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Aufräumen in Giesing Trümmer des Uhrmacher-Haus in München werden sortiert

Aufräumen rundum das Giesinger Uhrmacher-Haus in München. Dieses wurde im September von einem Privatmann ohne Genehmigung per Bagger weggeschoben. Der folgende Aufschrei war enorm. Der Start begann heute mit Aufräumarbeiten.

Von: Angela Braun

Stand: 09.11.2017

Die Aufräumaktion sollte eigentlich heute um 9 Uhr anfangen. Ein Baggerfahrer war schon früher da und wollte arbeiten. Anwohner haben ihn gleich daran gehindert, weil sie misstrauisch geworden sind – nach allem, was hier im Herzen von Giesing passiert ist, dort wo jetzt ein dünner Bauzaun steht. Jetzt geht’s um die Überreste, was man noch verwerten kann und was nicht mehr. Der Gerenalkonservator beim Landesamt für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, war in Giesing dabei.

"Da ist zerbrochenes Holz, da sind Schutt-Mauerreste, aber auch im Erdgeschoss gut ein Viertel der Mauern noch da. Und wenn man alles abgetragen hat, sieht man auch im Inneren, was ist an Mauern noch da. Da muss natürlich der Statiker schauen, welche Mauern sind gefährlich, können zusammenfallen, und was kann ich heute zumindest so weit sichern, dass man sich bei einer Planung um einen Wiederaufbau konkret überlegen kann, ist dabei was zu integrieren."

Mathias Pfeil, Gerenalkonservator beim Landesamt für Denkmalpflege

Ob  das Haus tatsächlich wiederaufgebaut wird, das weiß auch der Fachmann nicht. Für ihn ist dieses Vorgehen, wie es hier passiert ist, bisher einmalig in Bayern. Die Behörden und die Stadt München wollen alles tun, damit so etwas nicht wieder passieren kann.

"Die Stadt München wird sehen, wie sie mit dem Eigentümer klarkommt. Wenn es einen Prozess gibt, muss man sehen, wie das vor den Gerichten ausgeht. Die Staatsanwaltschaft muss schauen, ob da wirklich Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit da ist. Das Ziel nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz und von uns ist natürlich, dass man, wenn´s so ist, wie man jetzt glaubt, dass hier ein Vorsatz oder eine Absicht dahinter steckt, auf keinen Fall das belohnt werden darf durch zusätzliche Geschosse."

Mathias Pfeil, Gerenalkonservator beim Landesamt für Denkmalpflege

Ein Lastwagenfahrer hat inzwischen einen großen, blauen Container in die kleine Gasse rangiert. Gegenüber der Häuserlücke stehen die Behördenvertreter der Stadt und Nachbarn, die in der Feldmüllersiedlung wohnen und mit Argusaugen über den Trümmerhaufen wachen.

"Das ist David gegen Goliath. Dieses kleine Häuschen aus der Feldmüllersiedlung aus dem Jahr 1840, das sich bis heute im Prinzip durchgesetzt hat, das Kriege überstanden hat, das Modernisierungswellen überstanden hat, dass das jetzt - so nebenbei - einfach weggeräumt wird, das wollen die Leute nicht akzeptieren."

Mathias Pfeil, Gerenalkonservator beim Landesamt für Denkmalpflege

Die Aufräumungsarbeiten werden noch länger dauern. Der Eigentümer des Uhrmacherhäusls war seit der Nacht– und Nebelaktion noch nicht vor Ort. Er traue sich wohl nicht, meint einer der Anwohner. Die Nachbarn werden jedenfalls weiter aufpassen, was die Bagger in den nächsten Tagen wegschaffen. Gerenalkonservator beim Landesamt für Denkmalpflege glaubt, dass sie bei Unstimmigkeiten bestimmt sofort die Untere Denkmalschutzbehörde oder die Polizei anrufen würden.


