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Denkmalgeschütztes Haus in Giesing Kultusminister verurteilt Abriss des Handwerker-Hauses

Nach dem illegalen Abriss des denkmalgeschützten Handwerkerhäuschens in der Feldmüller-Siedlung in Giesing hat sich jetzt sogar Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle eingeschaltet und ein hartes Vorgehen gegen die Verantwortlichen begrüßt.

Stand: 08.09.2017

Schon vorher hatte sich Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zu den Vorgängen in Obergiesing zu Wort gemeldet: Er sei "schockiert, mit welcher Dreistigkeit der Denkmalschutz missachtet" worden sei.

"Das ist ein Skandal und zerstört ein Stück altes Giesing für immer. Wir werden mit aller Härte gegen die Verantwortlichen vorgehen."

Dieter Reiter, Oberbürgermeister von München

Alles nur "ein Unfall"

Der illegale Abriss des unter Denkmalschutz stehenden Hauses in der Oberen Grasstraße 1 in Giesing soll "ein Unfall" gewesen sein.  Das beteuerte Serpid Camurlu, die Frau des Geschäftsführers der beteiligten Münchner Baufirma CSH Baubetreuung GmbH, gegenüber Münchner Merkur und tz. Die Firma habe den Auftrag zur Sanierung des Hauses gehabt. Ihr Mann, sagt Camurlu, sei völlig fertig. Für eine Stellungnahme gegenüber dem Bayerischen Rundfunk war das Ehepaar nicht zu erreichen.

Nicht besonders glaubwürdig

Quasi über Nacht wurde das Haus abgerissen

Eine Theorie, die von Seiten des städtischen Baureferats und der Lokalbaukommission nicht für besonders glaubwürdig gehalten wird. "Wir nehmen das ohne rechtliche Bewertung zur Kenntnis, finden es aber nicht besonders überzeugend", heißt es in einer Stellungnahme der Lokalbaukomission. Ob der Abriss vorsätzlich oder fahrlässig erfolgte, bedürfe in jedem Fall rechtlicher Klärung.

An der Tatsache, dass hier wertvolles Kulturgut zerstört wurde, ändert das ohnehin nichts mehr, sagt Thomas Rehn, stellvertretender Leiter der Lokalbaukommission. "Das Denkmal ist ja nun weg und den Schaden hat die Gesellschaft". Die Aufregung ist groß. Deshalb sei es wichtig, jetzt das richtige Signal zu senden:

"Wir werden genau überlegen und prüfen, damit wir am Ende eine Sanktion finden, die sehr, sehr schmerzhaft ist."

Thomas Rehn, stellvertretender Leiter der Lokalbaukommission

Der Bauträger dürfe aus seinem "mutmaßlich kriminellen Vorgehen" keinen Profit ziehen.

Der Abriss ist auf jeden Fall ordnungswidrig

Das denkmalgeschützte Haus nach dem Abriss

Dafür drohen Bußgelder bis zu 250.000 Euro. Aber auch in Bezug auf das Baurecht müsse nun geklärt werden, was der Bauherr an Stelle des ehemaligen Handwerkerhäuschens errichten dürfe, sagt Rehn. Der gesamte Straßenzug rund um die Obere Grasstraße 1 stehe zudem unter Ensemble-Schutz. "Das heißt, ein Neubau muss in jedem Fall mit dem restlichen Ensemble im Einklang stehen.“

Unerlaubter Abriss eines Hauses in Obergiesing

Das fordern auch die empörten Anwohner der Feldmüller-Siedlung. Sie sammeln bereits Unterschriften dafür, dass das zerstörte Haus (Baujahr 1840/45) wieder in seinen ursprünglichen Dimensionen aufgebaut wird. Dass es sich bei dem Abriss um einen Unfall gehandelt habe, glaubt hier niemand. "Die haben genau gewusst, was sie da machen und hatten ja sogar Späher an der Straßenecke stehen", sagt etwa Anwohnerin Angelika Luible. Als die Polizei eintraf, flüchteten die Arbeiter. Gegenüber einer Nachbarin sei zudem der Satz gefallen: "Wir haben den Auftrag zum Abbruch des Hauses".


