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Erkrankte Flüchtlinge Münchner Gesundheitsamt registriert mehr TBC-Fälle

In München gibt es immer mehr Fälle von Tuberkulose. Hauptgrund ist die Zunahme der Asyluntersuchungen. Bis Ende dieses Jahres rechnet die Stadt mit rund 370 Neuerkrankungen. Die Behandlung von TBC ist aufwändig aber erfolgreich.

Stand: 24.09.2015

Der ärztliche Direktor Ralf Mütterlein untersucht in der Klinik für Lungen- und Bronchialheilkunde am Bezirkskrankenhaus in Parsberg einen Patienten.  | Bild: picture-alliance/dpa

Wenn die Schätzung eintrifft, hätten sich damit die Fälle - im Vergleich zum Jahr 2009 - mehr als verdreifacht. Das Gesundheitsreferat der Stadt München will deshalb jetzt zusätzliche Stellen bei den Ärzten und in der Verwaltung zu schaffen. Der Gesundheitsausschuss wird heute darüber beraten.

Wer Asyl beantragt muss zur TBC-Untersuchung

Vor allem im Südosten Afrikas ist Tuberkulose deutlich häufiger als in Deutschland. Grundsätzlich muss deshalb jede Person, die hier Asyl beantragt und in eine Gemeinschaftsunterkunft zieht, auf TBC untersucht werden. Wird eine "offene Lungentuberkulose" diagnostiziert, ist die Betreuung der Erkrankten sehr aufwendig. Sie müssen in einer Isolierstation behandelt werden, bis sie nicht mehr ansteckend sind und auch danach noch mehrere Monate unter ärztlicher Betreuung Medikamente nehmen.

Außerdem müssen alle, die vor der Diagnose Kontakt zu dem Patienten hatten, ebenfalls untersucht werden. Dafür benötigt die Stadt jetzt dringend zusätzliches Personal.

Steckbrief: Tuberkulose

Wie häufig?

Tuberkulose-Erreger

Wie häufig ist Tuberkulose?

Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge erkranken jährlich etwa neun Millionen Menschen neu an einer Tuberkulose und etwa 1,5 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen dieser Krankheit. Damit ist die Tuberkulose auch heute noch weltweit die häufigste zum Tode führende behandelbare bakterielle Infektionskrankheit. Besonders gefährlich ist eine Ansteckung für Menschen mit geschwächter Immunabwehr (zum Beispiel durch HIV). Besonders problematisch ist die Lage in südlich der Sahara gelegenen Ländern. Zuletzt gab es aber auch viele Neuerkrankungen in südost Asien und der westlichen Pazifikregion. Die für Menschen gefährlichen Erreger sind als "Mycobacterium-tuberculosis-Komplex" zusammengefasst.

Impfung?

Ist eine Impfung möglich und sinnvoll?

Möglich ja, sie wird aber seit 1998 nicht mehr empfohlen - weder von der Ständigen Impfkommission (STIKO), noch von der Weltgesundheitsorganisation. Die Gründe sind die begrenzte Wirksamkeit bei rückläufiger Tuberkulose-Inzidenz in Deutschland, sowie eine relative Häufigkeit von Impfkomplikationen.

Infektionsweg

Was ist der typische Infektionsweg?

Eine Infektion geht in der Regel von Menschen aus, die an einer offenen Lungentuberkulose erkrankt sind. Unter einer offenen (infektiösen) Lungentuberkulose versteht man Erkrankungen, bei denen der Krankheitsherd Anschluss an die Luftwege hat. Die Infektion erfolgt fast immer aerogen, das heißt durch feinste erregerhaltige Tröpfchenkerne in der ausgeatmeten Luft, die von erkrankten Personen beim Husten, Niesen, Lachen, Singen oder Sprechen freigesetzt werden.
Rund ein Drittel der Weltbevölkerung soll mit Tuberkulose-Erregern infiziert sein. Wobei fünf bis zehn Prozent der infizierten Erwachsenen im Laufe ihres Lebens - sofern sie immunkompetent sind - eine behandlungsbedürftige Tuberkulose entwickeln.

