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Interner Polizeibericht Polizei-Digitalfunk doch nicht so zuverlässig?

Seit dem Sommer funkt die bayerische Polizei digital – rund eine Milliarde Euro hat die Umstellung von Analog auf Digital gekostet. Doch es ist strittig, ob der Digitalfunk tatsächlich lückenlos funktioniert.

Stand: 19.10.2016

Hand hält Digitalfunkgerät, im Hintergrund Polizeilogo | Bild: picture-alliance/dpa

Das Innenministerium betont, nun sei der Empfang besser und die Übertragung klar. Doch am Abend des Amoklaufs in München, dem 22. Juli, hat sich gezeigt: Der Digitalfunk funktioniert immer noch nicht hundertprozentig. Das geht aus einem internen Erfahrungsbericht des Polizeipräsidiums München hervor, der dem BR-Hörfunk und dem Politikmagazin Kontrovers vorliegt.

Ausweichen auf private Handys - öfters kein Netz

Schießerei in Münchner Einkaufszentrum | Bild: BR/Richard Gutjahr zum Video mit Informationen Funkstille Orte Das Sorgenkind der bayerischen Polizei

Der Polizeieinsatz in der Nacht des Amoklaufs von 22.7. auf den 23. 7 war spektakulär. Hochprofessionell hätten die Einsatzkräfte gehandelt, hieß es danach. Doch lief wirklich alles so glatt? Dem BR-Hörfunk und Kontrovers liegt ein interner Erfahrungsbericht der Polizei vor. Daraus geht hervor, dass es massive Probleme bei der Kommunikation über Funk gab: Einsatzkräfte waren minutenlang gar nicht erreichbar! [mehr]

Am Abend des Amoklaufs in München mussten die Polizisten zum Teil ihre privaten Handys nutzen. So hatten sie zum Beispiel gleich nach der Eingangstür zum Olympiaeinkaufszentrum, dem Gebäude, in dem der Amokläufer mehrere Menschen erschoss, kein Netz. Auch im Parkhaus, wo sich der Amokläufer längere Zeit aufgehalten hat, hatten die Polizisten schlechten bis gar keinen Empfang. Ähnlich war es beim Einsatz am Stachus - an dem Abend waren Gerüchte im Umlauf, dass dort Unbekannte mit Waffen unterwegs sind.

Einige Einsatzkräfte waren sogar gar nicht mehr erreichbar, in einem Fall drei bis fünf Minuten lang nicht. Das steht so in einem internen Bericht des Polizeipräsidiums München, der dem Innenministerium zugeschickt wurde. Dem Bayerischen Rundfunk hat Innen-Staatssekretär Gerhard Eck, der Leiter der Projektgruppe Digitalfunk, allerdings gesagt, dass ihm nichts von längeren Störungen bekannt sei.

Seit Jahren ein Kritikpunkt

Dabei ist das nicht das erste Mal, dass es Probleme mit dem Digitalfunk gegeben hat. Polizisten kritisieren schon seit Jahren, dass es in München in vielen größeren Gebäuden, in der U-Bahn und am Flughafen Funkstörungen gibt. Probleme gab es außerdem nicht nur am Abend des Amoklaufs, sondern auch bei anderen Großeinsätzen, wie etwa der Münchner Sicherheitskonferenz.


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Günter Krebs , Dienstag, 25.Oktober, 23:45 Uhr

2. Digitalfunk: das wirkliche Problem dabei

Vielleicht nicht einfach zu verstehen, ist aber so: Es liegt nicht am Digitalfunk, wenn es keine Verbindung gibt. Es liegt an der unterschiedlichen Zuständigkeiten für die Funkversorgung. Im Freien liefert das jeweilige Bundesland die Netzgüte, und die ist grundsätzlich sehr ordentlich in Bayern. In Gebäuden hat die Polizei aber fast nie die Möglichkeit, ordentlichen Funk zu fordern. Hier sind die kommunalen Feuerwehren zuständig. Und die denken nicht in Funknetzen, sondern in örtlichen Anlagen. Noch deutlicher: denen ist es egal, ob die Polizei (oder Rettung) im Gebäude funken kann. Natürlich könnte man auch in Gebäuden ein einheitliches Netz einrichten: wenn man den die gesetzliche Grundlage auf eine zeitgemäße Grundlage stellen würde. Beispiel für eine gelungene Lösung ist (ohne Rechtsgrundlage, nur aus Vernunft gebaut) die Digitalfunkversorgung in der Hamburger U-Bahn. Bei Bedarf gern mehr Infos

Stefan, Mittwoch, 19.Oktober, 09:37 Uhr

1. Extrawurst Digitales Deutschland

Das Problem Erreichbarkeit in Gebäuden ist fast so alt wie das Thema Digitalfunk an sich, spätestens aber seit den Testläufen akut - mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen, man kann es sich denken. Da Deutschland selbstverständlich auch ein "eigenes" System haben wollte, die berühmte Extrawurst, anstatt auf das Digitale Funksystem unserer Nachbarn (z.B. Österreich, Tschechien...) zurückzugreifen, macht es natürlich auch schwer Erfahrungswerte bei Ausschreibung, Beschaffung und Betrieb zu berücksichtigen. Aber bei gleichem Funksystem hätte man ja, auch bei Grenzübergreifender Zusammenarbeit, auf teure Zusatzausrüstung verzichten müssen und die Zusammenarbeit wäre womöglich auch viel zu unkompliziert geworden. Erinnerungen an die Einführung von "Toll"Collect" werden wach... Ausbaden müssen es in erster Linie Einsatzkräfte und Betroffene und in zweiter Linie der Steuerzahler im allgemeinen.

  • Antwort von Hans, Mittwoch, 19.Oktober, 11:00 Uhr

    Schade das der Kommentar auf Unwissenheit basiert. Weder Österreich noch Tschechien funkt flächendeckend digital. Die Systeme in benannten Ländern entsprechen dem selben wie in Deutschland. Tetra 25. Es befindet sich alles im Umbruch, so wie vor über 40 Jahre als der Analogfunk Einzug gehalten hat und nach und nach erweitert und verbessert wurde. Vor 20 Jahren waren Mobiltelefone auch in einem anderen Technik Status wie heute. Lasst doch die Kirche mal im Dorf.