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Münchner, Freitag, 08.September, 20:37 Uhr

5. Ich bin Miteigentümer

eines 300 Jahre alten Bauernhauses in Oberbayern und kann nur sagen, in dem Fall in Giesing war es Vorsatz und Ignorieren der Lokalbaukomission, die einen Tag vorher dem Eigentümer verboten hat, das Haus abzureissen. Denkmalschutz ist wichtig für das Aussehen der Dörfer, Städte und anderer Baudenkmäler. Manchmal ist Denkmalschutz auch nervig aber unser Haus wird immer wieder gelobt wie schön es ist und oft fotografiert. Ich halte mich auch immer wieder gern dort auf. Ohne Denkmalschutz würden unsere Siedlungen so langweilig und gesichtslos aussehen, deswegen bin ich dafür. Das Haus in Giesing sollte originalgetreu wieder aufgebaut werden + Geldstrafe oder Bauverbot für die Baufirma in München und Umgebung.

  • Antwort von Alfred Schneider, Freitag, 08.September, 21:07 Uhr

    Ich habe ein 20 Jahre altes Auto direkt in München und kann nur sagen, dass ich im Fall Giesing nicht weiß was sich wirklich im Hintergrund abgespielt hat. Ich behaupte sogar das weiß keiner der hier Kommentierenden. Es sind alles nur Vermutungen.

  • Antwort von Bineejj, Freitag, 08.September, 22:26 Uhr

    @ Alfred Schneider: Was offiziell bekannt ist: Es gibt keine Genehmigung für den Abriss des Hauses. Für das Haus wurde ein Antrag auf Sanierung gestellt. Mit einem Schreiben vom 2. August wurden die Nachbarn auf die anstehende Sanierungsmaßnahme hingewiesen. Am Nachmittag des 31. August rückte die CSH Baubetreuung GmbH mit einem Bagger an und riss das Dach, sowie eine Wand des Hauses illegal ab. Der Abriss wurde von der Polizei dann vor Ort unterbunden. Am Nachmittag des 1. September riss dieselbe Baufirma den Rest des Hauses nahezu vollständig ab. Die Arbeiter flüchteten beim Anrücken der Polizei von dem Tatort und ließen den Schutt auf der Straße liegen und den Bagger stehen. Jenseits davon ist natürlich alles Vermutung.

  • Antwort von Binneejj, Freitag, 08.September, 22:28 Uhr

    @ Alfred Schneider: Was offiziell auch bekannt ist, das Haus ist denkmalgeschützt.

ich, Freitag, 08.September, 19:14 Uhr

4. Abbruch Handwerkerhaus

Im Freistaat Sachsen genau in Dresen hat der Eigentümer nach mehreren Versuchen es geschafft sein denkmalgeschütztes Haus ohne die erforderliche denkmalrechtliche Erlaubnis der unteren Denkmalbehörde abzubrechen. Daraufhin wurde er mit Bescheid der unteren Denkmalbehörde verpflichtet das beseitigte Haus in den ursprünglichen Ausmaßen wieder zu errichten. Nach dem Wiederaufbau ist das neue Haus kein Denkmal mehr, weil Neubau. Jetzt kann aber einem Abbruchantrag für das neue Haus zugestimmt werden. Näheres hierzu in der Sächsischen Zeitung unter

(Anm.d.Red.: Links entfernt)
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  • Antwort von Alfred, Freitag, 08.September, 21:18 Uhr

    Wer ist dieser Eigentümer? Der gleiche dem das Haus in Giesing gehört?

  • Antwort von Bineejj, Freitag, 08.September, 21:43 Uhr

    Dieser Fall würde mich interessieren. Haben Sie dazu passende Suchbegriffe wie den Titel oder ein Aktenzeichen?

Wolfgang, Freitag, 08.September, 12:53 Uhr

3. "Emörte" Nachbarn und Anwohner, bitte ruhig bleiben.