Neben der offenen gibt es auch die geschlossene Tuberkulose. Sie ist nicht ansteckend, muss aber trotzdem behandelt werden. Erreger können nur bei offener Tuberkulose sicher nachgewiesen werden. Ansonsten gibt ein Röntgenbild der Lunge Aufschluss.

Verlauf

Wie verläuft Tuberkulose?

Die Infektion mit Tuberkulosebakterien verläuft in aller Regel ohne eine Symptomatik. In den meisten Fällen gelingt es dem Organismus, die Tuberkulosebakterien erfolgreich zu bekämpfen oder sie abzukapseln und damit die Infektion dauerhaft einzugrenzen. Die Inkubationszeit beträgt im Durchschnitt sechs bis acht Wochen. Die Tuberkulose manifestiert sich bei etwa 80 Prozent der Erkrankten als Lungentuberkulose, sie kann aber prinzipiell jedes Organ befallen. Dementsprechend vielfältig sind die Symptome.

Einige Symptome, die auftreten können, ähneln der einer Grippe: hartnäckiger Husten, Schmerzen im Brustkorb, Atemnot, Nachtschweiß, anfangs leichtes Fieber, starke Schwäche und Gewichtsabnahme.

Therapie

Welche Therapie gibt es?

Die Behandlung der Tuberkulose erfolgt ausschließlich mit einer Kombination von Medikamenten. Hierfür gibt es zwei Gründe:
Die Erreger der Tuberkulose können in biologisch sehr verschiedenen Populationen vorkommen, zu deren optimaler Bekämpfung verschiedene Antituberkulotika jeweils am besten geeignet sind.
Der zweite wichtige Grund für eine Kombinationsbehandlung ist die Vermeidung der Entwicklung resistenter Keime, denn bei einer Erkrankung an Tuberkulose sind immer Erreger vorhanden, die natürlicherweise gegen ein bestimmtes Medikament resistent sind und die bei einer inadäquaten Therapie selektioniert würden.

Bei einer normalen Tuberkulose müssen mindestens sechs bis neun Monate lang zwei bis drei verschiedene Antibiotika eingenommen werden. Bei Multiresistenzen werden mindestens fünf Präparate für mindestens 21 Monate gegeben.

Prävention

Welche Präventionsmaßnahmen werden unternommen?

Entscheidend für eine effektive Tuberkulosebekämpfung sind die rasche Entdeckung Erkrankter, die Isolierung infektiöser Patienten und eine schnell einsetzende effiziente Therapie.
In Deutschland ist die aktive Fallsuche eine wesentliche Voraussetzung für die Reduzierung der Erkrankungshäufigkeit an Tuberkulose. Diese besteht in der Umgebungsuntersuchung von Kontaktpersonen von Patienten mit infektiöser Tuberkulose.
Zu den Zielgruppen für eine aktive Fallsuche zählen Personen aus Ländern mit hoher Tuberkulose-Prävalenz und Personengruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko, z. B. Obdachlose, Drogengebraucher, Gefängnisinsassen, aber auch HIV-positive Personen.

TBC wird über Husten und Niesen übertragen

Mit Tuberkulose infizieren kann sich grundsätzlich jeder, der mit dem hochansteckenden Erreger Mycobacterium tuberculosis in Kontakt kommt. Der Keim wird am häufigsten frei, wenn ein an "offener Lungen-Tuberkulose"-Erkrankter ihn beim Husten verbreitet. Bedeutsam ist dabei die Menge an Bakterien, die ausgehustet wird. Ob jemand erkrankt, hängt deshalb davon ab, wie lange und intensiv der Kontakt zum Erkrankten war. Eine Ansteckung etwa in der S-Bahn oder U-Bahn ist sehr unwahrscheinlich. Außerdem gibt es auch nicht ansteckende TBC-Formen, die "geschlossene TBC".


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