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Droht eine Hotel-Blase? Hotel-Boom: München hat mehr Hotels als Manhattan

Die höchste Hoteldichte in Europa hält das Bahnhofsviertel in München. Und der Hotelmarkt in der Landeshauptstadt boomt weiter. So haben in den vergangenen Jahren etliche neue Hotels eröffnet. Der Hotel- und Gaststättenverband schlägt Alarm.

Von: Michael Bartmann

Stand: 13.10.2017

Hotelzimmer in einem italienischen Hotel, das von zwei Zimmermädchen in Ordnung gebracht wird. | Bild: picture-alliance/dpa

Welche Stadt hat das Viertel mit höchster Hoteldichte in ganz Europa? Das ist nicht in London, auch nicht in Paris. Den Hotel-Rekord hält das Bahnhofsviertel in München.

Mehr Hotels als Manhattan - Hotelmarkt in München boomt

Blick vom neuen 5-Sterne-Hotel in Schwabing

Viele neue Hotels haben in den vergangenen Jahren eröffnet – und es geht munter so weiter. München hat inzwischen sogar mehr Hotelbetten als Manhattan. Ein weiteres Vorzeigeprojekt am nördlichen Ende Schwabings ist fast fertig: Im Frühjahr soll das 5-Sterne–Hotel eröffnen. 277 Zimmer hat es - auf 14 Stockwerken, ganz oben eine spektakuläre Skybar mit Blick auf Münchens Skyline und das Alpenpanorama. Der Investor Wolfgang Müller ist sich sicher: Sein Hotel wird ein Erfolg.

"Wir fokussieren uns auf ein reines Business-Hotel, und hier sind viele Firmen in der Nähe, das werden Kunden von uns werden. Wenn Sie heute ein Produkt in einer guten Lage haben, werden Sie auch Käufer finden, weil die Liquidität die Anlage sucht."

Wolfgang Müller, Investor

84.000 Hotelbetten - eine Blase droht

Mit dem Projekt liegt Wolfgang Müller voll im Trend. 3.500 Hotel-Betten kamen im Großraum München allein im letzten Jahr dazu, 84.000 sind es insgesamt. Es droht eine gefährliche Blase, sagt Conrad Mayer vom Hotel und Gaststättenverband.

"Jedes Gewerbeobjekt wird inzwischen auf ein Hotel geprüft und es werden vielfach Hotels an Standorte hingepflanzt, wo man noch vor zehn Jahren gesagt hätte, das kann eigentlich nicht sein."

Conrad Mayer, Bayerischer Hotel und Gaststättenverband

Trotzdem geht der Boom weiter

An der Auffahrt zur A94 entsteht gerade ein 50 Meter hoher Hotelturm, am Ostbahnhof ein über 80 Meter hohes Hotelhochhaus, direkt daneben sind zwei weitere Hotels in Bau. Die Zinsen sind niedrig, die Rendite lockt.

"Das ist genau das Problem. Es ist vielfach Unwissen im Markt, es geht nur um Investment."

Conrad Mayer, Bayerischer Hotel und Gaststättenverband

Nicht nur Conrad Mayer fragt sich inzwischen, wer in den vielen neuen Hotelbetten jemals schlafen soll. Doch die Stadtpolitik sieht keinen Handlungsbedarf, wie München Tourismus-Chefin Geraldine Knudson klarstellt.

"Die Stadt greift nicht in den freien Markt ein. Das ist nicht Aufgabe der Stadt. Und wir haben ja auch permanent steigende Besucherzahlen, deshalb können wir eine Blase nicht erkennen."

Geraldine Knudson, München Tourismus-Chefin

Preiskampf in München

Doch ein einfaches "weiter so" geht nicht mehr lange gut, davon ist Conrad Mayer vom Hotel- und Gaststättenverband überzeugt. Sonst droht möglicherweise ein Chaos auf dem Markt: Hotels könnten von Investor zu Investor weiterverramscht werden. Die Auslastung sinkt, der Preiskampf tobt.

"Die Hotelpreise sind inzwischen Börsenpreise. Sie schwanken nicht nur täglich, sie schwanken stündlich."

