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Enttäuscht von Behörden Schlechinger Helferkreis für Asylbewerber gibt auf

Der Helferkreis für Asylbewerber in der Gemeinde Schleching im Chiemgau hat sich aufgelöst. In einer vierseitigen Presseerklärung heißt es, der Helferkreis sei nicht dazu in der Lage, seine selbstgesteckten Ziele zu erreichen.

Von: Christian Riedl

Stand: 07.07.2015

Zwei Frauen, die sich umarmen | Bild: Bayerischer Rundfunk

Zu den Aufgaben gehört unter anderem die Zusammenarbeit mit Wirten, Behörden und Betreuern. Eine Sprecherin des Helferkreises sagte dem BR-Korrespondentenbüro Chiemgau, die Ehrenamtlichen seien frustriert, weil sie sich von den Behörden zu wenig unterstützt fühlen und meinen, nichts bewirken zu können. Vor allem das Verhältnis zwischen Helferkreis und Wirtsleuten ist offenbar zerrüttet.

Keine Selbstversorgung

Ein Asylbewerber aus Eritrea hat in Schleching eine Krar, ein Instrument seiner Heimat, gebaut.

In Schleching sind mehr als 30 Asylbewerber in einer Gaststätte untergebracht. Sie werden von den Wirtsleuten versorgt und können sich - entgegen ihrer Forderung - nicht selbst versorgen. Das hatte im Mai zu einer Protestaktion von Asylbewerbern aus Eritrea in München geführt. Eine Aktion, die auch vom Helferkreis massiv kritisiert wurde. Danach habe sich allerdings das Verhältnis zwischen Wirtsleuten, Asylbewerbern und Helferkreis weiter verschlechtert, berichtet die Sprecherin.

Ehrenamtliche würden von den Wirtsleuten aus dem Gebäude verwiesen. Sie bekämen kein Besuchsrecht, und das Gebäude sei nur über einen Hintereingang zugänglich. Außerdem wurde der Wunsch nach einem eigenen Kühlschrank mehrfach abgelehnt.

Bürgermeister will vermitteln

Bürgermeister Josef Loferer ist von der Auflösung des Helferkreises überrascht worden. "Ich hätte das nicht für möglich gehalten", sagte Loferer dem BR. Den Streit habe er als nicht so schlimm empfunden und er wollte in dieser Woche versuchen zu vermitteln. Persönlich habe er mit den Ehrenamtlichen noch nicht sprechen können, so Loferer.

Auch für das Traunsteiner Landratsamt kommt die Auflösung überraschend. Nach einem in der vergangenen Woche von einem Sachbearbeiter initiierten Treffen im Landratsamt habe nichts darauf hingedeutet, so ein Sprecher. Auf die Arbeit der Ehrenamtlichen sei man dringend angewiesen, sie seien der Behörde wichtig. Probleme wie in Schleching seien dem Landratsamt andernorts nicht bekannt, so der Sprecher. Man werde nun intern die Vorwürfe klären und aufarbeiten.


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