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Kloster-Sterben in Oberbayern Junge Ordensleute scheuen Abschottung

Malerische Landschaft, Kultur und ausgezeichnetes Bier - mit dieser Mischung haben die traditionsreichen oberbayerischen Klöster immer noch eine magnetische Wirkung auf viele Menschen - auch als spirituelle Orte. Doch sie sind vom Aussterben bedroht.

Von: Antje Dechert

Stand: 07.01.2016

Das Kloster der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern (Oberbayern) | Bild: Kloster der Salesianer Don Boscos, Benediktbeuern

Klöster wie Andechs, Frauenwörth am Chiemsee oder Kloster Bernried blühen nach wie vor - wirtschaftlich und spirituell. Allerdings könnten sie in ein paar Jahren die letzten Dinosaurier sein. Denn die ehemals reiche Klosterlandschaft in Bayern ist längst vom Aussterben bedroht.

Einige oberbayerische Klöster

"Wir sind älter geworden"

"Es klingt wunderbar, wenn hier oben die Schwestern singen", sagt Schwester Margarita, ehemals Priorin im Kloster Altenhohenau bei Rott am Inn. Sie klingt schon ein wenig wehmütig, als sie ein letztes Mal durch den Chorraum der Klosterkirche führt.

Inzwischen ist Schwester Margarita mit zwei verbliebenen Mitschwestern aus Altenhohenau nach Kalifornien gezogen. Dort ist das Mutterhaus ihres Ordens, der Missions-Dominikanerinnen von San José.

"Früher sind unsere Schwestern hier auch gepflegt worden oder sind versorgt worden. Aber nachdem wir selber alle älter sind, können wir nicht noch eine ältere Schwester pflegen."

Schwester Margarita

Was passiert mit den Bauten?

Den kirchlichen Orden fehlt der Nachwuchs. Und sie sind überaltert. Der größte Teil von dem, was sie erwirtschaften, wird für die Betreuung ihrer Alten und Kranken benötigt. Für den Erhalt großer Klosteranlagen bleibt da kaum etwas übrig.

Zig Klöster wurden deshalb in den letzten Jahren geschlossen - auch in Oberbayern. Prominente Beispiele sind das Kloster Wessobrunn im oberbayerischen Pfaffenwinkel, Sankt Joseph in München und kürzlich das Kloster Altomünster bei Dachau. In den nächsten Jahren könnten laut Bezirksheimatpfleger weitere zehn bis zwanzig Klöster hinzukommen. Überall stellt sich dann die Frage: Was passiert mit den geschichtsträchtigen Bauten?

"Es wird hier nicht eine pauschale Lösung geben. Man wird jeden einzelnen Fall ansehen und man wird sehen, wie eine Lösung für die Zukunft aussehen kann."

Bernhard Kellner, Pressesprecher Erzbischöfliches Ordinariat München

Das museale Kloster

Im Kloster Beuerberg im Landkreis Bad Tölz etwa hat das Erzbistum München und Freising nun eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet.

Klöster sinnvoll weiternutzen, geschichtsträchtige Gebäude erhalten - das sei wichtig, aber man müsse andererseits auch loslassen können. So sieht es der Kapuzinermönch Bruder Jeremias. Der 47-Jährige ist im Altöttinger Kloster Sankt Konrad für die Berufungspastoral der Kapuziner zuständig. "Ich glaube, je mehr Klöster man hat, die nur noch museal sind, umso schwieriger wird es zu vermitteln, dass wir zeitgemäß sind", sagt er.

"Die Kapuziner mussten in den letzten Jahren ein Kloster nach dem anderen schließen. Und junge Männer, die in den Orden eintreten - die wollen heute eine andere Form des Ordenslebens", sagt Jeremia. Sie bevorzugen kleine Gemeinschaften in Städten und möchten da nah an den Menschen in sozialen Brennpunkten arbeiten.

"Wir haben Mitarbeiter in Obdachloseneinrichtungen. Wir haben selbst große Einrichtungen für Menschen, die arm sind, wo wir einfach Essen austeilen, sozial begleiten. Wir haben hier ein Haus voll Leben in St. Konrad, wo junge Leute kommen. Ich kann verstehen, das Menschen sagen, Kulturgüter müssen erhalten werden, aber es darf eben nicht dazu führen, dass man meint, das sei eine ausgestorbene Rasse."

Bruder Jeremia


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