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Prozess gegen Müller-Brot-Manager Plädoyers auf nächste Woche verschoben

Im Prozess nach dem Ekel-Skandal und der Pleite der Großbäckerei Müller-Brot wird es heute keine Plädoyers geben. Die Schlussvorträge wurden verschoben und sollen jetzt am kommenden Mittwoch gehalten werden.

Von: Birgit Grundner, Andreas Mack und Michael Bartmann

Stand: 23.09.2016

Silos der Müller-Brot-Großbäckerei, aufgenommen am 19.03.2012 in München-Neufahrn (Bayern).  | Bild: picture-alliance/dpa

Seit gut zehn Monaten stehen drei Ex-Manager des Unternehmens jetzt schon vor Gericht.

Die drei angeklagten Ex-Manager von Müller-Brot

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, große Mengen Lebensmittel in den Handel gebracht zu haben, die nicht zum Verzehr geeignet gewesen seien. Zudem müssen sich die Ex-Geschäftsführer, darunter auch der ehemalige Haupteigentümer, wegen Insolvenzverschleppung, Untreue und Betrugs verantworten. Nach fast 40 Verhandlungstagen ist nun ein Ende in Sicht. Das Gericht hat insgesamt noch drei Prozesstage angesetzt. Das Urteil könnte am 30. September verkündet werden.

Mäusedreck und Kakerlaken

Das Ende der Großbäckerei war einer der großen Lebensmittelskandale der Republik.

Die Produktion in der Firma in Neufahrn war Anfang 2012 vom Landratsamt Freising gestoppt worden, nachdem trotz mehrfacher Kontrollen und Beanstandungen unter anderem Mäusedreck und Kakerlaken nicht beseitigt worden waren. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte es wegen finanzieller Probleme Einsparmaßnahmen gegeben - vor allem beim Reinigungspersonal. Zwei Wochen nach dem Produktionsstopp meldete das Unternehmen Insolvenz an. 1.250 Mitarbeiter verloren ihren Job.

Einige der Vorwürfe haben sich in dem Gerichtsverfahren relativiert. So gab das Gericht bereits den Hinweis, dass die lebensmittelrechtlichen Delikte möglicherweise fahrlässig begangen wurden. Die Folge: Statt einer Straftat kommt eine Ordnungswidrigkeit in Betracht.

Strafrechtlich besonders relevant ist der Anklagepunkt des Betrugs in 238 Fällen. Die damaligen Geschäftsführer sollen trotz Zahlungsunfähigkeit Waren und sonstige Leistungen im Wert von rund 1,65 Millionen Euro in Auftrag gegeben haben.

Lebensmittelkontrolleure im Zeugenstand (Frühjahr 2016)

Im Frühjahr standen die Aussagen der Lebensmittelkontrolleure im Prozess um Müller-Brot an. Damals wurde vor dem Landshuter Landgericht vor allem gestritten.

Mehrere Lebensmittkontrolleure des Freisinger Landratsamtes sowie ehemalige Mitarbeiter der Großbäckerei sagten gleichzeitig aus. Das Gericht wollte auf diese Weise Zeit sparen. Anhand von Fotos erläuterten sie, welche Zustände bei Kontrollen in dem Betrieb herrschten.

Differenzen festgestellt

Schnell stellte sich heraus: Es gibt erhebliche Differenzen zwischen Zeugen und Verteidigern auf der einen und dem Sachverständigen auf der anderen Seite. Bereits über die ersten beiden Beweisfotos wurde weit mehr als eine Stunde lang gestritten, zum Beispiel über Art und Farbe von Ablagerungen in einem Tank, oder was die Bilder tatsächlich zeigen.

Eines ist jedenfalls klar: Bereits seit 2009 hatten die Kontrolleure vom Landratsamt Freising etwas zu beanstanden. Immer wieder wurden Waren zurückgerufen, Produktionslinien vorübergehend geschlossen und Bußgelder verhängt. Wiederholt forderten die Behörden Müller-Brot dazu auf, die Mängel zu beseitigen. Anfang 2012 war Schluss. Selbst nach intensiven Reinigungsarbeiten waren noch Kakerlaken, Motten und Mäusedreck da. Die Produktion wurde gestoppt und schließlich ganz eingestellt. Das Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Anschließend wurde das Traditionsunternehmen von den Münchner Bäckereifamilien Müller und Höflinger übernommen und neu aufgestellt.  

Manager: Keine Sorgen gemacht

Im Laufe des Prozesses hat sich der ehemalige Haupteigentümer bereits geäußert. Von den Hygienmängeln habe er zunächst nichts gewusst, ließ er über seinen Anwalt ausrichten. Er habe sich auch keine Sorgen um das Unternehmen gemacht, sonst hätte er nicht so viel Geld in Müller-Brot gesteckt. Neben den Kontrolleuren werden heute möglicherweise auch ehemalige Mitarbeiter von Müller-Brot aussagen.

Am 23. Januar 2014 hatte die Staatsanwaltschaft Landshut Anklage gegen drei frühere Geschäftsführer erhoben, unter ihnen der einstige Haupteigentümer von Müller-Brot, Klaus Ostendorf. Der Vorwurf in dem Verfahren lautet Insolvenzverschleppung, Untreue und Betrug in 238 Fällen. Denn obwohl Müller-Brot längst zahlungsunfähig war, sollen die Angeklagten noch Leistungen und Lieferungen bei externen Firmen angefordert haben. Die Rechnungen wurden dann laut Anklage aber nie bezahlt.

Zudem sollen größere Mengen Lebensmittel verkauft worden sein, die nicht zum Verzehr geeignet waren. Das Verfahren gegen einen damaligen Betriebsleiter, dem Produktionsleiter und der Leiterin des Qualitätsmanagements des Neufahrner Unternehmens war zuvor bereits wegen Geringfügigkeit eingestellt worden.


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