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Zwischen Balkon und Beton Urban Gardening in München-Giesing

Kartoffeln, Karotten und Rettich aus dem eigenen Garten - Dank "Urban Gardening" gibt es die auch für manch einen Großstädter. Möglich machen es zum Beispiel Mini-Parzellen in Giesing.

Von: Melanie Böff

Stand: 20.04.2017

Möhren, Radieschen, Rettich, Kohlrabi  | Bild: picture alliance / Arco Images GmbH/ O.Diez

Freddy Gonzales steht in seinem eigenen Beet. Es riecht nach frischer Erde. Im Münchner Stadtteil Untergiesing will er Gemüse anbauen. Der Lehramtsstudent gehört zu den urbanen Gärtnern, die ungenutzte Grünflächen der Stadt in Gemüsebeete verwandeln.

"Irgendwie ist das so was Ursprüngliches. Ich sehne mich danach. Gerade in einer Zeit, in der so vieles digitalisiert ist - mit Computer, Tablet, Smartphone. Man fühlt sich ein bisschen entwurzelt von der Natur und ich finde es gerade einfach so schön, wenn man wieder manschen kann."

Freddy Gonzales

Zwei Quadratmeter Gartenglück

Möglich machen das die Stadt und der Verein Green City. 130 Kleinst-Beete wurden auf dem Gelände der städtischen Baumschule in Untergiesing angelegt, wie Handtücher am Touristen-Strand, ganz dicht nebeneinander. Für 50 Euro können Bürger eines davon pachten. Freddy Gonzales hat Beet-Parzelle A4 bekommen: erste Reihe, viertes Beet von links. Zwei Quadratmeter groß.

"Ich lauf einfach mal los. 1,2,3,4,5,6,7,8 – acht Schritte - und das ist meine ganze Gärtnerei!"

Freddy Gonzales

Bevor der 28-jährige Student hier säen kann, muss er die Erde sieben, sonst hindern Steine sein Gemüse am Wachsen. Vorsichtig hockt er sich zwischen die Beete, damit er nicht in Nachbars „Garten“ tappt. Die Erde schippt er in eine alte Bäckerkiste, sie dient ihm als Sieb.

Die Stadt und ihre Bewohner "grüner" machen

Die Gemüse-Samen für sein Beet bekommt der Hobbygärtner von Projektkoordinatorin Irene Nitsch vom Verein Green City - alles ausschließlich in Bioqualität. Das urbane Gärtnern soll die Stadt grüner machen, aber auch die Haltung der Münchner.

"Es ist natürlich illusorisch zu denken, dass man hier auf zwei Quadratmetern genügend Gemüse erntet, um sich übers Jahr zu ernähren. Aber zumindest ist im Bewusstsein, dass es ist durchaus anstrengend und aufwendig ist Biogemüse anzubauen. Es wird ein Verständnis dafür geschaffen, dass Biogemüse teurer ist als konventionelle Ware beim Discounter."

Irene Nitsch, Projektkoordinatorin Green City

Freddy Gonzales ist das nicht genug. Er will grüne Ideen säen.

"Ob das jetzt hier wirklich was bringt für die Umwelt und die Gesellschaft sei dahingestellt. Aber ich glaube, dass wenn ein paar Menschen sich davon begeistern lassen und ihre Einstellung ändern, dann kann werden auch andere mitgerissen. Es ist wichtig, dass man sich zumindest in diese Richtung entwickelt, bevor man es nicht mal versucht."

Freddy Gonzales

Zurück am Beet, packt der Student für diesmal zusammen. Die Samen will er an einem anderen Tag streuen – mit seinen Freunden. Um auch bei ihnen seine grüne Idee zu säen.


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