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Täter soll psychische Probleme haben Geiselnehmer von Pfaffenhofen war polizeibekannt

Der Geiselnehmer von Pfaffenhofen an der Ilm soll psychische Probleme haben. Außerdem wurde laut Polizei schon mehrfach wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte gegen ihn ermittelt.

Von: Mathias Lauer und Henning Pfeifer

Stand: 06.11.2017

Der Geiselnehmer von Pfaffenhofen an der Ilm ist schon mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Gegen den in Kasachstan geborenen Deutschen sei bereits wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt worden, sagte Polizeivizepräsident Herbert Wenzl vom Präsidium Oberbayern Nord.

Schuldfähigkeit des Täters wird geprüft

Der 28-jährige Täter hatte am Montagmorgen eine Sachbearbeiterin des zum Landratsamt gehörenden Jugendamts als Geisel genommen. Laut Polizeipräsident Günther Gietl vom Präsidium Oberbayern Nord habe der Mann eine scharfe Waffe, Wasser und einen Arzt für seine Geisel gefordert. Er hatte der Frau leichte Schnittverletzungen am Hals und der rechten Hand zugefügt. Die Polizei überwältigte ihn am Nachmittag mit einer Elektroschockpistole. Am Dienstag soll der Mann einem Haftrichter vorgeführt werden. Dieser soll die Schuldfähigkeit des 28-Jährigen prüfen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfram Herrle. Der Mann habe psychische Probleme - daher werde geprüft, ob er in Haft komme oder in eine Spezialklinik. Der Täter hatte am Morgen eine Sachbearbeiterin des zum Landratsamt gehörenden Jugendamts als Geisel genommen.

Motiv: Streit um Sorgerecht

Das Motiv des Geiselnehmers von Pfaffenhofen an der Ilm war ein Streit ums Sorgerecht. Er verlangte, dass seine anderthalb Jahre alte Tochter, die derzeit in der Obhut einer Pflegefamilie ist, zurück in die Obhut der Mutter kommt, sagte Polizeipräsident Gietl bei einer Pressekonferenz am Montag. Der 28-jährige Täter habe zudem eine scharfe Waffe, Wasser und einen Arzt für seine Geisel gefordert.

Innenminister Herrmann will Sicherheitsvorkehrungen prüfen

Nach der Geiselnahme im Jugendamt des Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm will Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Sicherheitskonzepte für Behörden erneut auf den Prüfstand stellen. "Wir werden natürlich auch nach diesem Vorfall noch mal überprüfen, welche zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen gegebenenfalls noch zu treffen sind", sagte er heute in Nürnberg. Gleichzeitig betonte er, dass die Verwaltungen bürgernah bleiben sollten: "Wir können nicht hinter jedem Bürger einen potenziellen Täter sehen - dann würde davon nicht viel übrig bleiben."

Präsident des Bayerischen Landkreistages: Mehr Aggressivität in Ämtern

Der Präsident des Bayerischen Landkreistages, Christian Bernreiter, erklärte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass schon seit längerer Zeit mehr Aggressivität und Gewaltbereitschaft in Ämtern festzustellen sei. Auch das Verständnis für den Rechtsstaat sinke in vielen Fällen. So seien in Deutschland schon Mitarbeiter im Jobcenter getötet und ein Landrat erschossen worden. Auch das Verständnis für den Rechtsstaat sinke in vielen Fällen, so der Deggendorfer Landrat im BR-Interview.  


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