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"Asylabwehr" auf Faschingsumzug Entschuldigung für Panzer-Wagen

Die Bilder verbreiteten sich rasend schnell im Netz. Entsprechend laut war der Aufschrei um den "Papp-Panzer" aus dem oberbayerischen Reichertshausen im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm. Nun die Entschuldigung für die Aufschrift "Ilmtaler Asylabwehr".

Von: Susanne Pfaller und Max Muth

Stand: 08.02.2016

"Ich würde es nicht noch einmal tun", sagte Zugleiter Konrad Moll vom "Oberilmtaler Carneval-Verein" (OCV) am Montag. Bei dem Umzug am Sonntagnachmittag war ein als Panzer dekorierter Wagen mit den Aufschriften "Ilmtaler Asylabwehr" und "Asylpaket III" sowie einem schwarzen Kreuz zu sehen, das an das Balkenkreuz der Wehrmacht erinnert.

Am Montagmorgen hat die Staatsanwaltschaft Ingolstadt bekannt gegeben, dass sie prüft, inwieweit der Fall strafrechtlich relevant ist. Falls ja, werde ermittelt. Mehr könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. "Wir sind noch ganz, ganz am Anfang", so ein Sprecher auf BR-Anfrage. Die Polizei hatte Fotos des Papp-Panzers übergeben.

"Die Panzerfahrer haben keinen rechtsradikalen Hintergrund"

Beim Oberilmtaler Carnevalsverein geben sich alle betroffen. Gleich mehrere Anzeigen wegen Volksverhetzung hat der Verein am Hals. Der Organisator des Faschingsumzugs Konrad Moll spricht von einer unglaublichen, bedauernswerten Gedankenlosigkeit unter Zeitdruck.

"Ich hab' die Schriften auf dem Panzer gar nicht richtig wahrgenommen. Ich hatte nicht die Zeit, um den rumzugehen und jede Schrift zu lesen. Wenn ich das jetzt so sehe, dann würde ich sagen: Die dürfen nicht mitfahren, auch im Interesse von den Jungs, weil die selber das nicht so überissen haben. Die Panzerfahrer haben keinen rechtsradikalen Hintergrund, ich kenn'die von klein auf, und der Verein von Haus aus nicht. Im Verein sind Mädel dabei aus allen Nationen. Die tanzen auch in der Kindergarde mit. Das sollte man sich auf der Homepage mal anschauen."

Konrad Moll, Organisator des Umzugs

Keine Zeit für einen zweiten Blick

Die Zeit, einen zweiten Blick auf den Panzer zu werfen, nahm sich der Organisator auch nicht, als die Polizei Zweifel an dem Asyl-Panzer anmeldete.

"Die Polizei hat mit mir kurz über den Fall geredet. Da sag ich: Was machen wir, lassen wir sie mit fahren, ich kenn die. Dann sagt er kurz: O.K.. Wir haben den Fall kurz beredet, aber wir hatten keine Zeit, uns ewig zu unterhalten oder um den Wagen rumzugehen. Das haben wir leider nicht gemacht."

Konrad Moll, Organisator des Umzugs

Und auch die Polizeibeamten hatten so ihre Zweifel, was zu tun ist mit dem Panzer. Letztendlich haben auch sie ihn nicht aus dem Verkehr ziehen wollen, berichtet Ulrich Pöpsel von der Polizei in Pfaffenhofen.

"Die Kollegen haben diesen Wagen gesehen und haben das ganze rechtlich geprüft und sind nicht zu einer derartigen Schwere der Straftat gekommen, dass man sofortige Maßnahmen hätte treffen können. Es ist immer noch die Verhältnismäßigkeit anzuwenden und wenn man sich nicht zu 1000 Prozent sicher ist, dass hier eine Startftat begannen wird und man daher sofort handeln muss, dann gilt die Verhältnismäßigkeit, das ganze zu sichern und mit der Staatsanwaltschaft abzuklären. Das passiert jetzt."

Ulrich Pöpsel von der Polizei in Pfaffenhofen

Sicher in seiner Einschätzung war nur Comedian und SPD-Kreisrat Florian Simbeck. Der sah die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten, machte Fotos vom Panzer und stellte sie ins Netz.

Simbeck: "Wie kann man so etwas billigen?"

Der Komiker Florian Simbeck ("Erkan und Stefan"), der für die SPD im Kreistag von Pfaffenhofen an der Ilm sitzt, hatte nach dem Umzug Fotos des Wagens auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Simbeck kritisiert die Veranstalter des Umzugs in dem Posting scharf:

"Als Veranstalter sollte der OCV Steinkirchen eigentlich ein Auge über die angemeldeten Fahrzeuge haben. Wie kann man so etwas billigen?"

Komiker Florian Simbeck

Auf der Seite des Vereins OCV Steinkirchen, der den Umzug organisiert hatte, hagelte es nach Simbecks Worten scharfe Kritik. Der Verein betonte, es gebe keine rechtsradikalen Tendenzen unter den Mitgliedern.

Auch Flüchtlinge seien integriert worden und beim Umzug mitgelaufen. Zum Faschingsumzug waren nach Polizeiangaben rund 500 Menschen gekommen.

Panzer seit Jahren beim Faschingsumzug dabei

Der Vorsitzende des OCV, Tobias Winkelmeier, sagte dem Bayerischen Rundfunks, der Panzer fahre seit mehreren Jahren bei dem Faschingsumzug mit. Bisher habe es deswegen noch nie Beschwerden gegeben.

"Unser Verein ist weder rechtsradikal noch sonst was. Die Polizei hat den Wagen vorher abgenommen und gesagt, da sei nichts rechtsradikal. Morgen besprechen wir uns mit unserem Anwalt und geben eine offizielle Stellungnahme ab."

Tobias Winkelmeier, Vorsitzender des Oberilmtaler Carnevalvereins

Die Polizei sagt, dass sie den Wagen trotz des Anfangsverdachts der Volksverhetzung nicht angehalten hat, weil die Kunstfreiheit bei Faschingsumzügen auch immer eine Rolle spiele. Die Polizisten machten Fotos, die der Staatsanwaltschaft Ingolstadt für weitere Ermittlungen übergeben wurden.


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