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Straßensanierung im Chiemgau Sachrang von der Außenwelt abgeschnitten

Ein kleiner Ort in einem Alpental - abgeschnitten von der Außenwelt. Sachrang im Landkreis Rosenheim droht dieses Schicksal: Im August wird die Staatsstraße 2093 nach Aschau wegen Sanierungsarbeiten gesperrt – und damit die einzige Verbindungsstraße auf bayerischer Seite.

Von: Dagmar Bohrer-Glas

Stand: 03.06.2017

Wer Anfang August raus will aus dem Tal in Richtung Chiemsee, der hat Pech gehabt und muss weite Umwege in Kauf nehmen. Es geht nur entweder "links herum" über Tirol in Richtung Ebbs und dann über die A8 Richtung Rosenheim oder "rechts herum" über Schleching und hoch nach Marquartstein. Und das zwei Wochen lang.

Die 5.600 Sachranger sind sauer, obwohl sich alle einig sind: "Gmacht, g´hert die Straß´".

"Wir sind nicht gegen die Sanierung. Wir wehren uns gegen die Sperrung. Besonders ärgerlich daran ist, dass die Bürger, die Betroffenen nicht einbezogen werden."

 Erika Kirnberger und Alois Breckl-Stock aus Sachrang

Weniger Gäste - weniger Umsatz

Erika Kirnberger und Alois Breckl-Stock wohnen in Sachrang und haben aus der Zeitung von der Vollsperrung im Sommer erfahren. Breckl-Stock betreibt ein Café und ist stocksauer. Er befürchtet große Einbußen.

"Es ist Hauptreisezeit und wir leben von der Urlaubszeit. Es ist auch immer noch nicht geklärt wie die Lieferanten herkommen. Die fahren ja stundenlang."

Alois Breckl-Stock, Café-Besitzer in Sachrang

Weite (Um-) Wege

Erika Kirnberger sieht den ersten beiden Augustwochen mit Sorge entgegen. Der tägliche Weg zur Arbeit nach Prien und Rosenheim wird mühsam.

"Die Zeit ist es: Mit der Umleitung fahre ich dann 58 Minuten, sonst sind es 22 bis 26 Minuten. Unser Ziel ist es, dass es kurzfristige Sperrungen gibt und - soweit wie möglich - eine Einbahn-Regelung."

Erika Kirnberger und Alois Breckl-Stock aus Sachrang

Vollsperrung bewusst in den Sommerferien

Anlieger werden durch die Baustelle geführt. Aber nur die Anlieger, betont Christian Rehm, der Chef des Rosenheimer Straßenbauamtes. Eine Vollsperrung der Straße sei nötig, weil die Staatsstraße nur gut sechs Meter breit ist.

"Es geht hier um Fragen der Arbeitssicherheit. Da hat auch die Berufsgenossenschaft ein Auge drauf."

Christian Rehm, Leiter des Rosenheimer Straßenbauamtes

Durch die zwei geplanten Umfahrungen sei Sachrang keineswegs von der Außenwelt abgeschnitten. Ganz bewusst baue das Straßenbauamt in den ersten zwei Augustwochen. Wegen der Ferien fahren keine Schulbusse und auch weniger Pendler sind unterwegs.

"Wir haben dieses Zeitfenster und auch die Arbeitsweise mit der Gemeinde Aschau, mit der Polizei und mit den Verkehrsbehörden abgestimmt. Natürlich sind dann auch Urlauber in Sachrang, das wissen wir auch. Ich habe Verständnis für den Unmut. Aber wir meinen, bei der kurzen Zeitdauer sind die Nachteile hinnehmbar."

Christian Rehm, Leiter des Rosenheimer Straßenbauamtes

Abgeschnitten von der Außenwelt

Die Kirnbergers und ihr Mitstreiter Breckl-Stock sehen das anders: Sie fürchten durchaus  abgeschnitten zu sein, von der Außenwelt und von der Kundschaft.

"Wir haben 90 Prozent Tagesgäste im Café von München runter. Und die überlegen sich sehr wohl, ob sie diese Umwege fahren. Wir haben eine Nachbarin, die hat sich die Hand gebrochen. Sie muss jetzt zwei, drei Mal in der Woche mit dem Taxi zum Arzt fahren. Und der Taxifahrer hat schon gesagt: Außenrum bin ich nicht dabei."

Johannes Kirnberger und Alois Breckl-Stock aus Sachrang


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