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Luftbelastung in Bayern Wie umweltfreundlich ist der öffentliche Nahverkehr?

Feinstaub und Stickoxide belasten die Luft in bayerischen Großstädten. Trotzdem sind die Stadtverwaltungen nicht alle Vorbild, wenn es darum geht, Luft sauber zu halten. Gerade im Öffentlichen Personennahverkehr ist das Verhältnis von Dieselfahrzeugen zu umweltfreundlichen Verkehrsmitteln vielerorts unausgewogen.

Von: Susanne Alt

Stand: 09.07.2017

Silberne Busse der Stadtwerke Augsburg mit Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet | Bild: Stadtwerke Augsburg

In München sind im Öffentlichen Personennahverkehr aktuell 500 Stadtbusse im Einsatz. Bis auf zwei Fahrzeuge fahren sie mit Dieselantrieb und produzieren gesundheitsgefährdende Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen. Deshalb plant die Stadt, ihre Busflotte künftig auf Elektro-Fahrzeuge umzustellen. Seit dem 1. Juli testet die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) den E-Bus auf den Straßen. Bis Ende 2019 soll die erste Bus-Linie eingerichtet sein, die komplett elektrisch unterwegs ist.

Auszeichnung für Augsburg

Augsburg dagegen kann beispielhafte Grenzwerte vorweisen.

Schon seit Längerem setzt die Stadt ausschließlich auf Bio-Erdgas-Busse, insgesamt 90 an der Zahl, die sich positiv auf die Umwelt auswirken.

Die Messungen liegen im erlaubten Bereich oder sogar unterhalb der Euro 6-Norm, wofür die Augsburger Stadtwerke schon mehrfach bundesweit ausgezeichnet wurden.

"Wir sind CO2-neutral unterwegs und von der ökologischen Seite her ist ganz klar der Vorteil auf der Hand liegend: wir haben wesentlich weniger Stickoxide, die wir ausstoßen und Feinstaub ist überhaupt kein Thema. Ich denke unser Antriebskonzept ist für die nächsten zehn Jahre das perfekte."

Geschäftsführer Walter Casazza

Zahlen müssen die Umstellung die Kommunen

So vorbildlich wie in Augsburg ist die Luftqualität in Nürnberg noch nicht. Von insgesamt 173 Stadtbussen sind 90, also mehr als jeder zweite dieselbetrieben, der Rest fährt immerhin mit Erdgas. Zwei Drittel der Busse entsprechen zwar der Euro 5-Norm, doch es fehlen Elektro- und Hybridbusse, fordert der Bund-Naturschutz-Landesbeauftragte Richard Mergner.

"Der öffentliche Verkehr muss in Nürnberg massiv ausgebaut werden. Es kann nicht sein, dass man die Straßen rund um Nürnberg und durch Nürnberg hindurch ausbaut und sich dann wundert, wenn man hohe Schadstoffwerte hat. Der ÖPNV muss vorankommen und dann mit einer sauberen Flotte, die perspektivisch die Straßenbahn fördert, weil die ist mit erneuerbarer Energie betrieben und bei den Bussen darf hinten keine schlechte Luft rauskommen."

Bund-Naturschutz-Landesbeauftragte Richard Mergner

Dass Betriebe des ÖPNV in umweltfreundliche Fahrzeuge investieren, ist mit Blick auf Klima und Gesundheit unumgänglich. Doch dazu, diese Entwicklungen voranzutreiben, sind die Verkehrsunternehmen alleine nicht in der Lage, sagt eine Sprecherin der VAG Nürnberg. Bund und Länder müssten beispielsweise Elektrobusse stärker fördern.


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Zweifler, Montag, 10.Juli, 11:14 Uhr

9. Was soll das?

Was soll diese negative Tendenz? Ist es besser, wenn die Leute aufs Auto umsteigen? Ist beim BR mal jemand auf die Idee gekommen, die Umweltbelastung pro beförderter Person zwischen Öffentlichem Nahverkehr und Autoverkehr zu vergleichen (und zwar im Tages- bzw. Wochendurchschnitt)?

Wolfgang, Sonntag, 09.Juli, 23:12 Uhr

8. Umweltfragen?

Weniger Arbeiten, Umziehen in Arbeitsnähe, Privat-PKW abschaffen, zumindestens die Notwendigkeit jeder Nutzung privat wegorganisieren

  • Antwort von Klosterschüler, Montag, 10.Juli, 12:58 Uhr

    Umziehen in Arbeitsnähe?
    Wie soll das gehen, wenn Ehepartner zum Beispiel in zwei völlig verschiedene Richtungen pendeln müssen um einen qualifizierten Arbeitsplatz zu erhalten?

    Pauschale Vorschläge bringen da gar nichts. Ein besserer und dichtere Takt im ÖPNV und eine wesentliche Erhöhung der Zuverlässigkeit brächte mehr Menschen von der Straße in Busse und vor allem Bahnen, denn kaum ein Mensch stellt sich gerne Tag für Tag mit dem Auto in eine lange Schlange und vergeudet dabei viel Zeit.

Selim, Sonntag, 09.Juli, 18:55 Uhr

7. Rechnen

Muss man alles auf den einzelnen Fahrgast umrechnen.
Wie groß ist der Anteil der Dieselstinker am Autoverkehr?
Diesen Anteil von den Fahrgästen des öffentlichen Verkehrs nehmen und vom "Individual-Diesel-Verkehr" abziehen.
Dann die Umweltkosten für Neufahrzeuge ausrechnen und in die Berechnung mit hinein nehmen.
Alles andere ist blos Rumgequatsche!

Nürnberger, Sonntag, 09.Juli, 12:58 Uhr

6. grüne Mode

E-Fahrzeuge sind derzeit eben "in". Man fragt sich nur, woher all der Strom kommen soll, wenn wirklich mal der größte Teil der Straßenfahrzeuge, Züge sowieso mit Strom fahren. So viele Solaranlagen und Windräder können gar nicht aufgestellt werden (was ist da eigentlich mit dem Landschaftsschutz). Jetzt ist es ja schon toll, dass ein Großteil der Züge "umweltfreundlich" mit Strom fährt, das beruhigt die Gemüter. Dass ein Großteil des Bahnstroms aus Verbrennungskraftwerken kommt, aber auch Atomstrom dabei ist, darüber spricht man lieber nicht. Hauptsache, ein E-Motor ist eingebaut und ein grüner Aufkleber ist irgendwo angebracht

Martin S. , Sonntag, 09.Juli, 11:10 Uhr

5. Der kleine Mann

DAS ist genau das, was ich vor ein paar Wochen bereits geschrieben habe: Den kleinen Mann will man mit Steuererhöhungen, Spritpreiserhöhungen und sogar dem Verbot, seinen Diesel weiter zu fahren, drangsalieren und entmündigen, aber um die städtischen "Stinker" (oder noch weitaus größere Emissionsverursacher) kümmert man sich gar nicht oder wenn viel zu langsam.

Genau so ein Verhalten ist es, was den wachsenden Unmut in der Bevölkerung schürt: wenn's irgendwo ein Problem gibt, immer erst die Kleinen, die Steuerzahler, dafür in Haftung nehmen, die nichts dafür können und sich nicht wehren können, statt ganz oben bei den großen Ursachen anzufangen.

Das ist alles nicht mehr in Ordnung, weil sich diese Art der "Problemlösung" auf dem Rücken der Steuerzahler wie ein roter Faden durch die Politik zieht.