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Konzertsaal München Entscheidung soll noch 2015 fallen

Seit Jahren wird in München über einen neuen Konzertsaal diskutiert. Etliche Standorte waren bereits im Gespräch. Denn das ist die große Frage in München: Wo könnte ein solcher Saal gebaut werden? Heute wurde ein wichtiger Zwischenschritt erreicht. Mit zwei Investoren soll nun ganz konkret verhandelt werden. Das hat das Kabinett beschlossen.

Von: Antje Dörfner

Stand: 20.10.2015

In der engeren Auswahl sind nun noch zwei mögliche Konzertsaal-Standorte: das Werksviertel, also das ehemalige Pfanni-Gelände am Münchner Ostbahnhof, und die Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke. Sie sind in einem Standort-Gutachten des Planungsbüros Speer auf den ersten beiden Plätzen gelandet. Hinter beiden Standorten stehen private Investoren. Mit beiden soll nun verhandelt werden, sagt Staatskanzleichef Marcel Huber.

"Die Verhandlungen, die das Finanzministerium jetzt zu führen hat, sind: Wie schaut denn das jetzt aus - stehen diese beiden Standorte nun zum Kauf zur Verfügung? Oder nur eben in Erbpacht? Oder stehen sie gar nicht zur Verfügung und der Anbieter ist nur bereit, sich einzubringen, wenn er selber das Projekt stellt und über eine Quasi-Miete dem Staat zur Verfügung stellt? All diese Dinge werden jetzt eruiert."

Staatskanzleichef Marcel Huber

Schneller Baubeginn am Pfanni-Gelände wäre möglich

Das Werksviertel am Ostbahnhof wird sowieso derzeit umgestaltet, hier könnte sehr schnell gebaut werden. Die Investoren am anderen möglichen Standort wollen die denkmalgeschützte Paketposthalle nutzen und das Viertel mit dem Konzertsaal entwickeln. Insgesamt fünf Bauplätze wurden untersucht. Angewandt wurde dabei ein Punktesystem, in dem die zeitliche Verfügbarkeit der Fläche eine besonders große Rolle spielte, erklärt Marcel Huber. Bei der Gewichtung zählte die zeitliche Verfügbarkeit der Fläche 30 Prozent, die Standortidentität 20 Prozent, die zu erwartenden Kosten 20 Prozent, die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln zehn Prozent, die Möglichkeiten, ein entsprechendes Raumprogramm umzusetzen, ebenfalls zehn Prozent. Die Außenwirkung des Gebäudes, die "Strahlkraft", fünf Prozent und eine mögliche Standortkonkurrenz mit anderen Einrichtungen fünf Prozent.

Seehofer will unumkehrbare Entscheidung

Standortfavorit Nr. 2: die Posthalle an der Friedenheimer Brücke in München

Ein neuer Konzertsaal soll sich nach jahrelanger Debatte nun schnell umsetzen lassen. Schließlich will Ministerpräsident Horst Seehofer den neuen Konzertsaal noch in seiner Amtszeit unumkehrbar auf den Weg bringen. Die Verhandlungen mit den Investoren sollen nun zügig geführt werden. Eine eigene Lenkungsgruppe, eingesetzt vom Freistaat, soll alles Weitere koordinieren. Eine gute Idee, lobt Manfred Wutzlhofer, der Vorsitzende des Konzertsaal-Vereins.

"Mit diesem Kabinettsbeschluss und auch der begrüßenswerten Einrichtung eines interministeriellen Lenkungsausschusses zur baulichen Gesamtsteuerung des Projekts verbinden wir die Hoffnung, dass nunmehr ohne weitere Verzögerungen der Bau eines neuen Konzertsaals bald realisiert wird."

Manfred Wutzlhofer, Vorsitzender des Konzertsaalverein München

Konkreter Vorschlag bis Anfang Dezember

Kunstminister Ludwig Spaenle hat nun den Auftrag, bis Anfang Dezember einen Vorschlag für einen konkreten Standort vorzulegen. Spaenle gibt sich optimistisch.