Selbst wenn man annimt daß es Vorsatz mitdem Abriss war, dann ist das nur eine Frage der Rechtsstaatlichkleit und Generalprävention das nicht durchgehen zu lassen.

Das Argument "Essemble", letztes Stück altes Giesing ist aber lächerlich.

"Alle" anderen der Umgebung haben moderne Gebäude mit hochrentabel ausgenutzten Grundstücken, der als Letzter noch einen Altbau hat soll aber auch Rendite verzichten zum ästhätischen Wohle der Nachbarn?

Wenn ihr schon so das "alte Giesing" liebt, macht einige Häuser aus den 30ern oder 60ern platt und baut historisch, klein, eng, rattenfreundlich, energiefrssend etwas wieder auf.

Siehe Wiederaufbau Fuggerei Augsburg, Berlin das Stadtschloß, die Residenz oder auch in Italien Monte Cassino.

Kostet einiges, dann habt ihr aber euer altes Giesing wieder.

  • Antwort von Bineejj, Freitag, 08.September, 21:38 Uhr

    Das illegal abgerissene Haus stand in einer Siedlung ähnlich aussehender 1-2 stöckiger Häuser,meist mit bewohntem Dachstuhl. Dazu kann sich aber jeder in einem virtuellen Rundgang, zum Beispiel bei Google Streetview, selbst ein Bild machen. - Dass eine solche Siedlung irgendwo auch an den Rest der Stadt, mit höheren Häusern angrenzt, ist in der Regel nicht vermeidbar. Wenn eine solche Grenze dann nicht strikt nach Straßenseiten verläuft, tut das dem Siedlungsbild, das man auf Augenhöhe wahrnimmt, keinen Abbruch. - Auch geht es hier nicht um eine Rückkehr zu alten Bauweisen, sondern um den Erhalt einer heutzutage seltenen, Denkmal schützenswerten Siedlung, einer Art Freiluft-Museum. - Und da Eigentum und Reichtum auf der Akzeptanz der umgebenden Gesellschaft fundieren, und diese mit demokratischen Regeln bestimmt, was erlaubt ist und was nicht, ist unter anderen, in so einem Fall auf die zusätzliche Rendite zu verzichten. (Ihr Motto:Glück im Leben, aber nicht weniger als alle anderen!?)

websaurier, Freitag, 08.September, 12:37 Uhr

2. Politikerdeutsch...


Kultusminister "verurteilt" den Abriss....

Heißt auf deutsch: Damit ist die Sache für mich erledigt; der Schweinsbraten wartet schon

Manuela Müller, Freitag, 08.September, 10:12 Uhr

1. wurde wohl gerade gesperrt

Tja, es wäre schon interessant gewesen, sich einmal dieses Unternehmen anzusehen. Aber merkwürdigerweise ist die Homepage des Unternehmens gerade nicht erreichbar.
Ich gehe davon aus, dass dies jedoch nur vorübergehend sein wird. Die Firma wird es sich nicht leisten können, länger als erforderlich ihre Homepage zu deaktivieren. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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  • Antwort von Lilly, Freitag, 08.September, 13:42 Uhr

    Wo steht denn jetzt nochmal geschrieben, dass eine Firma überhaupt eine Homepage haben muss?

  • Antwort von Alfred Schneider, Freitag, 08.September, 15:50 Uhr

    ich glaub eher, die Firma hat zum Selbstschutz ihre Homepage deaktiviert. Sicherlich werden es einige sich nicht nehmen lassen den Geschäftsführer der Abrissfirma persönlich "anzusprechen". Durch das Bashing ist sie jetzt über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und wird nie wieder einen Auftrag bekommen. Wer weiß ob sie laufende Aufträge noch beenden kann bevor sie Insolvenz anmelden muss.
    Rechtsstaat war gestern - es lebe die Vorverurteilung!

  • Antwort von Wolf, Freitag, 08.September, 16:37 Uhr

    @alfred,
    Aber hallo,wer saniert ein Haus mit enem Bagger? Die Firma hat genau das getan wofür sie engagiert wurde: Illegaler Abriss! Den Laden sperrt man besser Heut als Morgen zu.