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Traglufthallen für Flüchtlinge Landkreis München reagiert auf Platznot

Die Unterkünfte für Asylbewerber reichen nicht aus – der Landkreis München greift daher zu drastischen Mitteln: In Taufkirchen und Neubiberg sollen noch in diesem Monat Traglufthallen entstehen. Von Lisa Weiß

Von: Lisa Weiß und Werner Bader

Stand: 03.07.2015

Tragluftzelt für Flüchtlinge in Berlin | Bild: picture-alliance/dpa

Solche Traglufthallen gibt es beispielsweise als Tennishallen. In ihnen könnten jeweils bis zu 300 Menschen unterkommen. Weitere Traglufthallen sind in Grünwald, Oberhaching, Unterhaching, Unterföhring und möglicherweise auch in Unterschleißheim geplant. Statt in einem stabilen Haus in einer zeltartigen Halle wohnen – für viele Asylbewerber im Landkreis München dürfte das bald Realität werden.

Eine Zwischenstation für die Flüchtlinge

Die aufblasbaren Hallen sind als eine Art Zwischenstation für Flüchtlinge gedacht, die aus einer Erstaufnahmeeinrichtung in den Landkreis kommen. Geplant ist, dass jeder Flüchtling nur ein paar Wochen in der zeltartigen Unterkunft bleiben muss und dann in eine normale Wohnung umverteilt wird – wenn dort ein Platz frei wird. In den Hallen selbst werden jeweils sechs Personen in provisorisch abgetrennten Bereichen schlafen. Nicht nur alleinstehende Männer, sondern auch Familien sollen in die zeltartigen Hallen einziehen.

Das Landratsamt München begründete den Schritt damit, dass man nicht genügend Unterkünfte für die vielen zugewiesenen Asylbewerber finde. Der Landkreis brauche bis August oder September Notunterkünfte für etwa 2.000 zusätzliche Flüchtlinge. Man wolle nicht weitere Sporthallen beschlagnahmen, sagte eine Sprecherin. Deshalb die Traglufthallen -  die sollen jetzt erst einmal mindestens ein halbes Jahr aufgeblasen bleiben.

Ängste bei Neubibergs Bürgern

Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens in Neubiberg soll in wenigen Wochen eine riesige aufblasbare Halle stehen, 72 Meter lang und so breit wie die Landebahn. Darin sollen bis zu 300 Flüchtlinge wohnen, Familien genauso wie alleinstehende Männer.  Mit Pressspanplatten wird die Halle unterteilt, in Kabinen für sechs Personen. Drei Stockbetten, oben sind die Kabinen offen.

Wie vielerorts auch, wird die Ankunft der Flüchtlinge von den Neubibergern recht unterschiedlich gesehen. Während sich die einen um echte Willkommenskultur bemühen und sich Gedanken machen, wie es sich in der Traglufthalle im Winter lebt, fürchten andere Lärm, Dreck, die Ausbreitung von Krankheiten und die Entwertung ihrer Immobilien.

"Also zunächst mal kann ich die Ängste der Bürgerinnen und Bürger verstehen, zumal der Vorlauf für die Entwicklung mit der Traglufthalle äußerst kurz war. Und nicht die Möglichkeit bestand, ausreichend mit den Bürgerinnen und Bürgern zu kommunizieren."

Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland, Freie Wähler

Aber irgendwie müsse man die vielen Asylbewerber eben unterbringen, die der Bezirk dem Landkreis und der Landkreis wiederum der Gemeinde zuweist, sagt Bürgermeister Heyland. Die andere Möglichkeit wäre gewesen, die Flüchtlinge in der Sporthalle unterzubringen, und das wäre schlecht für die Vereine und auch für die Flüchtlinge.  Mehrere 100 Menschen in einem geschlossenen Raum – das kann schwierig werden, findet Norbert Büker vom Helferkreis Asyl in Neubiberg. Aber wenigstens gebe es in den Traglufthallen durch die Kabinen etwas Privatsphäre. 

"Man hat zumindestens hier die Möglichkeit, Gruppen zusammenzubringen, ein Stückchen Individualität und Schutz aufzubauen. Und davon bin ich fest überzeugt, dass das zumindestens eine humanere und bessere Variante ist, als in Turnhallen entsprechend unterzubringen."

Norbert Büker, Helferkreis Asyl


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