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Fraueninsel im Chiemsee Gegner von Gedenkstein General Jodls legen nach

Der Streit um den Gedenkstein des Nazi-Generals Alfred Jodl auf der Fraueninsel geht weiter. Die Gegner haben Dienstaufsichtsbeschwerde erhoben, weil die Staatsanwaltschaft Traunstein das Verfahren wegen Volksverhetzung gegen den Chiemseer Bürgermeister Georg Huber eingestellt hatte.

Von: Julia Binder

Stand: 30.03.2016

Gedenkstein Alfred Jodls auf der Fraueninsel | Bild: picture-alliance/dpa

Die Einschätzung der Staatsanwaltschaft lasse eine "objektive Betrachtung vermissen", so der Münchner Rechtsanwalt Jürgen Arnold. Er schreibt im Namen seiner 38 Mandanten, die Strafanzeige gegen den Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee gestellt hatten, dass Bürgermeister Huber "die verbrecherische Karriere eines Massenmörders" verharmlosen möchte, indem er das Ehrenkreuz am Friedhof bis 2018 unkommentiert stehen lassen wolle.

Der Rechtsanwalt fordert deshalb von der Staatsanwaltschaft, die Einstellung des Verfahrens rückgängig zu machen, da ansonsten in der Öffentlichkeit der Eindruck entstünde, "die bayerischen Ermittlungsbehörden würden nationalsozialistisches Unrecht verharmlosen oder gar billigen“.

Bürgermeister Huber reagiert sichtlich genervt

Bürgermeister Georg Huber äußerte sich auf BR-Anfrage genervt über die aufgeflammten Streitigkeiten: "Haben wir eigentlich nichts anders zu tun? In Brüssel bringen sie die Leute um und wir tun wegen einer Grabnutzung rum. Das geht mir alles zu weit." Der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein, Wolfgang Giese, bestätigte nur, dass die Dienstaufsichtsbeschwerde vorliegt. Wann mit einer Entscheidung gerechnet werden kann, konnte Giese nicht abschätzen.

Jodls Gedenkstein dürfte 2018 ohnehin eingezogen werden

Generaloberst Alfred Jodl bei der Kapitulation im Mai 1945

Alfred Jodl war als führender Wehrmachtsgeneral beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zum Tode verurteilt und am 16. Oktober 1946 gehängt worden. Seine Asche wurde in die Isar gestreut. Auf dem Friedhof der Fraueninsel erinnert ein steinernes Kreuz am Grab seiner beiden Ehefrauen an ihn. Die Inschrift war in der Vergangenheit Ziel von Protestaktionen - mal wurden Buchstaben entfernt (aus "Jodl" wurde dann "odl") oder es wurde ein Schild angebracht mit der Aufschrift: "Keine Ehre dem Kriegsverbrecher".

Der Münchner Künstler Wolfram Kastner hatte gemeinsam mit rund 35 Unterstützern, zu denen unter anderem der Schauspieler Sepp Bierbichler gehört, eine Strafanzeige gegen den Bürgermeister "wegen Billigung nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und Störung des öffentlichen Friedens" gestellt.

In zwei Jahren allerdings läuft das Grabnutzungsrecht für die Jodls aus. Eine Verlängerung steht offenbar nicht an. Das heißt: 2018 dürften Grab und Kreuz ohnehin beseitigt werden.


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Jürgen, Montag, 04.April, 18:10 Uhr

7. Gegner von Gedenkstein General Jodl's legen nach

Natürlich gibt es immer schlimmere und aktuellere Probleme. Aber wie kann man dem neuen Rechtsradikalismus begegnen, wenn man den alten Faschismus immer noch nicht bereit ist, adäquat zu verbannen. Solange für einen Massenmörder ein "Ehrenmal" steht, ist der alte müll noch nicht aus den Köpfen. Das ist kein Zirkus oder Unwesentliches oder Lächerliches, sondern ein ernstes Anliegen. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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ralf kirchgaessner, Mittwoch, 30.März, 18:09 Uhr

6. Völlig unnötig!

Lächerlich sowas. Den Bürgermeister wegen Volksverhetzung anzeigen. In zwei Jahren läuft das Grab sowieso ab. Wer darum ein Geschiss macht, kümmert sich zumindest um nichts wesentliches. Das sind für mich Effekthascher. Die Totenruhe sollen zudem selbst Verbrecher haben, deren Familie und Hinterbliebene sowieso.

Stefan, Mittwoch, 30.März, 13:00 Uhr

5. Andere Probleme

Wir haben doch weiss Gott andere Probleme! Vgl. die letzten Wochen.
Und da regen sich Münchner auf über ein Grabdenkmal auf der Fraueninsel, dass 2018 ausläuft. Ich würde verstehen, wenn die Gemeinde Chiemsee, also die Bürger/innen der Frauen- und Herreninsel, hier die Initiative ergreifen würden, aber nicht ortsfremde Personen, die von gestörtem öffentlichem Frieden, den wohl nur sie vertreten, reden. Über die Grabnutzung der Gemeinde Chiemsee haben die dortigen Entscheidungsträger ggf. mit fachlichem Rat übergeordneter Behörden zu befinden, zu denen die Münchner Künstler um Herrn Kastner definitiv nicht gehören. In München gäbe es sicher Raum für anderes Engagement dieses Herrn.

Ebert, Mittwoch, 30.März, 10:31 Uhr

4. Randbemerkungen

Hmm, liebe Leser, wieder so ein Thema aus der unrühmlichen Deutschen Vergangenheit.

Ich selbst bin da eigentlich ein absoluter Pragmatiker und halte es für völlig sinnfrei jetzt nach 70 Jahren einen Zirkus loszutreten, der sich so und so in 2 Jahren automatisch erledigt.

Man hat das Gefühl, dass da so langsam die zu beanstandenden Projekte ausgehen und gewisse Kreise sich der überbleibenden schmählichen Reste bedienen um auch mal in die Presse zu kommen.

Genau so sehe ich das.

Ebert

  • Antwort von Thomas, Mittwoch, 30.März, 11:47 Uhr

    Sehe ich genau so. Die 1 1/2 Jahre bis zum Auslaufen des Grabnutzungsrechts werden auch noch vergehen und danach hat sich das Thema erledigt.

Alexander Müller, Mittwoch, 30.März, 09:19 Uhr

3. Störung der Totenruhe

Es sollte lieber strafrechtlich verfolgt werden, welche Subjekte Buchstaben von Grabsteinen entfernen, bzw. illegal Schmähschilder anbringen.

  • Antwort von Den Lebenden zur Mahnung, Mittwoch, 30.März, 09:59 Uhr

    Also die vom Kriegsverbrecher Jodl kann dort nicht gestört werden.