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"O'zapft is!" Friedlicher und ruhiger Oktoberfestauftakt

Um 12 Uhr hat Oberbürgermeister Dieter Reiter das 184. Oktoberfest eröffnet. Bis jetzt spricht die Polizei von einem friedlichen Verlauf. Auch auf der Wiesn-Sanitätsstation ist der Tag relativ ruhig verlaufen.

Von: Birgit Grundner, Christoph Dicke

Stand: 16.09.2017

Die Polizei hat bis zum Abend keine besonderen Einsätze gemeldet – nur "alkoholbedingte Streitereien", wie es heißt. Routine auch der Tag in der Sanitätsstation –  Unwohlsein und Atembeschwerden waren zu behandeln, Platzwunden zu versorgen und die ersten "Bierleichen". Insgesamt werden am ersten Wiesn-Wochenende 500.000 Besucher erwartet.

Zwei Schläge und dann war die Wiesn eröffnet

In Lederhosn, roter Weste und grüner Schürze hat Oberbürgermeister Dieter Reiter um Punkt 12 Uhr das erste Fass Wiesn-Bier angezapft. Nur zweimal hat er den Holzschlegel geschwungen, dann strömte das Bier in den Maßkrug. Mit dem Ausruf "O'zapft is!" galt die Wiesn dann offiziell als eröffnet.

Die erste Maß bekam der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, so ist es Tradition. Seitdem wird in allen Festzelten und gastronomischen Betrieben ausgeschenkt, die Fahrgeschäfte drehen ihre Runden. Vermutlich wegen des schlechten Wetters ist das Oktoberfest in diesem Jahr ruhiger angelaufen als in den zurückliegenden Jahren mit sonnigem Wetter. Die Polizei meldet bisher keine nennenswerten Einsätze - nur "alkoholbedingte Streitereien". Insgesamt werden am ersten Wiesn-Wochenende 500.000 Besucher erwartet.

"Eine friedliche Wiesn ist mit Abstand das Wichtigste: Ich möchte, dass alle Besucher glücklich, zufrieden und gesund wieder heimgehen. Das Schlimmste, was passieren darf, ist, dass man am nächsten Tag Kopfweh hat!"

Dieter Reiter, Münchner Oberbürgermeister

Mit Musik und Münchner Kindl

Vor dem Anstich waren die Wiesnwirte mit ihren festlich geschmückten Wagen zum Festgelände gefahren. Begleitet wurden sie von Musikkapellen. Den Zug führte hoch zu Ross das Münchner Kindl an. Dahinter folgte traditionsgemäß Oberbürgermeister Dieter Reiter in seinem Wagen.

Ansturm der Besucher

Um Punkt 9.00 Uhr waren die ersten Besucher auf die Theresienwiese gestürmt - im Laufschritt, man will schließlich einen möglichst guten Platz in einem der Bierzelte ergattern. Das erste Bier gab es aber dann erst ab Mittag für die sehnsüchtig wartenden Besucher. Wie üblich beim Auftakt waren wieder alle Zelte vollbesetzt.

Willkommen zur Wiesn

Wiesnpreise steigen erneut deutlich über Inflation

Bereit für die Massen: die frisch renovierte Ochsenbraterei.

Bei so manchem Besucher dämpfen allerdings die Preise die Freude auf dem Festgelände an der Bavaria: Eine Steigerung von durchschnittlich 3,1 Prozent hat der Chefvolkswirt der italienischen Bank Unicredit für heuer ermittelt – deutlich über der allgemeinen Preisentwicklung. Aber das hat auf der Wiesn ja Tradition. Eine Bierpreisbremse war im Münchner Stadtrat gescheitert. 2016 war die Wiesn-Inflation sogar auf 3,5 Prozent geklettert. Der Preis für die Maß liegt heuer zwischen 10,60 und 10,95 Euro.

