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Nationalpark in Oberbayern und Schwaben Proteste gegen neuen Nationalpark Donau-Auen

Lautstarker Protest und ungezählte Fragen zu einem möglichen Nationalpark Donau-Auen erwarteten am Abend Bayerns Umweltministerin in Weichering im Kreis Neuburg-Schrobenhausen. Ulrike Scharf hatte eingeladen, um das Projekt zu diskutieren.

Von: Susanne Pfaller und Matthias Lauer

Stand: 01.06.2017

Demo gegen den Nationalpark Donauauen | Bild: BR/Susanne Pfaller

Vor dem Tagungssaal hatten am Nachmittag 300 Gegnern des Nationalparks Donauauen demonstriert, vor allem Waldbesitzer, Forstwirte, Landwirte, Jäger und Fischer.

Im Saal eines Landgasthofs in Weichering diskutierte die Ministerin mit 150 Politiker und Verbands-Vertretern vom Landkreis Donau-Ries bis nach Ingolstadt. Die Flächen entlang der Donau wären - neben dem Spessart, der Rhön und dem Frankenwald - der dritte Nationalpark in Bayern.

Viel Skepsis - viele Fragen

Wie vermehrt sich der Biber in einem  Nationalpark Donauauen? Kann man ohne Insektizide der befürchteten Schnacken-Plage Herr werden? Darauf gab es keine klaren Antworten. Die größte Sorge wollte die Ministerin den Auwaldbauern aber nehmen – die vor Enteignung,

"Die Beschlusslage ist vollkommen klar: wir reden nicht von Privateigentum, wir reden nicht von Kommunalwald. Wir reden ausschließlich von Staatsflächen. Sie können sich darauf verlassen: Es wird niemand über landwirtschaftliche Flächen planen."

Umweltministerin Ulrike Scharf

Doch wie sollen die Donau-Auen ohne Enteignung auf das erforderliche Format anwachsen? 10 000 Hektar sieht das Gesetz für einen Nationalpark vor. Nicht einmal die Hälfte findet sich bei den Donau-Auen im staatlichen Besitz. Deshalb sucht die Ministerin händeringend nach Partnern. Grünes Licht kommt zwar vom Wittelsbacher Ausgleichsfond. Doch auch das dürfte noch lange nicht reichen. 

Diskussion steht erst am Anfang

Der Umfang eines möglichen Nationalparks Donau-Auen ist zum Beispiel noch völlig offen. Am intensivsten besprochen wurden bislang die ersten gut 30 Flusskilometer von Leitheim bei Donauwörth, wo der Lech in die Donau mündet, über Neuburg bis nach Ingolstadt.

Auf der Strecke reihen sich vier Staustufen aneinander. An jeder hängt ein Wasserkraftwerk. Bei Bertoldsheim und vor Ingolstadt ist die Donau zu großen Seen aufgestaut, die im Sommer tausende Erholungssuchende anziehen.

"Vom natürlichen Zustand ist die Donau hier weit entfernt."

Günther Krell, Bund Naturschutz Neuburg

Krell verweist darauf, dass ein "Nationalpark rund 30 Jahre Anlaufzeit braucht, etwa so viel wie die Staustufen noch Laufzeit haben". Nach Berechnungen des Bund Naturschutz umfasst der Raum von der Lechmündung bis Ingolstadt rund 3.300 Hektar. Wünschenswert wären laut Naturschützer Krell für einen Nationalpark rund 10.000 Hektar, weshalb er den möglichen Nationalpark Donau-Auen gerne auf Räume entlang der Donau bis Kelheim ausdehnen möchte.

Bevor eine Entscheidung über Zuschnitt und Größe eines Nationalparks fällt, vergehen noch viele Monate, denn es sind noch mehrere Verfahrensschritte zu gehen.


