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Anti-TTIP-Demo in München Über 20.000 Teilnehmer trotzen dem Regen

Die Gegner der Freihandelsabkommen CETA und TTIP haben sich nicht von dem schlechtem Wetter aufhalten lassen: Weit über 20.000 Teilnehmer sind zum Münchner Odeonsplatz gekommen.

Von: Sabine Weis

Stand: 17.09.2016

Die Polizei sprach am Nachmittag von 23.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 25.000. Bis hinauf zum Siegestor gab es ein einziges Fahnen- und Schilder-Meer. "CETA ist Landesverrat" oder "Rote Karte für TTIP" war zu lesen.

Die beiden Abkommen sollen den Handel zwischen der EU, Kanada und den USA erleichtern. Die Gegner fürchten jedoch, dass die bisherigen nationalen Standards bei Gesundheit, Bildung, Umwelt- und Verbraucherschutz aufgeweicht werden. Seit gestern hatten daher die Mitglieder des Bündnisses „Ceta und TTIP stoppen“ noch einmal über die Sozialen Netzwerke dazu aufgerufen, sich vom angekündigten Nieselregen nicht abschrecken zu lassen und heute ein deutliches Zeichen zu setzen.

"Es wäre doch fürchterlich, wenn wir am Ende sagen, diese Handelsabkommen haben wir jetzt, weil es am 17.9. geregnet hat. Das darf nicht sein."

Karl Bär, Umweltinstitut München

Gleichzeitig mit München gingen heute noch in sechs weiteren deutschen Großstädten Demonstranten gegen die Freihandelsabkommen auf die Straße. Aufgerufen hatten Verbraucher- und Umweltverbände, Kirchen und Gewerkschaften, die Netzwerke Attac und Campact, Grüne und Linkspartei sowie der Deutsche Kulturrat.

Kritik auch an Wirtschaftsminister Gabriel

Besonders umstritten sind auch die geplanten Sondergerichte, vor denen künftig zum Beispiel kanadische Firmen die EU auf Schadensersatz verklagen können, wenn neue Gesetze ihre Profite schmälern. Das CETA-Abkommen ist bereits ausgehandelt und soll im Oktober von der EU und Kanada unterzeichnet werden. Es gilt als Vorlage für TTIP, dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Letzteres hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor einigen Tagen in seiner jetzigen Form als "tot" bezeichnet und damit für heftige Irritationen in den Vereinigten Staaten gesorgt. 

"Wir Bauern werden weltweit gegeneinander ausgespielt. Wir haben jetzt schon ein Mengenproblem, wir haben zuviel Milch und Schweinefleisch auf dem Markt. Das wird noch mehr verstärkt werden, weil die zollfreien Quoten erhöht werden."

Gertraud Gafuß , Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft

Es sei noch nicht zu spät, um alles zu verhindern, sagt Karl Bär vom Umweltinstitut: "Da ist am Montag SPD Konvent, nächste Woche Bratislava, wir sind heute genau am richtigen Zeitpunkt."

Großkampftag für die Münchner Polizei

Unter die Demonstranten hatten sich auch einige Teilnehmer in Dirndl und Lederhosen gemischt. Denn zeitgleich begann in München ja auch noch das Oktoberfest. Für die Polizei ein Großeinsatz-Tag. Weil auch noch der FC Bayern in der Allianz-Arena zum Derby gegen den FC Ingolstadt antritt, sind heute in München insgesamt mehr als 1.500 Polizisten im Einsatz.


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Erich, Sonntag, 18.September, 14:52 Uhr

37. Hat sich die CSU

eigentlich schon zu TTIP und Ceta geäußert ? Muhaha :D

Reinhard, Sonntag, 18.September, 09:55 Uhr

36. TTIP und CETA

Wir dürfen uns in keinem Fall weiter den Großkonzernen und Banken ausliefern. Wenn nur noch das Kapital regiert geht unsere Lebensqualität komplett verloren. Es gibt ja heute schon keine unabhängige Forschung mehr. Die guten Ergebnisse kommen von "Forschern und Gutachtern" bei denen die Ergebnisse vorher schon feststehen, dafür wird von den Konzernen bezahlt. Gesundheitlich oder für die Umwelt bedenkliche Ergebnisse werden vernichtet, unabhängige Forscher mundtot gemacht. Unsere Politiker sind Marionetten dieser Machenschaften.
Gut, dass so viele Menschen auf die Straßen gehen, erkennen, was da vor sich geht. In diesem Fall ist das Internet auch ein Segen.

  • Antwort von Erich, Sonntag, 18.September, 13:45 Uhr

    Schön, dass soviele Menschen auf die Strasse gehen. Merkel interessierts nicht. Basta.

Karsten S., Sonntag, 18.September, 09:24 Uhr

35. Freihandelsabkommen

Sie werden kommen, da können wir uns noch so sehr sträuben.Europa und vor allem Deutschland sind Leibeigene Amerikas. Amerika ist nicht unser Freund, leider wird das viel zu wenig gesehen. Im grunde genommen sind wir die "Pufferzone" zu Rußland. Wie kann ein Politiker guten Gewissens solche Verträge befürworten , ohne vor Scham im Boden zu versinken. Doch habe ich oft das Gefühl, dieses Wort kommt in deren Vokabular nicht vor. Man kann ein Land auch ohne Krieg vernichten.

Niko, Samstag, 17.September, 23:04 Uhr

34. Teilnehmerzahlen

warum werden in ARD und ZDF die Zahlen so offensichtlich falsch angegeben. Selbst wenn die Einzelangaben durch die ÖR in den einzelnen Städten halbwegs zutreffend wären, stellt sich die Frage wie Angaben mehr als Einhunderttausend zu rechtfertigen sind. Mit derlei getricksten Aussagen werden auch die zugehörigen Artikel unglaubwürdig.

  • Antwort von Erich, Sonntag, 18.September, 13:51 Uhr

    So so, Zahlen werden also manipuliert. Mir nix Neues. Merken Sie eigentlich, daß die Zahlen meist in Richtung Merkel "geschönt" werden?

spunny, Samstag, 17.September, 23:01 Uhr

33. Die größte Gefahr für Demokratie, Wohlstand und Frieden

Wer es noch nicht begriffen hat: Wir haben bereits jetzt eine gewaltige Machtverschiebung zu den globalen Konzernen, Politiker sind zu Dienern dieser Konzerne geworden und dienen nicht mehr den Bürgerinteressen, die Umverteilung von Billionen Euro/Dollar hin zu diesen Global Players und deren Anteilseigner und Investoren nimmt immer rasantere Ausmasse an. Diese Global Players beuten bisher schon die Entwicklungsländer gnadenlos aus. Es geht hier nicht um Kanada/USA gegen Europa oder umgekehrt, sondern dass die Macht in einer Demokratie vom Volk ausgeht, und nicht von internationalen Finanzmärkten und Konzernen. Ganze Staaten sind erpressbar, lassen es zu, gegeneinander ausgespielt zu werden. Bestes Beispiel ist aktuell Apple und Irland. Wählt endlich Parteien, die den Bürgerinteressen dienen. Die einzige Hoffnung in Deutschland ist, wenn SPD+CDU/CSU unter 50% landen.Und wer Protest wählen will, es gibt viele andere bessrere Parteien als eine rechtsextreme AfD!