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Keuchhusten-Alarm im Pfaffenwinkel Immer mehr Erwachsene sind betroffen

Heuer sind schon 32 Fälle von Keuchhusten beim Gesundheitsamt in Weilheim eingegangen, so viele wie seit Jahren nicht mehr. Dabei sind nicht nur Kinder betroffen, sondern auch Jugendliche und Erwachsene.

Stand: 22.09.2016

Eine Frau hustet | Bild: Image Source

Alleine in den vergangenen drei Wochen wurden 20 Fälle von Keuchhusten im Landkreis Weilheim-Schongau bestätigt, erklärte Dr. Karl Breu, der Leiter des Gesundheitsamts in Weilheim dem BR. Normalerweise werden durchschnittlich elf Fälle im ganzen Jahr gemeldet. Laut "Münchner Merkur" sind derzeit vor allem Bernbeuren, Schwabsoien, Steingaden und Peiting betroffen.

Keuchhusten ist keine Kinderkrankheit

Früher waren fast ausschließlich Säuglinge und Kleinkinder betroffen. Inzwischen treten viele Fälle dieser langwierigen Krankheit auch im Erwachsenenalter auf.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich mit über 50 Jahren an Keuchhusten erkranken könnte."

Friederike Engel, ehemalige Patientin

Friederike Engel war wochenlang ans Haus gefesselt. Die Bronchien waren schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Letztlich halfen ihr nur reizlindernde Hausmittel, etwa Bonbons aus Thymian oder Salbei und häufiges Inhalieren.

Die unterschätzte Krankheit

Experten schätzen die Dunkelziffer der Erkrankungen auf jährlich über 100.000 Fälle. Das Problem: Keuchhusten ist schwer zu diagnostizieren, weil die Symptome bei Erwachsenen, anders als bei Kindern, sehr unspezifisch sind.

Die Folgen können jedoch sehr ernst sein. Die Gefahr, an einer Gehirnentzündung zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Da es keine bundesweite Meldepflicht gibt, kann sich der hochansteckende Keuchhusten unter Erwachsenen unerkannt ausbreiten. Und das macht ihn nach Meinung der Experten zur gefährlichsten "Kinderkrankheit" für Erwachsene.

Impfungen auffrischen

Viele wissen nicht, dass gegen Keuchhusten keine lebenslange Immunität besteht - weder durch eine Erkrankung, noch durch eine Impfung. Alle 10 bis 15 Jahre sollte sie aufgefrischt werden, lautet die Empfehlung.

Keuchhusten (Pertussis)

Verbreitung

Wie häufig ist Keuchhusten?

Keuchhusten ist weltweit verbreitet und gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Alle vier Jahre muss in Deutschland mit einer Keuchhustenepidemie gerechnet werden. Seit Mitte Februar 2012 ist die Krankheit meldepflichtig.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) sieht eine Grundimmunisierung im Baby-, Kindes-, und Jugendalter vor. Sie rät allen Erwachsenen zu einer Impfung - besonders natürlich denjenigen, die Kontakt zu Säuglingen haben. Dazu zählen Frauen mit Kinderwunsch, enge Kontaktpersonen (Eltern, Geschwister) und Betreuer von Säuglingen (Tagesmütter, Babysitter, Großeltern, Erzieherinnen).

Verlauf

Wie verläuft Keuchhusten?

Nach der Ansteckung dauert es ein bis zwei Wochen, bis sich die ersten Anzeichen von Keuchhusten entwickeln. Verursacht werden diese durch das Keuchhusten-Toxin, das die Bakterien absondern. Die Beschwerden - Schnupfen, tränende Augen, Heiserkeit - sind zunächst sehr unspezifisch und leicht mit einer harmlosen Erkältung zu verwechseln. Fatalerweise ist Keuchhusten genau in dieser Zeit am ansteckendsten. Diese Phase dauert ein bis zwei Wochen.

Symptome

Wie sieht das eigentliche Keuchhustenstadium aus?

Kennzeichnend sind die krampfartigen Hustenanfälle, die mit einem Ziehen enden. Dabei wird Schleim abgesondert, manchmal kommt es auch zum Erbrechen. Zwischen den Hustenanfällen, die vor allem nachts auftreten, können völlig beschwerdefreie Zeiten liegen. Besonders im Säuglingsalter können statt der Hustenanfälle Atemstillstände auftreten. Diese sind lebensbedrohlich und erfordern eine intensivmedizinische Behandlung. Nach vier bis sechs Wochen werden die Hustenanfälle allmählich weniger. Das vollständige Abklingen der Krankheit dauert weitere sechs bis zehn Wochen.

Impfung

Wann sollte geimpft werden?

Geimpft wird ein sogenannter azellulärer Impfstoff, der nur die für den Immunschutz wichtigen Bestandteile der Bakterienzellen enthält. Die Grundimmunisierung erfolgt ab dem dritten Lebensmonat in vier Impfungen bis zum 15. Lebensmonat. Meist wird ein Sechsfachimpfstoff verwendet gegen Diphtherie, Hepatitis B, Hib (Haemophilus influenzae Typ b), Keuchhusten, Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Wundstarrkrampf (Tetanus).

Auffrischung

Wann sollte man auffrischen?

Sowohl nach durchgemachter Krankheit (Schutz: vier bis 20 Jahre) als auch mit Impfung (Schutz: vier bis zwölf Jahre) kann man wieder Keuchhusten bekommen. Ziel der Impfstrategie ist, besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Säuglinge und Kleinkinder zu schützen. Eine erste Auffrischung der Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Alter von fünf bis sechs Jahren in Kombination mit Tetanus und Diphtherie empfohlen, eine zweite zwischen neun und 17 Jahren. Personen, die Kontakt zu Säuglingen und Kleinkindern haben, sollten die Impfung ebenfalls auffrischen.

Verträglichkeit

Wie verträglich ist die Keuchhusten-Impfung?

Die Verträglichkeit einer Impfung ist abhängig davon, mit welchen anderen Impfstoffen das Serum kombiniert ist. Auch bestehende Krankheiten und die körperliche Verfassung spielen eine Rolle. Grundsätzlich sollten Sie immer mit Ihrem Arzt über mögliche Nebenwirkungen sprechen und mit ihm individuell entscheiden, ob eine Impfung sinnvoll ist und welcher Impfstoff verwendet wird. Für die Grundimmunisierung wird häufig ein Sechsfach-Impfstoff gegen Diphtherie, Hepatitis B, Hib (Haemophilus influenzae Typ b), Keuchhusten, Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Wundstarrkrampf (Tetanus) verwendet.

Das raten die Experten


Hier geht es zur Seite des Robert-Koch-Instituts, der nationalen Meldestelle für Infektionskrankheiten. Ausführliches Glossar zu Infektionskrankheiten von A-Z sowie Impfempfehlungen:


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