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Urteil im Schneizlreuth-Prozess Bewährungsstrafe oder Gefängnis?

Es war die größte Brandkatastrophe in Bayern in den vergangenen Jahren: Sechs Menschen sind bei dem Feuer in Schneizlreuth ums Leben gekommen. Vor Gericht muss sich deshalb ein 47-jähriger Eventmanager verantworten. Heute wird das Urteil gefällt.

Von: Christian Riedl

Stand: 05.02.2016

Löscharbeiten in Schneizlreuth | Bild: BR / Georg Barth

Gut acht Monate nach der Brandkatastrophe in Schneizlreuth verkündet das Gericht in Traunstein das Urteil. Ein 47 Jahre alte Eventmanager aus dem Berchtesgadener Land ist wegen sechsfacher fahrlässiger Tötung angeklagt. Der Betreiber einer Outdooragentur hatte im historischen "Pfarrerbauernhof" jahrelang ohne Genehmigung Übernachtungsgäste einquartiert.

Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haft

Angeklagter kommt am Tag der Urteilsverkündung im Gericht an.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer vier Jahre Haft für den Angeklagten beantragt. Sie argumentiert, dass der Manager die volle Verantwortung für den illegalen Übernachtungsbetrieb übernehmen müsse.

Mehrfach habe er die Behörden getäuscht: Unter anderem habe er im Jahr 2009 in einem Schreiben ans Landratsamt betont, in dem Gebäude niemanden mehr übernachten zu lassen, weil er Brandschutzauflagen nicht erfüllen könne.

Anklage: Keine Strafmilderung

"Es war Glück, dass es nicht noch mehr Tote gegeben hat", so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Eine offensichtliche Absprache zwischen dem Angeklagten und der Gemeindeverwaltung, wie der illegale Betrieb aufrecht erhalten werden kann, wirkt sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht strafmildernd aus. Ebenso wenig, dass das Feuer wohl durch fahrlässige Brandstiftung ausgelöst worden war.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft auch Ermittlungen gegen den Ex-Bürgermeister von Schneizlreuth und den pensionierten Geschäftsführer der Gemeinde aufgenommen. Sie mussten von der nicht genehmigten Unterkunft gewusst haben, so die Staatsanwaltschaft. Die Anwälte der Hinterbliebenen und der 20 - zum Teil schwer - Verletzten des Flammeninfernos schlossen sich in ihren Plädoyers dem Strafantrag der Staatsanwältin an.

Zum Zeitpunkt der Katastrophe schliefen 54 Menschen in dem Gebäude, darunter 47 Mitarbeiter der niederbayerischen Baufirma Lindner. Das Unternehmen aus Arnstorf (Lkr. Rottal-Inn) hatte den Angestellten zum 50-jährigen Bestehen der Firma ein "Eventwochenende" im Berchtesgadener Land spendiert.

Verteidung fordert Bewährungsstrafe

Der Angeklagte am ersten Prozesstag mit seinen Anwälten Harald Baumgärtl (r.) und Frank Starkes

Die Strafverteidiger des 47 Jahre alten Angeklagten beantragten für ihren Mandaten eine eineinhalbjährige Bewährungsstrafe. Sie sind der Auffassung, die Kenntnis über und die Duldung des nicht genehmigten Betriebs vor allem durch die Gemeindeverwaltung seien strafmildernd zu werten. Hätten Kontrollen stattgefunden, wäre nichts passiert, argumentieren sie. "Es gab ein Versagen auf ganzer Breite."

Dennoch trage ihre Mandant eine Mitschuld, die Verantwortung dafür trage er auch, so die Anwälte. In seinem Schlusswort entschuldigte sich der Angeklagte noch einmal bei den Betroffenen der Brandkatastrophe. Leise sagte er:

"Ich stehe zu meiner Schuld, ich habe Fehler gemacht."

Der Angeklagte in seinem Schlusswort


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