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Initiative "Pulse of Europe" Ihr Herz schlägt für Europa

Den Kampf für Europa und gegen Rechtspopulismus hat sich die Bürgerinitiative #PulseofEurope auf die Fahnen geschrieben. In 20 Städten gehen Menschen auf die Straße. Und es werden immer mehr. Auch die Münchner setzen jetzt jeden Sonntag ein Zeichen.

Von: Birgit Gamböck

Stand: 27.02.2017

Pulse of Europe-Demo am 26.02.2017 in München | Bild: BR/Birgit Gamböck

"Pulse of Europe", also der Pulsschlag Europas, ist eine noch junge Bürgerbewegung, die den Nerv der Zeit zu treffen scheint. Der Brexit, die Wahl Trumps, Marine Le Pen in Frankreich, die AfD in Deutschland – nationalistische Alleingänge und autokratische Tendenzen machen vielen Menschen Angst.

Eine Mehrheit für Europa

Nicolai Marcinowlski (links): Mehrheit für Europa.

"Vor einem halben Jahr noch hat niemand geglaubt, dass der Horror Brexit und Trump wahr werden würde", sagt Nikolai Marcinowski, der zusammen mit einem Freund in eine große Europa-Fahne gehüllt ist. Er demonstriert mit 500 anderen Menschen vor der Oper in München. "Es ist höchste Zeit, sich zu engagieren. Ich hoffe, wir können zeigen, dass die Mehrheit für Europa ist", so der Student.

John Friedmann: Nationalistische Bewegungen als Bedrohung.

Das treibt auch Mitorganisator John Friedmann an. "Pulse of Europe ist keine politische Bewegung, sondern eine Bürgerbewegung, die für die Zukunft Europas kämpfen will. Eine Zukunft, die wir bedroht sehen durch nationalistische Bewegungen."

Dem müsse Einhalt geboten werden, bevor es zu spät sei. In England kam das böse Erwachen am Tag nach dem Brexit-Entscheid. Dann gingen Millionen auf die Straße. Dasselbe bei Trump. Erst als es zu spät war, begehrten Millionen auf. Soweit will es "Pulse of Europe" nicht kommen lassen.

Flagge zeigen

"Es stehen wichtige Wahlen an in Holland, Frankreich und auch Deutschland", sagt Friedmann. "Wir wollen die Leute ermutigen, jetzt für Europa Flagge zu zeigen und ihr Kreuz für Europa zu machen." Friedmann ist einer der sechs Münchner Organisatoren. Der Schauspieler ist vielen bekannt als Erkan des Comedy-Duos "Erkan und Stefan". Für Europa ist er auf die ernste Seite gewechselt. 

Aus Liebe zu Europa dabei

"Wir müssen jetzt Stellung beziehen", pflichtet ihm Brigitte Schuchard bei. Die Rentnerin ist mit einer Freundin gekommen, weil sie glaubt, die 70-jährige Friedensgeschichte Europas stehe auf dem Spiel. "Der Frieden ist nur zu erhalten, wenn wir solidarisch zusammenstehen. Von dem ganzen nationalistischen Getue halte ich gar nichts. Das ist derart überholt."

An der Seite der beiden Damen ihre pro-europäische Haltung zeigen am Sonntagnachmittag 500 Menschen. Sie schwenken Fähnchen, haben Luftballons in blau mit gelben Sternen in der Hand, sind in den europäischen Farben geschminkt. Auf der Bühne kann jeder, der möchte, in drei Minuten erklären, was er toll findet an der EU.

Aus der Mitte der Gesellschaft

Die Mitte der Gesellschaft demonstriert.

Da ist die Rede von Reisefreiheit, Frieden, gemeinsamen Werten. Es geht darum, dass man sich all das nicht von einer Minderheit aus Skeptikern und Hetzern schlechtmachen lässt. Bürger sprechen aus ihrem Herzen, das laut und deutlich für Europa schlägt. Es ist die Mitte der Gesellschaft, die hier demonstriert.

Reden über Reisefreheit und gemeinsame Werte.