Conrad Mayer, Bayerischer Hotel und Gaststättenverband

Im Münchner Umland sind die Folgen laut Mayer schon jetzt zu spüren. Waren internationale Messen für die Hoteliers im Speckgürtel lange ein sicheres Geschäft, bleiben jetzt oft Zimmer leer. Beim Blick vom fast fertigen Luxushotel auf die Dächer Münchens sieht Investor Müller dieses Risiko in der Stadt noch nicht.

"Wenn natürlich die Konjunktur mal nach unten geht, kann es schon sein, dass ein Hotel die Pforten schließen muss, wenn es falsch positioniert ist."

Wolfgang Müller, Investor

Übrig bliebe dann eine teure, aber nutzlose Immobilie. So warnt der Hotel- und Gaststättenverband vor zu vielen Hotels in einer Stadt, die eigentlich günstige Wohnungen dringender bräuchte.


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Kommentare

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bergundtal, Freitag, 13.Oktober, 15:42 Uhr

2. Fachkräfte woher ?

Immer mehr Hotels bedeuten immer mehr Personal - woher kommen die ausgebildende Fachkräfte für solche Hotels. Die Branche hat eh schon mit erheblichen Fachkräfte Schwund bzw. finden keine Lehrlinge mehr zu tun.
Selbst wenn Personal gefunden wird, stellt der Arbeitgeber dann Wohnraum zur Verfügung ?

Earth Spirit, Freitag, 13.Oktober, 09:42 Uhr

1. wer nicht hören will.....

... muß irgendwann fühlen. Rendite, Kohle und Penunsen. Das ist alles, was in gewissen Kreisen zählt. Die Reichen, die nie Genug bekommen, haben Ihre Scheuklappen enger geschnallt und nehmen in ihrem Tunnelblick nur noch ihre eigenen Interessen wahr. Ich fordere eine Obergrenze für privates Vermögen und ich fordere außerdem, dass das Grundgesetz eingehalten wird in dem da steht : EIGENTUM VERPFLICHTET. Wie kann es sein, dass dies gar nicht beachtet wird und Reiche immer reicher werden dürfen auf Kosten der Armen ?

  • Antwort von Bayerwaldfan, Freitag, 13.Oktober, 12:00 Uhr

    @Earth Spirit
    Fordern dürfen Sie Vieles, doch gottlob muss ihre Forderungen ja niemand hören.

    Wenn dieses Land keine Reichen mehr hätte, hätte es von heute auf morgen auch keine Investoren mehr.

    Und wo würden dann all die Menschen arbeiten, die aufgrund des Investments eines oder der Reichen bei den Baufirmen ihr täglich Bot verdienen?

    Vielleicht gehören Sie selbst ja zu denen, die andere Steuern zahlen lassen, damit ihnen das Jobcenter jeden Monat verschiedene Überweisungen zukommen lassen kann.

    München bräuchte mehr günstige Wohnungen.

    Aber dieses Invest müsste von der Stadt München getragen werden, denn ein privater Investor investiert sein Invest viell lieber in ein Bauwerk, dessen laufender Betrieb dann beispielsweise von einer Hotelkette besorgt wird, die ihm monatliche Mieten garantiert, durch die er sein Invest zurück bekommt, ohne sich um die Belange von armen Mietern kümmern zu müssen.

    Freie Marktwirtschaft hat ihre eigenen Gesetze. Die sie nicht ändern.

  • Antwort von Earth Spirit, Samstag, 14.Oktober, 10:05 Uhr

    Sie haben nicht im Geringsten Ahnung, wovon sie da reden. Vielleicht bin ich ja der und vielleicht bin ich ja ein Anderer, woher wollen Sie das wissen ? Warum spekulieren Sie über mich, wo sie doch gar keine Ahnung haben ? Das ist ein weiteres Problem in der heutigen Zeit - spekulationen und Lügen, wie sie sie hier schreiben, damit ein System weiter mutiert, was unser Aller Leben irgendwann nachhaltig stören wird. Damit haben Sie sehr schön mit ihrem Beitrag gezeigt, wo eines unserer größten Probleme liegt: In der Unwahrheit ! Danke :-)