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Bürgerentscheid in Pfaffenhofen Mehrheit für "Saubere Energie aus Windkraft"

In Pfaffenhofen haben die Wähler im Bürgerentscheid für einen Windpark gestimmt - und damit auch dafür, dass ihre Stadt sich in Zukunft selbst mit Strom versorgen kann. Die Energie-Autarkie ist das große Ziel der Stadtratsmehrheit und der eigens gegründeten Bürger-Energie-Genossenschaft BEG.

Von: Susanne Pfaller

Stand: 24.10.2016

In einem Windpark drehen sich Windräder vor dunklen Wolken. | Bild: pa/dpa/Martin Schutt

An dem Bürgerentscheid am Sonntag (23.10.16) beteiligten sich knapp 20.000 Wahlberechtigte, das entspricht einer Wahlbeteiligung von knapp 60 Prozent. Knapp 57 Prozent stimmten für den Windpark.

Zwischen den Gegnern und Befürwortern kochten im Vorfeld die Emotionen hoch. Ein Steinwurf durch das Fenster eines Windkraft-Befürworters blieb bislang unaufgeklärt. Massive Beleidigungen der Windkraft-Gegner in den sozialen Medien gab es, zum Beispiel als Penner und Ewiggestrige. Eine zivilisierte Auseinandersetzung mit den Pro- und Contra-Argumenten gab es nicht. Eine gemeinsame Podiums-Diskussion hat das Rathaus abgeblockt, bedauert Marion Sieber, die Sprecherin von Gegen-Wind.

"Die Plattform von der Stadt oder mit der BEG zusammen haben wir halt nicht bekommen. Es ist sehr schwierig, wenn Stadt und Bürger-Energie-Genossenschaft an einem Strang ziehen, und die Gegenmeinung einfach immer versucht wird zu unterdrücken."

Marion Sieber, Sprecherin von Gegen-Wind

Informieren konnten sich die Bürger also immer nur einseitig - mal bei den Gegnern des Windparks, mal bei den Befürwortern.

Mission: 100 Prozent Selbstversorgung

An der Spitze der Befürworter steht Bürgermeister Thomas Herker (SPD). Er hat eine Mission: Schon in zwei Jahren will er auf dem Stadtgebiet von Pfaffenhofen so viel sauberen Strom erzeugen, wie hier verbraucht wird.

"Der Stand heute: Wir haben in Pfaffenhofen rund 70 Prozent erneuerbare Energie im Netz, da ist natürlich der Löwenanteil aus der Biomasse, da haben wir kleine Anlagen, aber auch die große Biomasse-Anlage in Pfaffenhofen. Wir haben einen kleinen Anteil an Wasserkraft, wir haben schon eine ordentliche PV-Abdeckung, dann brauchen wir heute drei zusätzliche Windräder, dann wären wir Stand heute bei 100 Prozent Bedarfsdeckung."

Bürgermeister Thomas Herker

Schon die Möglichkeit der 100-prozentigen Bedarfsdeckung zweifelt Windkraftgegner Martin Ott an. Er verweist darauf, dass der Windstrom nicht in Pfaffenhofen verbraucht wird, sondern in das große Stromnetz wandert.

"Wir haben keine Speicher. Die sind auf Jahre einfach nicht industriell beziehbar und vor allen Dingen sind die volkswirtschaftlich nicht realisierbar."

Windkraftgegner Martin Ott

Das wird sich ändern, glaubt und hofft dagegen Windkraft-Befürworter Bürgermeister Herker.

"Da wird es neue Speichertechnologien geben müssen und ich bin mir sicher, dass es die nächsten ein, zwei Jahre wird es hier deutliche Entwicklungen geben in Kooperation mit einer Hochschule. Wir wollen das bis 2021 auch endlich umsetzen und sind guter Dinge, dass wir das auch schaffen werden."

Windkraft-Befürworter Bürgermeister Herker

Windenergie sorgt weiter für Wirbel

Der CSU-Fraktionsvorsitzender Martin Rohrmann wertet einige Äußerungen von Bürgermeister Herker fast schon als Erpressung. Herker spiele beim Thema Windpark am Lustholz die Ortsteile gegeneinander aus.

"Zum Beispiel hat der Bürgermeister gesagt, wenn am Nußholz diese Windkraftanlagen nicht gebaut werden können, dann muss sich die Stadt halt andere Lokalitäten suchen, in denen die entstehen können."

