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Unfälle vermeiden Online-Befragung zum Schlauchbootfahren auf der Isar

Gehört das Fahren mit einem Schlauchboot auf der Isar bald der Vergangenheit an? Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen will in seinem Bereich Regeln für die Zukunft erlassen. Welche das sein sollen, können die Bürger online mitentscheiden.

Von: Martin Breitkopf

Stand: 12.09.2017

Eine Rafting-Gruppe startet am Isarstrand von Lenggries eine Tour mit dem Schlauchboot isarabwärts Richtung München (Archivfoto). | Bild: picture-alliance/dpa/M. C. Hurek

Seit gut zwei Wochen läuft die Umfrage über die Zukunft der Isar und der Bootsfahrer. Rund 1.500 Bürger haben sich bisher beteiligt. Der Fragebogen auf der Homepage des Landratsamts vermittelt eine Idee davon, was alles denkbar ist: kein Befahren bei Hochwasser, während der Brutzeit oder der Laichzeit; Befahren nur mit strömungsfähigen Booten (also ein Verbot von Billigschlauchbooten vom Discounter) oder ein absolutes Alkoholverbot für Bootsfahrer.

Insgesamt 17 Fragen können die Umfrage-Teilnehmer jeweils mit "Ja", "Nein" oder "Weiß nicht" bewerten sowie Anmerkungen dazu eintragen. Landrat Josef Niedermaier hofft vor allem auf die Teilnahme der schweigenden Mehrheit. Er möchte damit ergründen, wie sie sich ihre Isar in der Zukunft vorstellen. Die oft lautstarke Meinung von gewerblichen Raftinganbietern, Vertretern des Naturschutzes oder der Rettungsorganisationen kenne er nur zu gut:

"Der tägliche Spaziergänger an der Isar – was sagt denn der? Das wollen wir hören. Nicht nur die Gruppen, die sich sowieso lautstark äußern."

Landrat Niedermaier

Retter riskieren ihr Leben

Landrat Josef Niedermaier in seinem Amtszimmer

Die Entscheidung sei komplett offen, sagt der Landrat und ahnt bereits, dass nicht allen die neue Regelung recht sein werde. Jedoch sei auch klar, dass es unbedingt eine Nutzungsverordnung geben müsse. Warnungen hatten in der Vergangenheit keinen Erfolg gezeigt. Immer wieder kam es zu Unfällen, und die ehrenamtlichen Retter mussten zum Teil ihr Leben bei der Einsätzen riskieren.

Die Wasserretter verzeichnen seit Jahren eine steigende Anzahl von Einsätzen an der Isar. Verursacher seien meist sogenannte Freizeitkapitäne, die schlecht ausgerüstet und oft auch alkoholisiert auf der Isar unterwegs seien, bilanziert Florian Bürding, Vorsitzender der Kreiswasserwacht im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Dagegen verursachten gewerbliche Raftinganbieter oder Kanusportler so gut wie nie Probleme. Bürding lobt ihre vorbildliche Ausrüstung mit Schwimmwesten, Helmen und professionellen Booten. Diesen Standard würde er sich auch bei Freizeitkapitänen wünschen. Bürding spricht sich trotzdem eindeutig gegen ein komplettes Fahrverbot aus.

"Die Probleme mit den Schlauchbootfahrern sehe ich schon auch. Auch die Menge mit den Booten, auch wie die ausgerüstet sind, da kannst gar nicht hinschauen. Dann auch mit den Beibooten und Biertrageln. Dann haben sie die schlechten Paddel, die brechen. Und das Biertragel verhält sich wie ein Treibanker. Wenn Du da einen Baum ausweichen willst, schaut es schlecht aus – nur wegen so einem Biertragel."

Christoph Waldecker vom Bayerischen Kanuverband

Profi wünscht sich "Isarpolizei"

Viele der professionellen Raftinganbieter haben sich vor Jahren strenge Regeln auf der Isar auferlegt. So bestätigt Martin Held vom Raftinganbieter Montevia dem BR, dass alle Teilnehmer immer Schwimmweste tragen, ein generelles Alkoholverbot gelte und die Guides regelmäßig geschult werden. Seit Jahren werden keine geschützte Bereiche mehr angefahren und Müll werde mitgenommen.

Für Held scheitert es nicht an Regeln, sondern an der Kontrolle. Er wünscht sich eine Art "Isarpolizei" und würde sich mit seinem Unternehmen auch an den Kosten beteiligen. Schließlich sei der Fluss auch seine Zukunft.

