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Münchner Stalking-Mordprozess Architekt erklärt sich für nicht verhandlungsfähig

Paukenschlag zum Prozessauftakt: Der wegen Mordes an seiner Ex-Freundin im August 2016 angeklagte Architek hat sich selbst für nicht verhandlungsfähig erklärt. Er verwies auf seinen seit fast vier Wochen andauernden Hungerstreik.

Von: Birgit Frank

Stand: 13.09.2017

Spezialisten der Spurensicherung am Tatort in Obergiesing | Bild: BR/ Henning Pfeifer

Der Angeklagte war Mitte August in Hungerstreik getreten. Äußerlich macht sich das bereits bemerkbar: Der 46-Jährige ist sehr hager, er hat seine Haare abrasiert. Den Gerichtssaal betrat er in einem großen grünen Mantel, die Kapuze über dem Kopf.

Der Richter ordnete eine ärztliche Untersuchung an. Der Gerichtsarzt erklärte den Angeklagten am Vormittag dann doch für verhandlungsfähig. Daraufhin verlas der 46-jährige Architekt am Anfang des Prozesses eine Erklärung: Das Gericht verweigere ihm, sich angemessen zu verteidigen. So habe er beispielsweise keinen Laptop zum Arbeiten. Auch lehnt er seinen Pflichtverteidiger ab. "Aus diesen Gründen werde ich mich diesem Verfahren verweigern", sagte der Angeklagte.

Richter: Verhandlung notfalls ohne Angeklagten

Auch zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft wollte sich der Architekt nicht äußern. Der Vorsitzende Richter wies ihn darauf hin, dass auch ohne ihn verhandelt werden könne. Der im August 2016 geflohene Architekt war erst nach drei Monaten in Spanien gefasst worden. Seit seiner Auslieferung nach Deutschland sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft – und schweigt zum Tatvorwurf. Das Urteil soll es Ende Oktober geben.

Rückblick: Ex-Freundin lebte in ständiger Angst

Der Eingang des Wohhauses des Opfers in Obergiesing war damals weiträumig abgesperrt.

Der Mann wollte das Ende seiner sechs Jahre zurückliegenden Beziehung zum späteren Opfer nicht hinnehmen. Das Amtsgericht München verurteilte ihn bereits 2014 wegen jahrelanger Nachstellung zu einer Geldstrafe. Doch das sogenannte Stalking ging weiter – auch, nachdem die Frau den Wohnort gewechselt und ein richterliches Kontaktverbot erwirkt hatte. Vorsorglich hatte sie auch ihre Nachbarn darüber informiert. Die Architektin lebte in ständiger Angst. Mitunter soll sich die 45-Jährige nur in Begleitung nach Hause getraut haben, berichteten Nachbarn.

Mord geschah kurz vor neuem Stalking-Prozess

Im August 2016 sollte sich ihr Stalker erneut vor Gericht verantworten. Wenige Tage vorher soll der Angeklagte seiner Ex-Freundin aber vor ihrer Haustür im Münchner Stadtteil Obergiesing aufgelauert und sie mit mindestens 18 Messerstichen getötet haben, so die Staatsanwaltschaft. Das Opfer verblutete im Hauseingang.

Fahndung zunächst in den bayerischen Alpen

Spurensuche rund um den Tatort

Schon sehr bald nach dem Mord vom 16. August 2016 hatte die Polizei die Suche nach dem mutmaßlichen Täter auch auf die Alpen ausgeweitet. Mit Fahndungsplakaten in bayerischen Berghütten sollten Wanderer und Mountainbiker in die Suche einbezogen werden. "Es ist bekannt geworden, dass der Tatverdächtige eine gewisse Affinität zu den Bergen hat", sagte Gottfried Schlicht vom Polizeipräsidium München zur Begründung. Darum sei nicht auszuschließen, dass er sich dort aufhalte.


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