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Kommentare

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Oliver M., Freitag, 10.November, 08:44 Uhr

7. So ein Schwachsinn!

Einerseits wird über Mangel an Wohnraum in München gejammert und dann wird ein solches Haus wieder aufgebaut, welches niemand wirklich gebrauchen kann?
Mit Schuld an dieser Aktion ist m.E.
- der Denkmalschutz. Er erteilt Auflagen, die letztlich den Besitzer der Immobilie Zeit, Geld und Nerven kosten und so manchen Plan durchkreuzen.
- die Stadt München, weil sie diese horrenden Preissteigerungen bei Immobilien und Mieten zulässt.
Also jammert nicht, sondern tragt die Konsequenzen und ändert was an den Randbedingungen, damit sowas nicht passiert!
Warum Geld in eine Uraltimmobilie investieren, wenn ein Neubau auf dem aktuellen energetischen Stand einen top Gewinn abwirft? Wenn Ihr Denkmalschutz wollt, dann zahlt dafür auch adäquat!

Ist zwar dreist diese Aktion, aber nachvollziehbar...

Der Besitz soll zum Wiederaufbau gezwungen werden? Gibt es dafür überhaupt eine Rechtsgrundlage?

  • Antwort von Hrdlicka, Freitag, 10.November, 19:32 Uhr

    @ Oliver M. : sie mögen vielleiccht sehr sehr viel haben, aber auf keinen Fall auch nur einen Funken Ahnung !

Zeitungsleserin, Freitag, 10.November, 07:58 Uhr

6. Denkmal?

Ich verstehe eines nicht: Das Häuschen, in genau dem mein Mann als Student 1970 in der Oberen Grasgasse gewohnt hat, war schon damals eine richtige Bruchbude. Mit klarem Menschenverstand kann man dieses eigentlich nicht als Münchner Denkmal bezeichnen, wenn man die Umgebung, schon damals in den 70er-Jahren total verbaut, ansah. Jetzt ist es abgerissen und kann in alter Form - wenn man es denn so will - wieder aufbauen. Vielleicht finden sich Mieter, die in die original nachgebauten winzigen, verschachtelten,gefangenen, niedrigen Zimmerchen ihre Designermöbelchen reinstellenmöchten. Würde mich freuen.

Alfons, Freitag, 10.November, 07:39 Uhr

5. Uhrmacher-Haus

Trümmer des Uhrmacher-Haus? Würde mich nicht wundern, wenn die Trümmer auf einmal auf einer Halde verschwunden sind.

tom, Freitag, 10.November, 06:12 Uhr

4. Bruchbude

Das war schon in Ordnung so, die Behörden bevormunden uns Bürger schon genug. Es kann nicht sein, dass jeder dritte marode Steinhaufen (noch dazu in dieser "liebreizenden" Umfriedung durch die Nachbarhäuser unter Denkmalschutz gestellt wird und die Besitzer dieser Häuser dann auf den Kosten, welche dadurch entstehen, sitzenbleiben. Weiterhin bin ich mit nicht sicher, ob so eine verschimmelte Bude unter gesundheitlichen Aspekten überhaupt noch bewohnbar ist. Also weg mit dem Müll!

  • Antwort von Denkmal, Freitag, 10.November, 07:24 Uhr

    Schon interessant diese Denkweise. Weil der Bürger bevormundet wird, darf er sich das Recht nehmen, sich über bestehende Vorschriften einfach hinwegzusetzen?
    Im übrigen findet die angebliche Bevormundung nicht durch die "Behörden, sondern durch den Gesetzgeber statt. Die Behörde ist lediglich audführendes Organ.Prinzip Gewaltenteilung.

  • Antwort von Hrdlicka, Freitag, 10.November, 19:35 Uhr

    @Denkmal: ich denke sie überfordern den Autor Tom restlos.....sowas wie Gewaltenteilung ist für die Leser der Großbuchstabenzeitung viel zu akademisch

Squareman, Donnerstag, 09.November, 21:39 Uhr

3. Vorsatz?

Wie kann man bei dem Fall am Vorsatz zweifeln? Ich bin ja gespannt wie das weitergeht, ich glaube nicht daß die Sache schon beendet ist. Der Besitzer ist mit viel krimineller Energie an die Sache ran gegangen, wieso sollte er jetzt klein bei geben.