Bis zum 16. Oktober hat jede(r) noch die Chance, sich seine Isar zu wünschen. Die spannende Frage ist: Was davon wird umgesetzt?


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Josef, Mittwoch, 13.September, 14:10 Uhr

4. Spaß-Gesellschaft

Die vertreibt auf langer Sicht die Touristen, es sollten nur noch von gewerblichen Anbietern solch Fahrten betrieben werden und diese müssen strengenst unter Einhaltung eines Fahrverbots der Brutzeiten der Vögel und Laichzeit der Fische kontrolliert werden. Ansonsten verlieren sie ihre IsarLizens. Alles andere hat in einem solchen Gebiet nichts zu suchen, besaufen können sie sich auch zu Hause. Stark Alkoholisierte sollte die Mitfahrt untersagt werden, da sie eine Gefahr für die Allgemeinheit sind.
Ab und Anlegen sollte nur an ausgewisenen Stellen möglich sein!

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 14.September, 15:16 Uhr

    Geht's noch? Freier Zugang zur Natur,so stehts in der bayrischen Verfassung,basta. Flöße mit 50 besoffenen Preussen und schlechter Blasmusik sind O. K. und der Kajakfahrer nicht?

  • Antwort von Josef, Donnerstag, 14.September, 16:28 Uhr

    Art. 141
    ..............die heimischen Tier- und Pflanzenarten und ihre notwendigen Lebensräume sowie kennzeichnende Orts- und Landschaftsbilder zu schonen und zu erhalten...................jedermann verpflichtet, mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen.

    und was haben so Sauftouren mit Erholung zu tun, das sind Störenfriede für Natur und Erholer!

Francesco, Mittwoch, 13.September, 11:11 Uhr

3. Grundsätzlich verbieten.... !!

Die Eskapaden der Spaß-Gesellschaft werden immer schlimmer. Leider erfolgen die meisten Fun-Fahrten absolut ohne Erfahrung und auch ohne Hirn. Retten läßt man sich dann logischerweise von den Rettungsdiensten zu Lasten der Steuerzahler. Günstigstenfalls beschimpft man die Retter nicht und behindert / bespuckt sie nicht. Deshalb soll das Befahren der Isar ausschließlich auf die Profis (Flößer) beschränkt werden. Evtl. noch ganz wenige, klar definierte Sondergenehmigungen, und Schluss. Wer glaubt, das gilt für ihn nicht, muss hart bestraft werden ! Wir müssen dringend wieder von der Lebensweise / Einstellung "persönlicher Spaß zu Lasten der Gesellschaft" weg kommen....

Wolfgang, Mittwoch, 13.September, 08:32 Uhr

2. Bootsfahren auf Flüssen ist nichts für Unwissende.

Also gehört dazu eine Ausbildung, die muß nicht staatlich sein. Segler- ode rder Deutsche Kanuverband machten das schon vor 50 Jahren Verbandsintern.

Un diese ( privaten ) Segelscheine waren eine rechtlich anerkannte Vorraussetzung um auf etlichen Gewässern ein Boot führen zu dürfen.

Und an die Isarflöße gefragt, muß es nur aus Tradition ein Floß sein? Eine enorme Holzmasse die dann wieder mit dem LKW vonde rLände zurücktransportiert werden muß.

Wenn man "Tradtion" vergißt, wäre von der Fahr- und Lenkbarkeit her daß auch mit Pontons oder großen Zillen sicher machbar? Ggf. verstärkter Boden und Seitenwände für die Rutschen? Doppelboden mit selbstlenzender Pllcht?

Werner Josef, Dienstag, 12.September, 18:17 Uhr

1. Isar

Es sind jetzt genügend Flösser unterwegs. Luftmatratzen und einfach Gummiboote mit angehängten Biertragerln sind nicht angemessen und Bruchglas sehr gefährlich für normale Schwimmer. Das gewerbliche Rafting sollte auch eingedämmt sein wie die Anzahl der Flösser. Vor allen Dingen sollten große Gruppenansammlungen nicht erlaubt werden. Denn von diesen geht erheblicher Lärm aus und auch mit Müllablagerungen im Wasser und Uferbereich. Wenn man sieht wieviel Müll(Plastikflaschen) auf dem Wasser treibt hat das mit der sauberen Isar+Kanal nicht mehr viel gemein.