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Anna, Donnerstag, 01.Juni, 22:04 Uhr

4. Nationalpark

Ich selbst bin Tochter eines Bauern, mein Partner und Ich werden diesen Hof übernehmen und habe selbst demonstriert. Hauptgrund ist die Informationspolitik, die äußerst mangelhaft war! Vielleicht sollte man Menschen zu solch einem Projekt informieren bevor Ängste/ Wut/ Sorge entstehen? Die Befürchtungen der Eigentümer sind berechtigt! Seit Generationen wird in diese Forsten und Felder investiert und Borkenkäfer, Wildschwein und Co. machen nicht Halt an Nationalparkgrenzen. Sein Eigentum zu schützen und zu verteidigen steht jedem zu und dafür braucht sich niemand zu schämen. Naturschutz geht nur mit den Bauern und nicht gegen Sie! Denn was helfen lauter Inseln? Jeder einzelne Bürger und ja, auch jeder Bauer, ist gefragt! Mit Wählerstimme und Kaufkraft! Mit umweltgerechten Arbeitsmethoden! Es geht mir und meiner Familie um Transparenz und Ehrlichkeit. Und darum im Dialog zu bleiben, gerne auch auf diese Weise.Egal was kommt, unsere Arbeit werden wir weiterhin frohen Herzens verrichten!

Mustermann, Donnerstag, 01.Juni, 11:40 Uhr

3. Proteste gegen neuen Nationalpark

Sind die Bewohner dieses Landes wirklich so ignorant, die absolute Notwendigkeit zum Erhalt von Natur und Artenvielfalt nicht zu erkennen? Ist es euch wirklich egal, wie eure Kinder und Kindeskinder leben werden?

Steigerwald, Spessart und nun die Donau-Auen! Sind diese Gegenden so wohlhabend, dass die Chancen eines Nationalparks selbstgefällig?

Es ist eine Schande, wie gierig auf Kosten der nachfolgenden Generationen alles mit immer neuen Industriegebieten und den dazugehörigen Straßen zubetoniert, alles mit immer größeren Maismonokulturen, gigantischen Maschinen, Pestiziden und Unmengen von Gülle erstickt wird! Oberflächen- und Grundwasser stark belastet! Blumenwiesen, Feldraine und -hecken gibt es nicht mehr - Niederwild, Insektenvielfalt daher auch nicht mehr. Hat eigentlich schon mal jemand darauf geachtet, wie wenig noch auf den blühenden Bäumen, Büschen und Blumen summt und damit bestäubt?

Am Ende werden viele feststellen ,dass man Geld nicht essen kann! Weiter so!

  • Antwort von Fred, Donnerstag, 01.Juni, 17:30 Uhr

    Hierzu möchte ich darauf hinweisen, dass sich im Bereich der Donau-Auen weite Bereiche schon im Naturschutz befinden. (FFH, Natura 2000)
    Diese Programme sind bezüglich Naturschutz in der oberen Liga dessen, was europaweit gilt, angesiedelt.
    Und wer es noch nicht mitbekommen hat: Der 3. Nationalpark hat nur wenig mit Naturschutz zu tun!

Max, Donnerstag, 01.Juni, 09:44 Uhr

2. Natur!

viele ärmere Länder, auch dicht besiedelte, haben riesige Nationalparks. Man nimmt sogar Nachteile dafür in Kauf.
Bei uns gibt es schon gegen winzigste Stückchen Natur Widerstand.
Schämen sollen sich diese Leute!

Verfechter, Mittwoch, 31.Mai, 20:13 Uhr

1. Nationalpark

Warum sind es immer die gleichen Protestierer gegen solche Vorhaben.Heutzutage ist es ein Muß, weitere Versiegelung im bevölkerungsreichsten Land Europas auf diese Art einzudämmen. Oder wollen wir künftig nur noch Beton , Autos und Feinstaub als Umwelt haben? Auch kommende Generationen sollten noch erleben dürfen, was Natur ausmacht.