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Kundgebung an der Münchner Freiheit Gegendemonstranten stoppen Pegida

Rund 100 Pegida-Anhänger haben am Montagabend an der Münchner Freiheit im Münchner Stadtteil Schwabing demonstriert. Rund 3.000 Gegendemonstranten stellten sich der Gruppe in den Weg und verhinderten deren geplanten "Spaziergang" zum Siegestor.

Stand: 10.11.2015

Die Gegner störten mit Sprechchören, Trompetentönen und einem Pfeifkonzert die Veranstaltung der Rechtspopulisten. Diese stand unter dem Motto "Fall der Mauer am 9. November - mit friedlichen Spaziergängen die Politik gestalten, damals wie heute".

Am Rande der Veranstaltung gab es wiederholte Rangeleien zwischen Polizeibeamten und Gegendemonstranten, aber auch zwischen Einsatzkräften und Anhängern von Pegida, die offensichtlich versuchten, die Gegendemonstranten zu provozieren. Rund 400 Polizeibeamte waren im Einsatz. Lediglich vier Menschen wurden festgenommen. Nach Polizeiangaben wird gegen sie unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen und wegen Körperverletzung ermittelt.

Polizei: Schlagen keine Bresche

Gegendemonstranten verhindern den Pegida-Marsch auf der Leopoldstraße.

Die Polizei hatte frühzeitig erklärt, dass sie unter keinen Umständen eine Bresche in die Menge schlagen werde, um den Pegida-Anhängern den Zug zu ermöglichen. Dies hätte, so Beobachter, mit Sicherheit zu größeren Auseinandersetzungen geführt. Daraufhin verzichtete Pegida auf den "Spaziergang" zum Siegestor und brach die Kundgebung vorzeitig gegen 20.30 Uhr ab.

Entschlossener Oberbürgermeister

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte auf der Gegenkundgebung am Odeonsplatz, München werde sich immer wieder "den Hasspredigern, den Ewiggestrigen und den menschenverachtenden Scharfmachern mit aller Macht entgegenstellen".

Gegendemonstranten am Ende der Ludwigstraße vorm Siegestor

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte am Abend eine Beschwerde der Stadt gegen den Pegida-Aufmarsch als unbegründet verworfen und damit eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts vom Vormittag bestätigt. Zur Begründung hieß es seitens des VGH, die öffentliche Präsenz einer bestimmten Gruppierung am 9. November verleihe für sich genommen ihrer Versammlung "noch keine eindeutige Stoßrichtung gegen das Gedenken, dem dieser Tag gewidmet ist".

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, erklärte, ihr sei "unbegreiflich", dass Pegida sich am Jahrestag der Pogromnacht in München versammeln dürfe.

"Seit Wochen besetzen die braunen Brandstifter sensible historische Orte, um widerliche Thesen zu proklamieren."

Charlotte Knobloch

VGH: Münchner Freiheit kein Ort mit eindeutiger NS-Symbolkraft

"Münchner Freiheit" ebenfalls geschichtsträchtig

Der Name des Platzes "Münchner Freiheit" an der Leopoldstraße in Schwabing erinnert an die Widerstandsgruppe "Freiheitsaktion Bayern". Im April 1945 hatte sie zur Kapitulation und zum bewaffneten Aufstand gegen die verbliebenen NS-Einheiten aufgerufen.

Der Spruch des Verwaltungsgerichts München vom Mittag, der die Pegida-Demo an der Münchner Freiheit zugelassen hatte, hatte Wilfried Blume-Beyerle, den Chef des Münchner Kreisverwaltungsreferats (KVR), enttäuscht, aber nicht überrascht. Blume-Beyerle hatte gehofft, dass das Gericht das Verbot der Stadt bestätigt. Aus Sicht des Gerichts handelt es sich bei der Münchner Freiheit aber nicht um einen Ort mit "eindeutig an die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft erinnernden Sinngehalt mit gewichtiger Symbolkraft".

Der KVR-Chef war dennoch zufrieden, dass das Verwaltungsgericht eine beinahe 30-seitige Begründung geschickt hatte:

"Ich hab ja mehrfach an die Gerichte appelliert, auch ernst zu nehmen, was wir in unserem ausführlichen Bescheid an Argumenten bringen. Das ist offensichtlich der Fall. Man hat sich damit auseinandergesetzt. Also, wir haben schon einen Fortschritt zu verzeichnen."

Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle im BR

München gedenkt der Opfer der Pogromnacht

Steine statt Blumen: Gedenken an die ermordeten Juden.

München hat am Abend des 9. November an die Opfer der Reichspogromnacht vor 77 Jahren erinnert. Bei der Gedenkveranstaltung im Alten Rathaus zeigte sich die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, entsetzt über die Pegida-Demonstration in Schwabing.

Am Nachmittag hatten Schülerinnen und Schüler an die Münchner Juden, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und in der Folge der "Schutzhaftaktion" ihr Leben verloren haben, erinnert. Etwa 1.000 Männer wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt, wo einige von ihnen starben, andere nahmen sich selbst das Leben.

Am Gedenkstein der ehemaligen Münchner Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße verlasen die Schüler die Lebens- und Leidensgeschichten der Opfer sowie ihrer Angehörigen. Vom Münchner Alten Rathaus aus hatte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels am Abend des 9. November 1938 NS-Schlägertrupps zu den blutigen Angriffen auf Juden aufgehetzt, die der Auftakt zum Holocaust waren. Überall in Deutschland brannten in dieser Nacht Synagogen, jüdische Geschäfte wurden geplündert und verwüstet.

Sendungsinfo

  • zur Sendungshomepage Stadtnachrichten aus München Montag bis Freitag von 6.00 bis 18.00 Uhr, alle 30 Minuten, Bayern 1

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