CSU-Fraktionsvorsitzender Martin Rohrmann

Das Thema Windenergie wird wohl weiterhin für Wirbel sorgen - auch nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid.


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Flaute 04, Dienstag, 25.Oktober, 23:08 Uhr

14.

Ich finde es nicht gut, dass die Abstimmungsfrage mit einer fragwürdigen städtischen Zielerreichung verknüpft wurde, um im Falle eines Neins ein schlechtes Gewissen zu erzeugen.

Matthias Maier, Montag, 24.Oktober, 15:37 Uhr

13. Bürgerentscheid in Pfaffenhofen

Zum Vorwurf der Windkraftgegner, die Gegenmeinung sei immer unterdrückt worden, möchte ich anmerken: Ich war bei mehreren Informationsveranstaltungen zu dem geplanten Bürgerentscheid. Bei jeder dieser Veranstaltungen konnten die Windkraftgegner ihre Fragen und Einwände formulieren, auf die ausführlich eingegangen wurde. Frau Sieber selbst hat dies jedesmal getan. Dagegen wurde bei einer großen Veranstaltung von "Gegenwind" keinem Windkraftbefürworter die Möglichkeit gegeben, kritische Fragen zu stellen. Sicher war ich nicht bei allen Veranstaltungen, doch bei allen stellte sich für mich das Bild ähnlich dar: äußerst aggressive Äußerungen der Windkraftgegner, die sogar nicht davor zurückscheuten, jedem Befürworter vorzuwerfen, er bekomme von der Windkraftlobby Geld. Frau Sieber spricht von "Unterdrückung" der Gegenmeinung, aber jeder, der bei den großen Info-Veranstaltungen war, weiß, dass sich alle Beteiligten intensiv mit den Gegenargumenten auseinandergesetzt haben.

10H Irrweg, Montag, 24.Oktober, 08:37 Uhr

12. Gut gemacht Pfaffenhofen

Da wird der Seehofer schäumen! :-)

  • Antwort von Aidyl, Dienstag, 25.Oktober, 09:56 Uhr

    Dieser Kommentar zu 10 H zeigt ganz deutlich, dass der Schreiber nicht verstanden hat, um was es bei 10 h geht:
    Entgegen der Behauptung vieler Parteien dient diese Regelung dem Schutz der Menschen, insbesondere in den ländlichen Gemeinden.
    Die Unversehrtheit der Gesundheit, des Eigentums und der Schönheit der bayerischen Landschaft sind Grundrechte, die in der bayerischen Verfassung garantiert sind. Sie müssen immer höher bewertet werden als das Interesse an der Geschäftemacherei mit unsinnigen Windkraftanlagen im sowieso windschwachen Bayern. Es widerspricht jeglichem Demokratieverständnis, dass Windkraftprojekteure die städtebauliche Entwicklung von Gemeinden maßgeblich beeinflussen können, ohne dass deren demokratisch gewählte Organe dies verhindern können.
    Erst mit 10 H kann die Kommune jetzt selber bestimmen, ob sie bauen will oder nicht.
    Vor 10 H kam eine Firma, stellte einen Bauantrag, das Landratsamt genehmigte und die Gemeinde hatte NIX zu melden: § 35 BauGB!

Michael Littel, Sonntag, 23.Oktober, 23:50 Uhr

11. Windpark?

Zweifellos werden 3 Windräder das Landschaftsbild verändern oder gar beeinträchtigen!
Zweifellos werden Beeinträchtigungen nicht zu vermeiden sein!
Ich hoffe dass die Stadt Pfaffenhofen anderenorts die Verantwortung für die Natur übernehmen wird und der notwendige Ausgleich geschaffen wird und sich nicht von dieser Verantwortung drückt (freikauft)!
Von einem Windpark zu sprechen, halte ich für übertrieben!
Gerade die Gier von Windkraftindustriellen und -spekulanten (Projektanten und Großgrundbesitzern), die wesentlich größere Anlagen (10 Windräder reichen da nicht!) in wesentlich sensibleren Gebieten planen, haben leider dazu geführt, dass eine sachgerechte Diskussion kaum mehr möglich ist!

Pfaffenhofener, Sonntag, 23.Oktober, 23:47 Uhr

10. Abstimmung erfolgreich

Abstimmung über Windpark erfolgreich ! Gut das endlich diese ewige CSU Blockade durchbrochen wurde. In Bayern geht doch noch was voran.