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Tweetwalk von der Pinakothek der Moderne Per #spurenleser zum digitalen Kulturevent

Sich per Twitter auf die Spuren jüdischen Lebens begeben - das konnte man beim Tweetwalk durch München. Los ging es in der Pinakothek der Moderne, denn der Tweetwalk begleitet die Ausstellung von Johanna Diehl "Ukraine Series".

Von: Vera Cornette

Stand: 07.02.2016

Pünktlich um zehn Uhr kommt eine Gruppe von etwa 20 Menschen im Foyer der Pinakothek der Moderne zusammen. Ihr Kennzeichen: Alle haben ein Smartphone in der Hand und schauen permanent drauf – auch, als Caroline Fuchs, Kuratorin der Ausstellung, mit der Einführung beginnt. Die Schau läuft unter dem Titel "Johanna Diehl Ukraine Series".

Per Smartphone multimedial an der Führung teilnehmen

Wer den Tweetwalk online mitverfolgen will, findet ihn unter dem Hashtag #spurenleser.

Auf die Spur jüdischen Lebens will sich die Gruppe machen. Das Smartphone werden sie dabei nicht in die Hosentasche stecken, und das sollen sie auch gar nicht: Über die Führung, die Bilder ehemaliger Synagogen zeigt, die jetzt beispielweise als Turnhalle genutzt werden, sollen die hier Versammelten twittern. Sie sollen also kurze Botschaften und Bilder in den Online-Kurznachrichtendienst einspeisen. Finden und nachverfolgen kann man diese Botschaften unter dem Hashtag #spurenleser.

Der erste Eindruck täuscht: Die Tweetwalk-Teilnehmer hören tatsächlich konzentriert bei der Führung zu.

Es ist irritierend, als die Kuratorin ihren Vortrag beginnt. Niemand schaut sie an. Immer wieder sucht sie Blickkontakt zu den Teilnehmern. Doch wer die Twitter-App öffnet, sieht sofort, wie konzentriert alle zuhören. Nicht nur Beobachtungen und Fakten werden geteilt, auch Links zu thematisch verwandten Dokumentationen werden getwittert.

"Das Publikum ist das aufmerksamste, was ich mir vorstellen kann. Sie hören zu und verarbeiten es gleich digital weiter."

Dr. Caroline Fuchs, Kuratorin der Ausstellung 'Johanna Diehl: Ukraine Series'

Auch für Follower: in Echtzeit per Twitter dabei sein

Nach einer guten halben Stunde wandern alle gen Innenstadt, in die Nähe des Stachus. Im Gehen wird - natürlich - weiter getwittert. Manche sorgen sich um die Akkuleistung. Manche nutzen aber auch die Gelegenheit, um sich im persönlichen Gespräch auszutauschen.

Tweetwalk-Teilnehmerin Sonya Schlenk

Während wir den Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge erreichen, schauen wir Sonya Schlenk - die bei Twitter den Account @soschy hat - über die Schulter. Sie hört zu, als die Kuratorin erzählt, dass die Nazis 1938 die Synagoge abgerissen haben; sie fotografiert eine Zeichnung des früheren Gebäudes – und twittert das an ihre Follower.

"Ich bin neugierig und interessiere mich für Kultur. Und es ist ein schönes Experiment, wenn man quasi in Echtzeit seine Follower bei einem solchen Event teilhaben lassen kann."

Sonya Schlenk

Kostenlose Werbung und starke Präsenz bei Twitter

Twitter Trendliste der Hashtags | Bild: Twitter

1.200 Tweets mit dem Hashtag #spurenleser wurden schon zu der Führung verfasst. Das schlägt sich auch auf die Twittertrends nieder.

Und es ist vor allem auch kostenlose Werbung für die Pinakothek: Nach dem Tweetwalk – mit Station auch im Jüdischen Museum – sind über 1.200 Tweets über die Führung verfasst worden, es gab über drei Millionen Sichtkontakte.

Dabei sein ist alles

Der Tweetwalk erzeugt eine größere Bindung der digitalen Community mit dem Museum Pinakothek der Moderne in München.

Aber was bringen solche digitalen Kulturevents? Astrid Lange aus dem Social Media Team der Pinakothek kann zwar auch nicht sagen, ob viel mehr Menschen ins Museum kommen. Doch sie ist überzeugt, dass so eine größere Bindung der digitalen Community mit dem Museum erreicht werden kann. Eine Auswertung über den Tweetwalk wird erarbeitet, doch schon jetzt steht auch für alle, die beim Tweetwalk dabei waren, fest: Das Mitverfolgen des Tweetwalks von der Couch aus kann das Sehen mit eigenen Augen nicht ersetzen.

  • Vera Cornette | Bild: Vera Cornette/BR Vera Cornette

    Seit 2012 als Reporterin beim BR-Fernsehen und Autorin für Multimedia-Projekte.


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