidenschaftlich gern Mama von ihren drei Kindern.

"Ich glaube, dass ein Mensch mit Down alles lernen kann. Langsamer und mit einem anderen Zugang. Aber meine Botschaft und mein Wunsch wäre, dass wir Menschen mit Trisomie 21 als Menschen wahrnehmen. Ich trau dir von Grund auf zu, dass du alles lernen kannst. Ich hab die Zeit, den Mut und die Geduld für dich."

Sigune Echter, Mutter von Serafina und Vorsitzende des Vereins einfach mehr

Gemeinschaft schafft Inklusion

Diese alltägliche Beschäftigung mit Menschen mit Beeinträchtigungen funktioniert in Altenstadt hervorragend. Weil Inklusion hier seit Jahren praktisch gelebt und nicht nur theoretisch gedacht wird. Serafina ist nur ein Beispiel.

"Serafina ist hier in Altenstadt auch schon in den Kindergarten gegangen. Es war immer für das Dorf selbstverständlich, dass sie mit dazu gehört. Sie geht seit dem ersten Schultag allein zur Schule und wieder heim. Und das klappt auch wegen der tollen Dorfgemeinschaft."

Sigune Echter, Mutter von Serafina

Die Gemeinschaft, ein Netzwerk, das ist unerlässlich.

"Inklusion geht nur dann, wenn wir alle im Team zusammenarbeiten: Lehrer, Eltern, Schulbgeleiter, Therapeuten, Förderlehrer. Wenn wir uns vernetzen, dann kann Inklusion funktionieren. Ein Klassenlehrer allein kann das nicht machen, das muss auch noch in die Köpfe der Kollegen, dass sie nicht allein diese Aufgabe stemmen müssen."

Sigune Echter, Mutter von Serafina


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