Jung und Alt, Rentner und Studenten, Familien mit kleinen Kindern, Professoren und Bankangestellte, Deutsche, Polen, Franzosen, Griechen, Briten. Ganz normale Leute, viele zum ersten Mal auf einer Demo. Zusammen singen sie die Europa-Hymne „Ode an die Freude“ in mehreren Sprachen. Zum Abschluss ertönt „Unite Europe" des Italieners Toto Cutugno und die Menschen verlassen den Platz mit einem guten Gefühl.

Will weiter demonstrieren: Selma Steinmetz (rechts).

"Es ist wichtig, dass die Mehrheit, die für Europa ist, Gehör bekommt", freut sich Selma Steinmetzer. Die 18-Jährige macht gerade ihr freiwilliges soziales Jahr und will zusammen mit ihren Freunden nächsten Sonntag wiederkommen. 

 Puls trifft Nerv

Zur zweiten Demo sind schon doppelt so viele gekommen, wie zur ersten vor einer Woche, freut sich Friedmann. Er hofft auf kontinuierlichen Zuwachs. In Frankfurt, wo die Pulse-Idee ihren Ursprung nahm, sind es nach anfänglich 200 nun schon 1.500 Europäer, die jeden Sonntag um 14 Uhr Farbe bekennen. Die Initiative trifft einen Nerv und ist damit in bester Gesellschaft.

In Rom soll es am 25. März anlässlich des 60. Geburtstages der Römischen Verträge einen "March for Europe" geben. Am gleichen Tag will die Gruppe "Unite for Europe" in London den größten britischen Protestmarsch aller Zeiten anführen. "Pulse of Europe" hat auch schon Ableger in Amsterdam und Paris. Europas Herz schlägt. In der Brust seiner Bürger.     

Das ist "Pulse of Europe"

Es begann Mitte Januar in Frankfurt. Mittlerweile konnte #PulseofEurope Menschen in Hamburg, Berlin oder Stuttgart, Paris und Amsterdam, aber auch in München und Passau mobilisieren. Jeden Sonntag um 14 Uhr treffen sich überzeugte Europäer, um die europäische Idee zu vertreten. Sie steht für die Initiatoren für die Achtung der Menschwürde, die Rechtsstaatlichkeit, freiheitliches Denken und Handeln, Toleranz und Respekt . www.pulseofeurope.eu


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Elke Dittrich, Montag, 06.März, 18:16 Uhr

19. Wie kann man Pulse of Europe helfen?? Wo kann man die Organisation kontaktieren

Pulse of Europe ist eine absolut hervorragende Idee - nur ein gemeinsames Europa kann international gehört werden und es ist eine Frage von Frieden oder Krieg. Und wenn jemand behauptet, dass 70 Jahre Frieden in Europa nichts ist, ja, dann weiss ich es auch nicht. Ein Zeichen muss gesetzt werden gegen Hass, Rechtsradikalismus und Austritte aus der EU - das ist nämlich keine Lösung.
Wie kann man sich engagieren?
Mit freundlichen Grüßen Elke Dittrich

Alika Lingnau, Montag, 06.März, 15:01 Uhr

18. Puls of Europa

Hallo, ich habe gestern erst durch die Nachrichten von der Initiative Puls of Europa erfahren. Endlich eine Gegendemonstration zu den Rechts Stimmen die leider immer lauter werden. Hier in unserem Land leider genauso wie in den Nachbarländern. Aber ich glaube das die Menschen in der Mehrheit sind, die an ein Starkes und Solidarisches Europa glauben. Jetzt sollten wir die Stimme erheben und dafür kämpfen das dieses Europa erhalten bleibt. Sicher ist nicht alles perfekt im Europaparlament, doch daran muss man arbeiten. Das geht jedoch nur wenn wir nicht wieder in unsere Nationalstarten zerfallen. Das möchte ich mir nicht vorstellen, wie es aussehen würde wenn z.B. Frankreich aus der EU austritt. Ich hoffe sehr für meine 12 Jährige Tochter, das sie in einem geeinten Europa aufwachsen und leben darf. Deshalb würde ich gerne zur nächsten Puls of Europa Demo gehen. Leider habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können in welchen 26 Städten jeden Sonntag Demos sind.

