4

Lebensverlängernde Maßnahmen Sohn verklagt Hausarzt auf Schmerzensgeld

Ein Hausarzt, der wegen lebensverlängernder Maßnahmen bei einem Schwerkranken auf gut 150.000 Euro Schadenersatz verklagt worden ist, muss wohl nicht zahlen. Das hat das Landgericht München sehr deutlich durchklingen lassen.

Von: Annette Kugler

Stand: 29.11.2016

Alter Mensch im Bett mit künstlicher Ernährung durch Magensonde (Symbolbild) | Bild: picture-alliance/dpa/ Christian Ender

Der Tenor am Ende der Verhandlung am Montagabend war klar: Der Kläger könne nicht beweisen, dass er sich 2010 mit ziemlicher Sicherheit entschieden hätte, die künstliche Ernährung seines Vaters zu beenden. Das sei rückwirkend schlicht nicht möglich, befanden die Richter. Zu komplex sei die Entscheidung über Leben und Tod – vor allem wenn, wie im vorliegenden Fall, der Kranke nicht mehr ansprechbar ist und auch keine Patientenverfügung hinterlassen hat.

Magensonde unnötig?

Der Mann aus München war dement und zusätzlich mehrfach schwer erkrankt. Im Verlauf der Behandlung zwischen 2006 und 2011 hatte er massive Schmerzen und musste sehr leiden, das bestätigte auch ein Gutachter vor Gericht. Von unnötigem Leid spricht der Sohn, der darum den zuständigen Hausarzt verklagt hatte: Für eine Magensonde habe es keine medizinische Indikation gegeben, es gab keine Anzeichen, dass sich der Zustand des Vaters nochmal bessern würde.

Für die Richter genügt das alleine nicht. Die Entscheidung über lebensverlängernde Maßnahmen sei vom Willen oder zumindest mutmaßlichen Willen des Patienten nicht zu trennen. Und darum kritisierten die Richter dennoch den Hausarzt sehr deutlich: Als sich der Zustand des Kranken immer mehr verschlechterte, habe er nicht versucht, ein Gespräch mit dem Betreuer und den Verwandten zu führen – sie hätten eine andere Behandlung erwirken können.

Das Urteil samt ausführlicher Begründung wird am 18. Januar verkündet. Der Kläger und sein Anwalt haben bereits angekündigt, in Berufung gehen zu wollen.


4