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Prozess um Schneizlreuther Brandkatastrophe Opfer bis zur Unkenntlichkeit verbrannt

Die sechs Opfer des verheerenden Brandunglücks vor knapp acht Monaten in Schneizlreuth (Lkr. Berchtesgadener Land) waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Das geht aus Aussagen ermittelnder Polizisten am ersten Prozesstag hervor. Der angeklagte Eventmananger entschuldigte sich bei Hinterbliebenen und Opfern.

Von: Christian Riedl

Stand: 11.01.2016

Die Todesopfer konnten erst durch DNA-Analysen zweifelsfrei identifiziert werden. Die jungen Männer starben offenbar durch Rauchgasvergiftungen.

Ursache bleibt vermutlich unklar

Vor Gericht wurde auch gesagt, dass sich die Ursache für das verheerende Feuer wohl nicht mehr genau aufklären lässt. Der Brand habe sich im Bereich eines Sicherungskastens im Mittelgeschoss des Gebäudes entwickelt, wo auch ein Wäscheschrank stand, erklärte ein Beamter vor dem Traunsteiner Landgericht.

Es gebe Hinweise darauf, dass es möglicherweise einen Kurzschluss in dem Sicherungskasten gab. Zeugenaussagen würden dem aber widersprechen. Deswegen kann nach seinen Worten auch fahrlässige Brandstiftung als Unglücksursache nicht ausgeschlossen werden. So könnte eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe das Feuer ausgelöst haben. Offenbar wurde auf dem Balkon geraucht.

Hinweise auf absichtliche Brandstiftung gebe es nicht, sagte der Polizist. Er erklärte weiter, die Flammen hätten sich in Minutenschnelle ausgebreitet. In dem Gebäude hätten sich dann offenbar dramatische Szenen abgespielt. Die unmittelbar Betroffenen seien deswegen auch psychisch schwer belastet, so der Beamte.

"Ich habe Schuld auf mich geladen"

Der Angeklagte kurz vor Prozessbeginn

Zu Beginn des Prozesses hatte sich der Angeklagte bei Hinterbliebenen und Opfern entschuldigt. Er sei bereit, die Verantwortung für die Brandkatastrophe in vollem Umfang zu übernehmen, heißt es in einer schriftlich vorbereiteten Erklärung des 47-Jährigen. "Ich habe Schuld auf mich geladen", so Georg Straub. Er gab zu, das historische Gebäude ohne erforderliche Genehmigungen als Gästehaus genutzt zu haben. Mit einer solchen Katastrophe habe er nie gerechnet. Er habe in der Brandnacht furchtbare Bilder des Grauens erlebt.

In seiner Erklärung machte der Angeklagte Angaben zu seinem persönlichen Werdegang und der Entwicklung seiner Eventagentur. Er sei "blauäugig" an die Sache herangegangen. Bei der selbst ausgeführten umfangreichen Sanierung und Renovierung des alten "Pfarrerbauernhofs" habe er sich nie Gedanken über den Brandschutz gemacht.

Angeklagter: Behörden von Anfang informiert

Aus Sicht des Angeklagten hätten die offiziellen Stellen von Anfang an Bescheid wissen müssen - obwohl der Angeklagte 2009 dem Landratsamt schriftlich erklärt hatte, er werde auf die Unterbringung von Gästen in dem Gebäude verzichten. Danach lagen unter anderem am Landratsamt weiter Flyer aus, in denen die Eventagentur des Angeklagten mit Übernachtungsmöglichkeiten in dem historischen Gebäude warb.

"Ich frag mich, wie das alles passieren konnte. Wie das angeblich keiner gewusst hat, wie die Behörden weggeschaut haben. Das verstehe ich einfach nicht, dass keiner mal gemerkt hat, hier läuft etwas schief oder da übernachten Leute, die da gar nicht schlafen dürfen."

Jenny Doppelhofer, deren Mann bei dem Brand starb

Ex-Bürgermeister erledigte Installationsarbeiten

Darüber hinaus erklärte der Angeklagte, der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Schneizlreuth habe in dem alten Bauernhof als Elektriker Installationsarbeiten erledigt. Jedes Jahr hätten in dem Gebäude zwischen 1.000 und 1.200 Gäste übernachtet, so der Angeklagte. Die Zahlen seien der Gemeindeverwaltung regelmäßig gemeldet worden - er habe dafür Fremdenverkehrsbeiträge abgeführt.

Außerdem habe er mit einem Gemeindemitarbeiter das Matratzenlager besichtigt. Auch der amtierende Bürgermeister habe von den Übernachtungsmöglichkeiten gewusst. Eine Feuerbeschau in dem Gebäude habe es nicht gegeben, sagte der Angeklagte auf Nachfrage des Gerichts.

Sechs Tote und 20 Verletzte

Bei dem Brand sind am 23. Mai des vergangenen Jahres sechs junge Männer ums Leben gekommen, 20 weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. Der 47-Jährige ist wegen sechsfacher fahrlässiger Tötung und 20-facher fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Zum Zeitpunkt der Katastrophe schliefen 54 Menschen in dem Gebäude, darunter 47 Mitarbeiter der niederbayerischen Baufirma Lindner. Das Unternehmen aus Arnstorf (Lkr. Rottal-Inn) hatte den Angestellten zum 50-jährigen Bestehen der Firma ein "Eventwochenende" im Berchtesgadener Land spendiert.

Die Nacht der Katastrophe


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