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Tödliche Polizeikugel in Burghausen Staatsanwalt stoppt Ermittlungen gegen Polizisten

Die Traunsteiner Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen einen Polizisten eingestellt, der im Sommer 2014 in Burghausen einen flüchtenden Mann erschossen hat. Der Beamte hat demnach weder vorsätzlich noch fahrlässig gehandelt.

Stand: 15.02.2016

Polizeidienstwaffe P 7 von Heckler & Koch | Bild: picture-alliance/dpa/ Marcus Führer

Das geht aus einer am Montag veröffentlichten schriftlichen Mitteilung der Staatsanwaltschaft hervor. Weiter wollen die Staatsanwälte nichts dazu sagen.

Mutmaßlicher Drogendealer flüchtete zu Fuß

Am Abend des 25. Juli 2015 waren Zivilfahnder in einem Wohngebiet in Burghausen auf den zur Festnahme ausgeschriebenen André B. aufmerksam geworden. Der 33-Jährige wurde als Drogendealer verdächtigt. Als die Beamten den Mann festnehmen wollten, flüchtete er zu Fuß durch den Hof eines Häuserblocks. Obwohl in dem Hof Kinder spielten, gab einer der Polizisten zunächst einen Warnschuss ab. Weil der mutmaßliche Dealer weiter lief, zielte der Polizist beim zweiten Mal auf dessen Beine. Die Kugel aus der Dienstwaffe traf Marco B. allerdings im Genick, für ihn kam jede Hilfe zu spät.

Schusswaffe wurde vorschriftsmäßig gebraucht

Am Landgericht Traunstein wurden die Ermittlungen eingestellt

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, sei der Schusswaffengebrauch des Polizisten durch die Vorschriften des Polizeiaufgabengesetzes gedeckt gewesen. Obwohl in der Nähe Kinder spielten, seien sie nicht gefährdet gewesen. Der Schuss sei aus einer Distanz zwischen 6,50 Meter und 10,20 Meter abgegeben worden. Es sei nicht zu widerlegen, dass der Beamte auf die Beine zielte, heißt es in der Mitteilung. Der durch Zeugenaussagen entstandene Verdacht, der Polizist habe einen mehr oder weniger ungezielten Schuss abgegeben, habe sich nicht bestätigt, so die Staatsanwaltschaft.

Die Justizbehörde verweist darauf, dass zur Aufklärung des Geschehens umfangreiche Ermittlungen gegeben habe und mehrere Gutachten angefertigt worden seien. Die Schussabweichung stelle keine Pflichtverletzung des Polizisten dar.

Familie des Opfers will Beschwerde einlegen

Dass die Staatsanwaltschaft Traunstein die Ermittlungen eingestellt hat, will die Familie des Opfers nicht hinnehmen. Sie kündigte jetzt an, dagegen Beschwerde einzulegen. So einen Fall müsse man in einer öffentlichen Verhandlung klären und nicht auf dem Büroweg, sagte einer der Anwälte der Familie.


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