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Wegen Überfüllung geschlossen Muslimen in Münchner Innenstadt fehlen Gebetsräume

In den letzten Monaten haben mehrere Moscheen im Münchner Stadtzentrum dicht gemacht - die letzte am Montag. Muslime in der Innenstadt wissen nicht, wo sie ihr nächstes Freitagsgebet abhalten können. Eine Demo gegen die Schließungen wurde aber abgesagt.

Von: Barbara Schneider, Daniel Knopp und Jochen Eichner

Stand: 19.05.2017

Muslime beten in der Moschee in der Schanzenbachstraße in München.  | Bild: pa/dpa/Andreas Gebert

Allein in den vergangenen Monaten haben laut Benjamin Idriz vom Münchner Forum für Islam drei Moscheen in der Landeshauptstadt geschlossen. Der Grund: Die Moscheen platzen - wegen der enorm angestiegenen Zahl der Moschee-Besucher - aus allen Nähten. Da gibt es dann Probleme mit dem Brandschutz und das wiederum bedeutet ein zu großes Sicherheitsrisiko.

Zu große Nachfrage

Die zusätzlichen Besucher in den Moscheen sind nach Einschätzung von Benjamin Idriz vor allem zugezogene Flüchtlinge. In der einzigen Moschee in der Münchner Altstadt seien zum Freitagsgebet immer mehr Muslime gekommen. In dem Raum, der eigentlich für 120 Menschen ausgelegt ist, hätten zuletzt bis zu 400 Muslime regelmäßig das Freitagsgebet besucht. Der Gebetsraum war völlig überfüllt, viele Muslime mussten auf der Straße beten.

Doch noch ein Islam-Zentrum in München?

Am Montag hat der Vorstand des Vereins dann die Notbremse gezogen. Eine Lösung des Problems sieht Idriz allerdings bislang nicht. Er fordert, dass Muslime und Stadt nochmals über ein neues Islam-Zentrum in München nachdenken. Alle bisherigen Pläne in diese Richtung sind aber bislang gescheitert.

Demo abgesagt

Eine für Freitag von Münchner Muslimen geplante Demonstration gegen die Schließung von Innenstadt-Moscheen wurde aber abgesagt. Auf Facebook schrieb der Münchner Muslim, die Ankündigung eines öffentlichen Freitags-Gebetes auf dem Münchner Marienplatz habe auch Rechtspopulisten und rechte Gruppen auf den Plan gerufen. Es bestehe nicht nur Gefahr für Leib und Leben der Betenden, auch die Absicht aller Teilnehmenden vor Ort sei gefährdet. Für diejenigen, die trotzdem am Freitag Nachmittag zum Marienplatz kommen wollten, habe die Kirche einen Ausweichplatz für das Freitagsgebet zur Verfügung gestellt.


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