Bierkonsum 2016 erstmals rückläufig

Geht deshalb der Bierkonsum zurück? Laut Unicredit-Analyse ist der Pro-Kopf-Konsum von 1985 bis 2015 kontinuierlich von rund 0,9 Litern auf einen Spitzenwert von 1,3 Litern gestiegen. Vergangenes Jahr aber waren es durchschnittlich nur noch 1,18 Liter pro Mann beziehungsweise Frau.

Die Besucherzahlen waren 2016 mit 5,6 Millionen fast so niedrig wie 2001 – unmittelbar nach den Anschlägen in den USA. Der Höchstwert seither wurde 2011 mit 6,9 Millionen Besuchern erreicht – bei 17 Tagen Dauer. Von diesen Werten träumt man bei der Stadt.

Mehr Sammelstellen für Taschen und Rucksäcke

Immerhin ist aufgrund gestiegener Sicherheitsanforderungen die Zahl der Sammelstellen für Rucksäcke und Taschen erhöht worden. Alles, was größer ist als drei Liter Fassungsvermögen, darf nicht mit aufs Fest. Kinderwägen allerdings auch nicht – und zwar an allen Samstagen und am Einheitsfeiertag (3. Oktober).

Mehr Sicherheit: Lieferverkehr nur außerhalb der Öffnungszeiten

Der Lieferverkehr auf der Theresienwiese ist aus Sicherheitsgründen nun erstmals vom Besucherverkehr getrennt: Bisher durften die Liefer- und Lastwagen bis 10 Uhr aufs Festgelände, Einlass für die Besucher war aber schon ab 8 Uhr. Nun müssen sich die Gäste eine Stunde länger gedulden: Erst um 9 Uhr wird das Oktoberfest öffnen. Da müssen die Lieferanten definitiv wieder weg sein. Neu ist auch: Alle Fahrer und Beifahrer mussten sich überprüfen und registrieren lassen.

Und noch etwas dürfte dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis der Festbesucher entsprechen: Im Notfall kann die Polizei per zentraler Lautsprecheranlage sogar in jedem Festzelt einzeln Durchsagen machen. Bestehen bleiben der Zaun ums gesamte Gelände, abschnittsweise ein flexibler Maschendrahtzaun, und die hochfahrbaren Poller gegen Fahrzeuge an den kontrollierten Eingängen. Mehr Einsatzkräfte, mehr Überwachungskameras und mehr Taschenkontrollen tun ihr Übriges.

Oide Wiesn mit neuem Volkssänger-Zelt

Da kein Zentral-Landwirtschaftsfest stattfindet, kann die Oide Wiesn nun zum sechsten Mal ihre Tore öffnen. Diese historische Wiesn ist für alle, denen der Rummel auf der normalen Wiesn zu groß und zu laut ist. Neu dabei: das "Original Münchner Volkssängerzelt – Zur Schönheitskönigin". Hier soll die Wirtshauskultur der satirisch-bissigen Volkssänger(innen) neu belebt werden.

Karusselltürme jetzt noch höher

70 Meter hoch: Wenig später hängen die Karussellsitze schräg in der Luft.

Im Gegensatz dazu das lärmende, tosende "Schneller, höher, weiter!" vieler Schausteller auf der großen Wiesn: Beim "XXL Raver" fällt man kopfüber sogar aus 55 Metern Höhe in die Tiefe – an einem langen Greifarm, der einen kräftig durchschüttelt. Nichts für volle Mägen.

Im "Jules Vernes Tower" dreht sich ein Kettenflieger sogar auf 70 Metern Höhe – in der Schräglage gar 65 Stundenkilometer schnell. Neu ist auch der "Drifting Coaster": Hier sitzt man in den Gondeln einer Achterbahn, die allerdings in jeder Kurve ausschwenken, sodass man wirklich den Boden unter den Füßen verliert.

