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Nach Inferno in Schneizlreuth Gästehaus-Geschäftsführer auf der Anklagebank

Vor knapp acht Monaten vernichtete ein gewaltiges Feuer ein altes Bauernhaus in Schneizlreuth. Sechs Menschen starben, 20 wurden schwer verletzt. Vor dem Traunsteiner Landgericht hat am Morgen der Prozess gegen den Geschäftsführer einer Eventagentur begonnen.

Von: Christian Riedl

Stand: 11.01.2016

Der angeklagte Geschäftsführer der Eventagentur (Mitte) mit seinen beiden Anwälten im Traunsteiner Landtgericht am 11. Januar 2016 | Bild: BR/Christian Riedl

Es war eine der folgenschwersten Brandkatastrophen innerhalb der letzten 30 Jahre in Bayern. Sechs Männer starben am Pfingstsamstag vergangenen Jahres in den Flammen. Sie hatten in einem alten Bauernhaus in Schneizlreuth ein Wochenende verbringen wollen.

Nun steht der Gästehaus-Geschäftsführer und Chef einer Eventagentur vor Gericht. Der 47-Jährige ist wegen sechsfacher fahrlässiger Tötung und 20-facher fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Eventmanager vor, er habe das knapp 500 Jahre alte Bauernanwesen als Gästehaus genutzt, obwohl er dafür keine Genehmigung gehabt hatte.

Rückblick: Die Flammen überraschten die Gäste im Schlaf

Der Brand in dem historischen "Pfarrerbauernhof" in Schneizlreuth war mitten in der Nacht offenbar in oder bei einem Wäscheschrank ausgebrochen. Die Brandursache ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Zu diesem Zeitpunkt schliefen 54 Menschen in dem Gebäude, darunter 47 Mitarbeiter der niederbayerischen Baufirma Lindner. Das Unternehmen aus Arnstorf (Lkr. Rottal-Inn) hatte den Angestellten zum 50-jährigen Bestehen der Firma ein "Eventwochenende" im Berchtesgadener Land spendiert.

Die Flammen breiteten sich durch die Holzkonstruktion rasch aus. Weil der Fluchtweg abgeschnitten war, und es keinen Rettungsweg gab, wurde das Matratzenlager unterm Dach zur tödlichen Falle. Sechs junge Männer starben, 20 Menschen konnten sich durch Sprünge vom Balkon retten, erlitten dabei aber teils schwere Verletzungen.

Nutzung des Gebäudes nicht genehmigt

Im Oktober erhob die Staatsanwaltschaft Traunstein gegen den Geschäftsführer des Gästehauses Anklage. Es stellte sich heraus, dass der 47-Jährige den historischen Bauernhof bereits seit Jahren als Gästehaus genutzt hatte, obwohl er nie eine Genehmigung dafür hatte. Schriftlich hatte er bereits 2009 dem Landratsamt beteuert, er werde auf die Unterbringung von Gästen in dem Gebäude verzichten, weil er die Brandschutzauflagen nicht erfüllen kann. Trotzdem ging dort der Übernachtungsbetrieb weiter. Obwohl die Eventagentur unter anderem auf ihrer Internetseite mit Übernachtungsmöglichkeiten in dem alten Bauernhaus geworben hatte, gab es offenbar keine Kontrollen von den Behörden.

Die Eventagentur hat inzwischen ihren Betrieb eingestellt. Dem Angeklagten droht im Fall einer Verurteilung eine lange Haftstrafe. Der 47-Jährige sitzt seit Anfang Juni des vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt.

Der Ort des Infernos


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