  • Antwort von A.Werner, Montag, 06.März, 17:33 Uhr

    einfach auf die homepage von Pulse Of Europe klicken. Rubrik: PoE-Städte.
    Hingehen! Wir müssen noch viel mehr werden. Machen wir die Pegida-Leute und Konsorten zur lächerlichen Splittergruppe. Nur so geht es. Raus aus der Komfort-Zone.

Macha, Sonntag, 05.März, 22:26 Uhr

17. Ja, reformiert Europa!

denn vieles ist nicht gut und wird nur gut wenn wir aktiv daran mitarbeiten es zu verbessern!

Aber ohne oder mit weniger Europa werden Mauern wieder gebaut, Grenzen wieder dicht und Kriege wieder wahrscheinlicher. Darum: Mitarbeiten, auch wenn es anstrengend ist und Arbeit macht. Ein Teil der Anstrengung ist, zur Demo zu kommen und zu demonstrieren, dass wir unsere Zukunft mitgestalten wollen und zwar mit mehr und besserem Europa!

Auf, am nächsten Sonntag, 14:00, zeigt, dass Europa lebt!

  • Antwort von Zwiesel, Sonntag, 05.März, 22:47 Uhr

    @Macha:
    Stimme Ihnen absolut zu.

  • Antwort von Hannah, Sonntag, 05.März, 22:59 Uhr

    @Macha
    Meine Familie und meine Freunde sind dabei.
    Mein Sohn, der in Hamburg studiert, engagiert sich dort.

Pro Europäer, Sonntag, 05.März, 20:02 Uhr

16. Ergänzung zu meinem Kommentar gerade eben:

Gerade was die Staffelung der Subventionen angeht, erreichen in Ö. viele Höfe nicht die entsprechenden Messgrößen, und im Verhältnis profitieren die am meisten, die schon entsprechend hohe ha-Zahlen aufweisen. Vielleicht auch mitunter ein Grund, warum etwa sich der größte Biolebensmittelerzeuger in UK, unser Prince Charles, auch so vehement für die EU, und eine ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft stark gemacht hat. Leider beschert halt auch hier die EU nur größten Agrar-Grundbesitzern den größten Batzen vom Subventionskuchen, sehr gut auch in Osteuropa zu beobachten, wo Agrarkonzerne örtl. Kleinbauern Land und Boden wegkaufen.
Die reine Profitorientierung der EU, die in dieser industriellen Landwirtschaft zum Ausdruck kommt, macht es so schwer, an einen humanistischen, ethischen Daseinszweck dieser EU zu glauben. Sie ist alles andere, nur nicht humanistisch und ethisch.
Pulse of Europe sollte seine Demos einstellen, und auch keine weitere Werbung für diese Art Europa machen

Pro-Europäer, Sonntag, 05.März, 19:44 Uhr

15. Bin für ein freies Europa der Vaterländer in der Tradition der EG/EWG,

die uns über Jahrzehnte einen friedlichen, wirtschaftlich stabilen europäischen Kontinent beschert hat. Ohne einen chronisch-kranken Dauerpatienten namens Euro, der irgendwann auch vom deutschen Steuerzahler nicht mehr finanziert werden kann, NegativZinsen, Inflation (wird natürlich gerne künstlich niedrig gerechnet) und weiter zunehmender sozialer Spaltung und Wohlstandsgefälle innerhalb Europas.
Habe mir heute Vormittag auf ORF 2 im Rahmen der ORF-Matinee einen interessanten Bericht über junge Bäuerinnen in Ô.und ihr Wirtschaften in Zeiten der EU angesehen. Was die Umstellung auf Weltmarktpreise innerhalb der EU auf die relativ kleinbäuerliche Hofstruktur in Ö.bedeutet hat, wie etwa Agrarland zur Biogaserzeugung aufgekauft wird, weil Höfe aufgeben, auch weil sie die hohen Pachten nicht mehr zahlen können. Einfach verheerend, und in der EU staffeln sich die Subventionen nach einer bestimmten ha-Größe. So wie in Afrika wie auch hier zerstört die EU die regionale Landwirtschaft mit.