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Contra Münchner Amok-Gutachten Oberstaatsanwalt: OEZ-Amoklauf nicht nur rassistisch motiviert

Münchens Leitender Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst hat davor gewarnt, den Amoklauf vom Olympia-Einkaufszentrum im Juli 2016 ausschließlich als rechtsextrem motiviert einzustufen. Das sei eine ganz grobe Vereinfachung des Geschehens.

Stand: 05.10.2017

Blumenmeer vor dem OEZ in München nach dem Amoklauf von 2016 | Bild: picture-alliance/dpa

Vielmehr kämen mehrere Ursachen in Betracht - wie psychische Erkrankungen, Mobbing und eben auch die rechtsradikalen Ansichten. Die Psyche eines Toten könne aber nicht bis in jeden Winkel aufgeklärt werden, so Kornprobst gegenüber der Deutschen Presseagentur. Das habe die Staatsanwaltschaft längst dargelegt. "Wenn sich also jemand hinstellt und sagt, Überraschung, der war Rassist, dann kann ich das nicht nachvollziehen - wir haben nie etwas anderes behauptet", sagte Kornprobst. Diese Tat einfach in eine Schublade stecken zu wollen, sei eine ganz grobe Vereinfachung des Geschehens.

"Das würde der Tat nicht gerecht werden"

Die Stadt München hatte auf einen Stadtratsantrag hin ein Gutachten in Auftrag gegeben, das am kommenden Freitag (06.10.2017) vorgestellt wird. Einer der beauftragten Experten spricht laut SZ und WDR von einer rechtsterroristischen Tat und damit nicht mehr von einem Amoklauf. Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst sagte zu dieser ausschließlichen Festlegung heute klar: "Ich glaube, das würde der Tat nicht gerecht werden". Inzwischen ist eine neue Diskussion um das Hauptmotiv des Täters entbrannt.

Münchner Gutachten: Fremdenhass führte zu der Tat

Drei bisher unveröffentlichte Einschätzungen von Extremismusforschern, die von der "Fachstelle für Demokratie" der Stadt München mit einer Einschätzung beauftragt wurden, kommen nach Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" zu einer anderen Einschätzung: Sie halten es nicht für entscheidend, welche psychischen Kränkungen den Fremdenhass des Täters ausgelöst haben.

Entscheidend für die Bewertung des Verbrechens sei, dass der Hass auf Fremde David S. zu seiner Tat getrieben habe: So kamen alle Todesopfer aus Einwandererfamilien. David S., selbst Sohn iranischer Eltern, rief ausländerfeindliche Beschimpfungen, während er schoss. Außerdem wählte er den Jahrestag des Breivik-Anschlags in Norwegen für die Morde aus. Die Einschätzung in dem neuen Gutachten deckt sich mit früheren Recherchen des Bayerischen Rundfunks.

Staatsanwaltschaft: Täter sah womöglich die Herkunft seiner Mobber als Feindbild

Die Ermittlungsbehörden hingegen bleiben bei ihrer Bewertung: Dass David S. nur Menschen mit Migrationshintergrund als Opfer ausgesucht habe, dürfte "dem persönlichen, aber verallgemeinerten Feindbild der ehemaligen Mobber geschuldet sein." Der Täter hatte offenbar schlechte Erfahrungen mit türkisch- bzw. albanisch-stämmigen Mitschülern gemacht.

Neun Menschen hatte der Attentäter David S. vor etwas mehr als einem Jahr in München erschossen - in einer McDonalds-Filiale, auf der Straße und im Olympia-Einkaufszentrum. Danach tötete der 18-Jährige sich selbst.


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