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Top-Vogel Erlenzeisig wird im Landkreis München zum "Überflieger"

In unseren Gärten sind in diesem Winter viele Erlenzeisige unterwegs. Der sonst eher seltene, gelb-grün gestreifte Vogel flatterte im Januar bei der "Stunde der Wintervögel" besonders oft im Landkreis München vorbei.

Von: Matthias Lauer

Stand: 20.01.2016

Der kleine, gelb-grüne Vogel ist der "Shootingstar des Winters" bei der Vogelzählaktion "Stunde der Wintervögel". Grund für die Zunahme ist offensichtlich, dass die Erlenzeisige im vergangenen Sommer in Skandinavien eine zweite Brut aufziehen konnten. Damit wurden besonders viele Junge aufgezogen. Nun reicht die Nahrung dort nicht mehr aus und sie sind nach Bayern gekommen.

Der Finkenvogel schaut so ähnlich aus wie ein Grünfink, hat aber einen spitzeren Schnabel und ist meistens in Schwärmen unterwegs. Als zweithäufigste Vogelart wurde im Landkreis München die Kohlmeise gezählt, dann Amsel und Haussperling, so der LBV.

Tsi-da ... tsi-da ... singen Kohlmeisen in vielen Gärten

Für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen meldet der Landesbund für Vogelschutz die Kohlmeise auf Platz 1. Sie ist in ganz Europa weit verbreitet und bleibt meist im Winter in ihren Brutgebieten in Bayern. Sonst ist auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen der Erlenzeisig aufgefallen. Er wurde doppelt so oft gezählt wie in den vergangenen zwei Jahren zusammen.

Insgesamt sind am 10. Januar für den Landesbund für Vogelschutz in Bayern 630.000 Vögel registriert worden - Online-Meldungen sind dabei noch nicht eingeschlossen.

Füttern im Winter

Wer frisst was?

Je nach Schnabelform ziehen die Vögel eine bestimmte Nahrung vor. Finken, Spatzen und Ammern mögen am liebsten Sonnenblumenkerne, Hanfsamen oder die üblichen Freiland-Futtermischungen. Rotkehlchen, Meisen, Kleiber, Amseln und Drosseln bevorzugen tierische Kost oder feine ölhaltige Samenmischungen, wie sie in Meisenknödeln oder -ringen zu finden sind. In einem Fettgemisch aus Talg sind die Körner zudem vor Nässe geschützt.

Naturschützer haben nichts gegen ein maßvolles Füttern im Winter, gerade bei länger anhaltendem Frost. Auch wenn keine geschlossene Schneedecke liegt, finden Vögel auf gefrorenen Böden kaum Futter. Experten raten zu Meisenringen, -knödeln oder Futterampeln. Bei ihnen ist die Gefahr der Krankheitsübertragung geringer als bei Vogelhäuschen oder auf dem Boden ausgestreutem Futter.

Das Vogelfüttern ist gerade für Kinder ein schönes Naturerlebnis. So können sie die Vögel aus nächster Nähe beobachten. Und für einige Menschen in der Stadt sind die Vögel am Futterhäuschen sogar der einzige verbliebene Kontakt zur Natur.

Nahrungsreichtum im ökologischen Garten

Besser als jede Fütterung ist allerdings ein ökologisch orientierter Garten mit Laubholzhecken, kleinen Komposthaufen und knorrigen Obstbäumen. Dort finden Insektenfresser auch im Winter viele Kleintiere. Außerdem halten Samen in stehenden und ausgereiften Gräsern und Blumen die Körner- und Samenfresser am Leben.

Tipps zur Vogelfütterung:

  • Grundsätzlich ist eine Fütterung das ganze Jahr über möglich. Sie ist aber vor allem im Winter bei geschlossener Schneedecke und Dauerfrost empfehlenswert.
  • Besser als Vogelhäuschen und das Ausstreuen von Futter sind Meisenringe, -knödel oder Futterampeln. Sie verringern die Gefahr einer Krankheitsübertragung, da die Vögel nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können.
  • Sollten Sie dennoch ein herkömmliches Futterhäuschen verwenden, dann reinigen Sie es regelmäßig mit heißem Wasser. Machen Sie das Vogelhaus mit Gummihandschuhen sauber und überlassen Sie diese Arbeit nicht Kindern. Streuen Sie nur wenig Futter und entsorgen Sie das alte.
  • Das Futter darf auch bei starkem Wind, Schnee und Regen nicht durchnässen, da es sonst verderben oder vereisen kann.
  • Verwenden Sie artgerechtes Futter aus dem Fachgeschäft oder direkt vom Landesverband für Vogelschutz. Im allgemeinen reicht eine einfache Körnermischung aus Sonnenblumenkernen, Hanf und Haferflocken – eventuell mit Rosinen – völlig aus.
  • Schützen Sie den Futterplatz vor Katzen, Hunden und Mäusen: Er sollte erhöht und nicht nah an einer Hecke angebracht sein.
  • Wasservögel sollten Sie nicht füttern, denn dies verschmutzt die Gewässer.
  • Matthias Lauer | Bild: BR/Julia Müller Matthias Lauer

    Matthias Lauer, Moderator und Autor für den Hörfunk und Online, überwiegend für die Redaktionen Schwaben, Oberbayern, Bayern plus und BR24


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