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Einigung bei Privatbahnen in Sicht Vorerst keine weiteren Streiks bei BOB und Meridian

Nach dem Warnstreik am Dienstag (19.01.2016) hat die Bayerische Oberlandbahn der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ein neues Angebot vorgelegt. Die Tarifverhandlungen sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden.

Von: Veronika Laggerbauer, Dagmar Bohrer-Glas, Matthias Lauer

Stand: 19.01.2016

Bernd Rosenbusch, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Bayerischen Oberlandbahn GmbH erklärte, ein genauer Termin für weitere Verhanldungen werde noch vereinbart. Man gehe aber davon, dass das Unternehmen bis dahin nicht mehr bestreikt werde. Ein EVG-Sprecher bestätigte das auf BR-Anfrage.

Im Tarifstreit geht es vor allem um die Frage, ab wann interne Dienstfahrten von einem Einsatzort zum anderen zu 100 Prozent auf die Arbeitszeit angerechnet werden. Die BOB-Strecken im Oberland sowie die Meridian-Strecken München-Rosenheim-Salzburg bzw. Kufstein wurden am heutigen Dienstag zwischen 2 Uhr und 9 Uhr bestreikt.

Am Morgen war nur ein Zug unterwegs

Der Warnstreik bei BOB und Meridian war - laut EVG - ein voller Erfolg. Allein schon die Wartehalle am Rosenheimer Bahnhof war um 6.30 Uhr voll. Rund 400 Pendler warteten auf die nächsten Züge in Richtung München. Nach Informationen der EVG ist bis 6.00 Uhr lediglich ein Zug von Rosenheim nach München gefahren.

"Wir hatten rund hundert Streikbeteiligte. 90 Prozent der Züge im Raum Rosenheim und im Oberland sind ausgefallen."

Matthias Birkmann, Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft

Alle anderen Verbindungen, etwa zwischen München und Freilassing, Salzburg, Tegernsee, Schliersee und Holzkirchen, entfielen. Die Option über Mühldorf zu fahren wurde von den Pendlern nicht genutzt, da der Zeitverlust zu hoch wäre. Insgesamt reagierten die meisten Pendler gelassen. Man habe Verständnis für den Streik und nehme sich notfalls einen Tag frei. Auch nach Streikende ist damit zu rechnen, dass nicht alle Züge gleich wieder nach Fahrplan unterwegs sind.

Streit über Arbeitszeiten

Aufgerufen zum Warnstreik war das gesamte Personal: Lokführer, Zugbegleiter sowie Mitarbeiter der Werkstatt und des Reisezentrums. Die Aktionen hatte die Gewerkschaft schon angedroht, nachdem die Gespräche letzte Woche scheiterten. Uneinig sind sich die EVG und Bahnbetreiber darüber, ab wann interne Dienstfahrten von einem Einsatzort zum anderen zu 100 Prozent auf die Arbeitszeit angerechnet werden. Die EVG erwartet einen konkreten Einstiegstermin.

"Wenn ein Kollege aus der Dienststelle Freilassing nach München fahren muss, um dort einen Zug zu übernehmen, bekommt er für die eineinhalbstündige Fahrgastfahrt nur 50 Prozent seines Gehalts. Das ist nicht akzeptabel."

Isidoro Peronace, Verhandlungsführer der Gewerkschaften

Die Arbeitgeber werfen der Gewerkschaft vor, sich weiteren Gesprächen verschlossen zu haben.
BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch geht trotzdem davon aus, dass der Streik einmalig war und nun eine schnelle Einigung bei den Tarifverhandlungen erzielt werden kann. Am Donnerstag werden Sondierungsgespräche aufgenommen.


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Enrico Pelocke, Mittwoch, 20.Januar, 00:31 Uhr

4. arbeiterfeindliche Gewerkschaft

Der Streik findet genau in der Zeit statt, wenn Schüler in die Schule und Arbeiter auf Arbeit fahren müssen. Daran sieht man, gegen wen hier wirklich gestreikt wird. Die Forderungen der Gewrrkschaft wären auch ohne Streik erfüllt worden.

Jim Knopf, Dienstag, 19.Januar, 10:36 Uhr

3. Bahnfrevel

>>>>>>>> Hallo, Oliver S.,
Sie haben ja so recht mit Ihrer Auffassung.
Leider ist diese bei den Verantwortlichen in der Politik nicht willkommen und mehrheitsfähig. Dort gilt nach wie vor das dumme FDP-Mantra: Privat vor Staat.
Und ausserdem hat sich seit Republikgruendung kein Mensch wirklich um das System Bahn gekümmert, obwohl es im Bundesbesitz ist. Die Gummi-Lobby hat hingegen kraeftig Wirkung entfaltet.
Ganz nebenbei haben die kleinen Eisenbahner den Laden mehr oder weniger am Leben gehalten-verspottet und verachtet von der Öffentlichkeit.
Danach kamen dann noch die fachlich völlig
unbedarften MANAGER und haben der Firma den Rest gegeben. Es ist nur noch hoffnungslos.

Walter von der Vogelwiese, Dienstag, 19.Januar, 08:07 Uhr

2. Die ewig Gestrigen

Um es mal zu erläutern: Anfang der 90-er Jahre hatte die DB (inzwischen verbunden mit der DR) ca. 250.000 Mitarbeiter. Binnen 8 Jahren wurden fast 100.000 einfach abgebaut (ohne Streiks, mit Zustimmung der Gewerkschaft). Erst dann kamen die Privatbahnen und brachten einen effektiven und bezahlbaren Verkehr auf die Schiene. Es ist nun einmal so, dass ein Staatsunternehmen zu viel Sicherheit gibt. Und soziale Sicherheit macht träge (da wissen die Ossis ein Lied von zu singen). Was hier viel schlimmer ist, die Gewerkschaft markiert den starken Mann, ohne Sinn und Verstand. Man sieht deutlich, dass es hier überhaupt nicht um die Beschäftigten der Privatbahnen geht, sondern um das Interesse genau jener Staatsbahn, die Sie hier in den Himmel heben. Der Arbeitgeber hat doch längst den Großteil der Forderungen akzeptiert, aber die Gewerkschaft setzt sich nicht mehr an den Tisch. Nein, man will den Reisenden damit zeigen, guck doch mal, die Privaten sind auch nicht besser-für mich scheinheilig.

Oliver S., Montag, 18.Januar, 21:40 Uhr

1. Liberalisierung im Bahnverkehr? Sinnlos!

Wir sollten uns mal allen Ernstes über die Sinnlosigkeit der Liberalisierung im Bahnverkehr Gedanken machen. Wir sind doch schizophren. Auf der einen Seite reden wir von anzustrebenden Synergieeffekten. Auf der anderen Seite torpedieren wir genau das, indem der Bahnsektor liberalisiert und aufgeteilt wird in diverse Bahnen und Bähnchen, von denen jede letztlich mit genau denselben Problemen kämpft. Wenn etwas massiv von Synergieeffekten profitieren könnte, dann wäre das der Bahnverkehr. Stattdessen zerpflücken wir das weiter.

M.E. brauchen wir wieder eine aus einem Topf finanzierte Bundesbahn, die keinen Wachstumszwängen unterworfen ist und keine Dividenden ausschütten muss, sondern die einen vernünftigen und klimaverträglichen Nah-, Fern- und Güterverkehr sicher stellt. Diesbezüglich spricht nichts gegen ein Staatsunternehmen, denn Mobilität ist einer von Deutschlands Grundpfeilern. Und wer ist der Staat? Kein ominöser Dritter, der Böses will, sondern wir alle!