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Prozess um Modellbau-Affäre Haderthauer gesteht - zum Teil

Hubert Haderthauer hat sich vor dem Münchner Landgericht in der Modellbau-Affäre erstmals geäußert. Der Ehemann der ehemaligen Staatskanzleichefin Christine Haderthauer räumte allerdings nur einen Teil der Steuerhinterziehungs-Vorwürfe ein.

Stand: 07.01.2016

Das Geschäft mit den Modellautos schilderte Haderthauer als jahrelangen Minus-Betrieb: Er sagte vor Gericht, er habe über die Jahre hinweg immer wieder viel Geld in die Firma Sapor Modelltechnik stecken müssen. Dabei gab er zu, er habe nach dem Verkauf der Firma noch Provisionen für den Verkauf von Modellautos im Jahr 2011 bekommen, diese jedoch nicht beim Finanzamt angegeben. Den Anklagevorwurf, vor dem Verkauf der Firma vier Modellautos entnommen zu haben, wies Haderthauer zurück.

Trotz mehrfacher Nachfragen des Gerichts machte er keine Angaben dazu, wie viele Autos über die Jahre hinweg schließlich hergestellt und verkauft wurden. Zu den Betrugsvorwürfen wollte Haderthauer bislang nicht Stellung nehmen. Nach Angaben des Gerichts will er dazu am Freitag aussagen.  

Christine und Hubert Haderthauer waren bis 2008 nacheinander Miteigentümer des Unternehmens, das über Jahre hinweg teure Modellautos verkaufte. Psychisch kranke Straftäter in den Bezirkskliniken Ansbach und Straubing hatten die Modellautos hergestellt. Einige Autos soll der inzwischen suspendierte Landgerichtsarzt privat weiterverkauft haben. Unter anderem dadurch hat er offenbar gut 40.000 Euro Steuern hinterzogen.

Kein Wort zu den Betrugsvorwürfen

Roger Ponton

Die Staatsanwaltschaft wirft Hubert Haderthauer außerdem vor, seinen früheren Geschäftspartner Roger Ponton nicht korrekt über den Wert der Firma informiert und ihn so um gut 84.000 Euro geschädigt zu haben.

Christine Haderthauer war 2014 über die Affäre gestolpert und musste daraufhin von ihrem Amt als Chefin der Staatskanzlei zurücktreten. Hubert Haderthauer nahm sie vor Gericht in Schutz: Seine Frau habe nur auf seine Bitte hin agiert – die Firma sei aber sein "Ding" gewesen, sagte er in der Verhandlung. Haderthauer drohen eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft. Christine Haderthauer kommt wegen eines vergleichsweise geringen Vorwurfs mit einem Strafbefehl davon.

Zeugenaussage des Dreifachmörders

Am Nachmittag hat der Kopf der Modellbaugruppe vor dem Landgericht ausgesagt: der verurteilte Dreifachmörder Roland Steigerwald. Dieser sagte, es seien bereits vor dem Umzug der Modellbautherapie von Ansbach nach Straubing 45 Modellautos fertiggestellt worden. Das habe er aus Aufzeichnungen entnommen. Steigerwald betonte in seiner Aussage, dass Haderthauer stets zur Eile beim Bauen gedrängt habe:

"Es hieß immer: Ich brauche, ich brauche. Es ist nichts mehr da."

Roland Steigerwald, Kopf der Modellbaugruppe

Zudem widersprach Steigerwald in einigen Punkten den Darstellungen Haderthauers: So habe ihm beispielsweise der Verkauf der Firma - anders als von Haderthauer geschildert - nichts ausgemacht. Steigerwald hatte bereits vor dem Modellbau-Untersuchungsausschuss des Landtags schwere Vorwürfe gegen Haderthauer erhoben. Dieser habe ihn ausgenutzt und starken Druck ausgeübt. Ein Therapieplan sei ihm über Jahre verweigert worden.

Für Freitag ist außerdem die Aussage des früheren Sapor-Mitgesellschafters Ponton geplant. Er hatte mit seiner Anzeige die Modellbau-Affäre ins Rollen gebracht. Sie beschäftigt auch einen Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags.


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georg, Samstag, 09.Januar, 19:53 Uhr

3. Gerichtsgutachter Haderthauer gesteht

Haderthauer hat die gleiche Taktik wie Hoeneß, er behauptet keine kaufmännische Ausbildung zu haben und er konnte mit den vielen Zahlen überhaupt nichts anfangen. Er war schlicht weg überfordert. Diese Taktik wird sicherlich aufgehen, er hat den gleichen Richter Rupert Heindl und den gleichen Staatsanwalt Achim von Engel - sehr CSU freundlich - wie bei Hoeneß. Bei den Erfahrungen, die die beiden haben ist die lange Prozessdauer schon fragwürdig. Bei Hoeneß wurden fast " 30 Millionen", von denen am ersten Tag knappe 3 Millionen bekannt waren, innerhalb von 3 Tagen verhandelt. Auch bei Haderthauer werden sie sich wieder, wie bei Hoeneß, beim Strafmaß auf die besonderen Umstände der Tat beziehen, von den Summen her werden eh nur Peanuts verhandelt, die keinen Tag Knast wert sind. Frau Haderthauer hat sich mit ihren Strafbefehl über 3 000,00 € auch schon aus der Affäre gezogen, sie kann, sollte noch mehr herauskommen wegen des gleichen Deliktes nicht zweimal verurteilt werden.

qw, Freitag, 08.Januar, 09:28 Uhr

2. Auch ein Thema für Kreuth

Was sagt den Seehofer zur Haderthauer-Affäre? Sollte da mal nicht in den eigenen Reihen aufgräumt werden: Scheuer hat betrogen, Schüttelschorsch, Haderthauer, Verwandtenaffäre.......Auch Stamm wollte aufräumen.
Ach ja, zum Glück haben wir jetzt die Flüchtlinge, da läßt sich gut ablenken.

normaler Bürger, Freitag, 08.Januar, 06:52 Uhr

1. Ekelerregend

Das Widerlichste an der ganzen Sache ist, dass diese Leute das Ausnützes ihres Mehrs an Möglichkeiten für vollkommen normal halten.
Siehe im selben Atemzug die Verwandtenbeschäftigungsaffäre, die Copy-and-Paste-Doktorarbeiten etc etc.
Was für ein moralisch korrupter Haufen.

  • Antwort von georg, Samstag, 09.Januar, 20:05 Uhr

    Sogar die "unabhängige" Presse lässt sich von ihnen beeinflussen, von einem Richter Rupert Heindl liest man, dass er besonders streng wäre, nicht nur am Urteil von Hoeneß kann man gerade das Gegenteil erkennen.