Erstmals App zum bargeld- und kartenlosen Zahlen

Der neue XXL-Raver - Höhenrausch mit Durchschütteln

Ach ja, ganz neu ist die kostenlose Bezahl-App: Sie macht sogar Plastikgeld überflüssig, weil das Besucher-Smartphone und das Kellner-Smartphone per Barcode-Scanner alles unter sich ausmachen. In der App müssen nur die Bankdaten nebst Einzugsermächtigung gespeichert werden. Sogar das Trinkgeld lässt sich per Tastendruck aus vorgefertigten Buttons auswählen – mit 0,10,15 und 20 Prozent. Dann den Endpreis bestätigen – fertig. Für alle, die schon lange gewusst haben, dass das Smartphone eines Tages die Kontrolle über uns gewinnt ...

Auf zum Trachten- und Festzug

Traditionell marschieren und traben am ersten Wiesn-Sonntag Tausende Trachtler, Schützen, Musikgruppen und Brauereigespanne von der Maximiliansstraße durch die Innenstadt zur Theresienwiese. Um 10 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Vorneweg reitet stets das Münchner Kindl. Die Prominenz fährt in der Kutsche. Gut, wer auf Papas Schultern sitzen und den Zug von oben anschauen kann.

Na dann: Auf eine friedliche Wiesn!

So war der erste Wiesn-Samstag


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RainerSchneider, Montag, 18.September, 14:11 Uhr

22. Leitkultur

Bei all den Bildern mit Lederhosen, Dirndln und öffentlichem Betrinken möchte ich schon auf den Unterschied zwischen regionalem Brauchtum und der deutschen Leitkultur hinweisen, die aus Attributen wie Fleiß, Weltoffenheit und Zurückhaltung besteht.

Günter Lang, Montag, 18.September, 13:10 Uhr

21. Trachten Festzug

Bin ständiger Hörer von Bayern 1 und BRHeimat und sehr zufrieden. Aber was hier bei der Übertragung des Festzuges an Nebenreportagen über Pferde usw.
verhindert hat, das man verschiedene große Gruppen nicht oder nur teilweise sehen konnte, das ist nicht in Ordnung. Mir tun z.B. der Gebirgtrachtenerhaltungs
Verein Neuschwansteiner Füssen u. andere leid, die nicht ihrer Bedeutung nach zu sehen waren und kommentiert wurden. Wen von den "normalen Zuschauern"
hat schon ein Intersse an Info über Haflinger. Verändern sie das bitte im nächsten Jahr. Ansonsten war ich mit den Kommentaren von Frau Rehm und Partner sehr
Zufrieden.

Peter Kunde, Sonntag, 17.September, 14:49 Uhr

20. Geiz ist geil !

Ich werde - verteilt auf die Wies'nwoch'n - meine 37 Dosen Bier (10,80 ohne Trinkgeld) nach und nach genussvoll einnehmen und mich über die dabei herrschende Gemütlichkeit freuen.

Klaus, Sonntag, 17.September, 11:51 Uhr

19. Ist das etwas Besonderes?

Wieso lautet die Überschrift "Friedlicher Oktoberfestauftakt"? Wann war der Oktoberfestauftakt denn jemals unfriedlich, dass man meint, die Friedlichkeit jetzt derart betonen zu müssen?

Josef Rödl, Samstag, 16.September, 21:11 Uhr

18. Kommerz unter Polizeischutz

Eine eingezäunte Wies'n unter höchstem Polizeischutz ist für mich der Gipfel unserer heutigen Degeneration der Gesellschaft. Die Wies'n-Besucher mögen zwar diesen Zusammenhang niemals erkennen und die Schuld nur bei den Terroristen und Amokläufern suchen, aber jede Übertreibung zieht auch Kriminelle an. Das ist keine Entschuldigung für Kriminelle aber die meisten unschuldigen sog. "Zünftigen und Traditionellen" haben sich auch längst von einer "normalen Welt" verabschiedet.

Schade für die echten Bayern, denen schon seit vielen Jahren ihre Wies'n von immer mehr Preußen und Ausländern gestohlen und zu dem gemacht wurde, was sie heute ist - Kommerz unter Polizeischutz.

  • Antwort von Hubert B, Sonntag, 17.September, 08:29 Uhr

    Werter Josef! Dann sei auch angemerkt, dass man als Bayer Wiesn nicht mit Apostroph schreibt.