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Nach Tod von 13 Flüchtlingen Syrische Schleuser kommen mit milden Strafen davon

Im Prozess gegen drei syrische Schleuser wegen des Todes von 13 Flüchtlingen auf dem Mittelmeer ist der Richter mit seinem Urteil weit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft geblieben.

Von: Christine Haberlander, Nathalie Stüben und Günther Rehm

Stand: 11.08.2017

Die angeklagten Syrer am 11. August 2017 im Landgericht Traunstein kurz vor der Verkündung des Urteils | Bild: BR/Nathalie Stüben

Der 27-jährige Hauptangeklagte bekam vier Jahre Haft und 15.000 Euro Geldstrafe. Er hat Hunderte Flüchtlinge gegen rund 1.200 US-Dollar pro Person Überfahrten mit Schlauchboot vom türkischen Izmir auf die griechische Insel Lesbos vermittelt. Der Mann hatte in einer Asylbewerberunterkunft in Burghausen gelebt, wo er festgenommen wurde. Deshalb fand der Prozess in Traunstein statt.

Der 24-jährige Bootsführer muss zweieinhalb Jahre in Haft. Er lenkte im September 2015 ein überfülltes Schlauchboot. Vor Lesbos wurde es von einem türkischem Frachtschiff gerammt. Mindestens 13 Menschen starben, vor allem Kinder.

Einschlägig vorbestraft

Die Angeklagten und ihr Dolmetscher am ersten Verhandlungstag

Der 34-jährige Geldverwalter erhielt eine zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der bereits wegen Schleusung vorbestrafte Mann hat von Berlin aus Gelder zwischen Schleuserorganisation und Geschleusten transferiert, also eine Art illegale Bank betrieben.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Hauptangeklagten eine Haftstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten, für den Bootsführer sechs Jahre und sechs Monate und für den Geldverwalter vier Jahre und sechs Monate Haft gefordert. Die Verteidiger hatten auf wesentlich geringere Haftstrafen und in einem Fall auf Freispruch plädiert.

Alle drei Männer kommen aus Aleppo. Es handelte sich um einen der ersten Prozesse in Deutschland, bei dem es um getötete Bootsflüchtlinge ging.


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