"Ich gehe davon aus, dass wir noch heuer erstens zu einer Vorlage kommen, die einen Vorschlag unterbreitet und damit auch zu einer Entscheidung. Und dann sind die Planungsprozesse gemäß der Möglichkeiten abzuwarten. Wichtig ist, dass diese Entscheidung in dieser Legislatur unumkehrbar ist."

Kunstminister Ludwig Spaenle

Positive Signale von SPD und Freien Wählern

Grundsätzliche Zustimmung zu einem neuen Konzertsaal für München kommt von der kulturpolitischen Sprecherin der SPD im Landtag, Isabell Zacharias. Sie mahnt aber ein Kulturkonzept für ganz Bayern an. Michael Piazolo von den Freien Wählern freut sich, dass es mit dem neuen Konzertsaal nun vorangeht. Dass aber beide Standorte von privaten Investoren stammen, sei nach so langer Debatte ein Schlag ins Gesicht der Staatsregierung. Er sei aber froh, so Piazolo, dass private Investoren konkrete Lösungen anbieten.


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Klaus Reinhart, Mittwoch, 21.Oktober, 16:28 Uhr

3. Standort Konzertsaal

Das heißt: Wir bekommen einen Standort im städtebaulichen Niemandsland oder in der No-Go-Area. Sowohl der Freistaat Bayern als auch die Landeshauptstadt München haben ansonsten zur Standortfrage nichts beizutragen, und das ganze soll - ebenso wie der Gasteig und das Frauengefängnis - letztendlich um ein Vielfaches mehr kosten, da ein Leasingmodell oder eine PPP-Lösung [ - public-private-partnership - ] angestrebt wird. Hoffentlich geht der Bauträger, der vermutlich in die Rolle des Investors gedrängt wird, nicht pleite. Das Menetekel Elbphilharmonie hat wohl allen Entscheidungsträgern den Mut geraubt, hier selbst etwas in die Hand zu nehmen. Daneben der BR in der Rolle des überoptimalen Beobachters. Es bestand noch nie so wenig Entscheidungsbedarf wie heute !

Elisabeth Müller , Mittwoch, 21.Oktober, 01:18 Uhr

2. Konzertsaal

Seehofer unser Retter.
Meister aller Meister, möchte noch in seiner Legislaturperioden Zeit, einen Meilenstein für den Konzertsaal setzen.
Ich denke es gibt zur Zeit WICHTIGERES ,als das Projekt Konzertsaal auf den Weg zubringen Nach all den Bauskandalen Finanz-Investorenmachenschaften ,bin ich dem Vorhaben des Projekts Konzertsaals skeptisch gegenüber
Werden wir Bürger des Freistaates Bayern erst wenn es zu spät ist die Finanzierung nach Fertigstellung des Konzertsaals erfahren.
Mein Wunsch wäre
den Bau des Konzertsaals zurück zustellen. Und in den Wohnungsbau und kulturellen Veranstaltungen für uns Einheimische mit den Neuankömmlinge aus den Kriegsgebieten zu investieren.
Verstehen sie mich nicht falsch, ich bin ein Klassik-Musik Hörer, bejahe die Meinung von Herrn Mariss Jansons und all den Profi Klassik Künstlern aus München
Noch eine Anmerkung Die Realität vieler Münchner ist Wohnungsknappheit , hohe Mieten Konzertkarte zu teuer was nun.

Angela Gräfin von Wallwitz, Dienstag, 20.Oktober, 14:20 Uhr

1. Gleisphilharmonie

Die wunderbare Altstadt von München hätte in dem Münchner Musikquartier mit der Gleisphilharmonie eine große, international Aufsehen erregende, moderne Entsprechung.
Die Kombination mit der Musikhochschule garantiert eine tägliche Ganztagsnutzung und das Einbinden der jüngeren Generation in das Geschehen der klassischen Musik.
Städtebaulich würde die Paketposthalle in ihrer Schönheit sichtbar werden und die westlichen Bezirke besser einbinden.
Erreichbar wäre die Gleisphilharmonie bestens mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Alle diese Punkte fallen bei dem Pfanni Gelände weg.

  • Antwort von Wolfgang Huber, Dienstag, 20.Oktober, 14:45 Uhr

    Gleisphilharmonie klingt auch eindeutig besser als Knödelphilharmonie!