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Genossenschaften gegen die Wohnungsnot Gemeinsam baut man weniger teuer

Die Preise für Immobilien explodieren, der Wohnungsmarkt ist angespannt wie nie. Viele sehen einen Ausweg aus der ewigen Preisspirale in Genossenschaften. Im Großraum München sind allein 2015 fünf neue entstanden.

Von: Julia Binder

Stand: 01.02.2016

Wohnungsbau München | Bild: picture-alliance/dpa

Kristina Weber ist Mutter von zwei kleinen Kindern. Bisher lebt die Familie in einer Mietswohnung in München, doch jetzt sind die Webers Mitglied in der Wohnungsbaugenossenschaft Progeno und schon fleißig am Planen. Erst 2015 gegründet, steht die Progeno bereits vor ihrem ersten großen Wohnprojekt im Prinz-Eugen-Park im Osten der Stadt. 2018 soll das Haus der Webers fertig werden.

"Das Spannende ist, dass man sich selbst noch einbringen kann. Es ist fast ein bisschen, wie selbst Haus bauen. Wir sind aktiv am Besprechen mit den anderen, und es fühlt sich so an, als wären wir selbst Bauherr, natürlich ohne die ganze Verantwortung."

Kristina Weber

Kein Eigentum, aber Wohnrecht

Knapp, teuer - und für Familien kaum bezahlbar: Wohnungen in München

Die Verantwortung ist auf viele Schultern verteilt. Das Prinzip: Die Genossenschaftler zahlen Einlagen, einen Mitgliedsbeitrag und Miete. Die Wohnungen gehören ihnen so zwar nicht, aber sie haben lebenslanges Wohnrecht. 30 Mitglieder hat Progeno schon: Maurer, Architekten, Rentner, Journalisten, Physiker. Sie alle bauen jetzt gemeinsam an dem Wohnprojekt im Prinz-Eugen-Park. Es soll eine bunte Mischung werden, auch vom Alter her.

Den Baugrund hat Progeno von der Stadtbekommen. Auf dem freien Markt wäre er nicht erschwinglich gewesen für die Genossenschaft, erklärt Xaver Kroner, der Direktor des Verbands der bayerischen Wohnungsunternehmen (VdW). Gerade das Thema Baugrund sei in München das Schwierigste in Bayern, sogar in ganz Deutschland. Die Antwort der Stadt lautet: konzeptioneller Mietswohnungsbau. Das heißt, städtische Grundstücke werden nicht an den Höchstbietenden abgegeben, sondern an den Bieter, der ein vielversprechendes Konzept vorlegen kann.

"Die Gegenleistung ist, dass diese Wohnungen 60 Jahre lang nicht in Eigentum umgewandelt werden dürfen."

Xaver Kroner, VdW-Vorsitzender

Viele Wohnungen bereits vergeben

Außerdem müssen sich die Bauherren zum Beispiel bei der Höhe der Miete an Obergrenzen halten. Viele der geplanten Wohnungen im Prinz-Eugen-Park sind bereits vergeben. Philipp Terhorst, der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Progeno, freut sich über die rege Beteiligung.

"Im Park auf unserem Baufeld sind 50 Wohneinheiten geplant, 40 Prozent München-Modell für Familien oder Rentner, 40 Prozent frei finanziert und 20 Prozent sind Sozialwohnungen."

Philipp Terhorst, Vorstand Progeno

Gerade für viele Familien bietet genossenschaftliches Bauen die letzte Möglichkeit, noch in der Großstadt zu wohnen. Kristina Weber und ihr Mann schätzen außerdem das alternative Konzept, gemeinschaftlich etwas zu schaffen, statt ins Eigenheim zu investieren. Die Genossenschaftler kennen sich, es gibt eine gemeinsame Werkstatt oder einen Turnraum. Und so wird aus dem Baufeld im Prinz-Eugen-Park eine kleine Dorfgemeinschaft, so wie früher.

Genossenschaften - so geht's:

In den vergangenen drei Jahren sind in Bayern zehn neue Genossenschaften Mitglied im Verband der bayerischen Wohnungsunternehmen (VdW) geworden. Allein im vergangenen Jahr seien fünf neue Genossenschaften hinzu gekommen, weitere Gründungen seien für dieses Jahr geplant - vier der fünf Neugründungen des vergangenen Jahres kommen aus München.

Eine Genossenschaft gründen kann jeder, es sind jedoch mindestens drei Mitglieder nötig. Jede Genossenschaft benötigt einen Vorstand, einen Aufsichtsrat und eine Generalversammlung, ähnlich wie bei einem Verein. Das Unternehmensziel von Genossenschaften ist aber nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Förderung der Mitglieder. Es gibt viele Beratungsstellen für gemeinschaftsorientiertes Wohnen - in München zum Beispiel die Mitbauzentrale.


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