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Bio-Garnelen aus Oberbayern Start-Up will Feinkostmarkt aufmischen

Shrimps, Scampi und Garnelen sind bei Feinschmeckern in Münchner Edelrestaurants sehr gefragt, sie haben aber eine miese Ökobilanz. Deshalb eröffneten zwei Jungunternehmer ihre eigene Bio-Garnelen-Zucht namens "Crusta Nova" für Bio-Garnelen aus der Region.

Von: Johannes Reichart

Stand: 16.03.2016

Von außen sieht die Firma in Langenpreising (Lkr. Erding) aus wie eine Fabrikhalle, innen drinnen ist es schwül warm. Sonst werden Garnelen fast ausschließlich tiefgefroren aus Asien importiert, hier schwimmen die späteren Delikatessen im großen Wasserbecken mitten in Bayern, bio und regional. Die Tropen werden einfach nachgestellt.

"Wir haben hier 30 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit, die Wassertemperatur liegt um die 28 Grad. Das entspricht ihrem natürlichen Habitat. Dadurch haben wir das Optimum geschaffen für die Tiere."

Garnelenzüchter Maximilian Assmann

Maximilian Assmann führt den Reporter durch sein neues Garnelen-Reich: eine lange niedrige Halle, in der es  zwei Geschosse gibt mit langen Wasserkreislauf-Becken. Hier züchtet er mit seinem Partner Fabian Riedel die "White Tiger Garnele". Beide sind noch keine 40. Mit einem Kescher fischt er ein glitschiges Exemplar heraus:

"So, hier haben wir mal eine, die zappelt aber rum. Die sind extrem stark, darum haben wir hier diese weißen Vorhänge, damit sie nicht raushüpfen."

Maximilian Assmann

Hier bekommen die Garnelen Biofutter.

Die Garnele ist so lang wie eine Hand, farblos, fast durchsichtig und schwimmt hier in der Halle sechs Monate, bis sie an einen Feinkosthändler in München verkauft wird. Die Larven holen sich die beiden Unternehmer aus den USA. Bis zu 30 Tonnen Crevetten wollen sie ab sofort pro Jahr züchten, das sind bis zu einer Million Tiere. Und diese sollen sich in den Becken wohlfühlen und nicht wie in Asien mit reichlich Antibiotika groß werden.

"Die natürliche Herkunft der White Tiger Garnele ist an den Küsten Südamerikas und Mittelamerikas, da leben sie in den Mangrovenwäldern und in Flussmündungen. Darum ist das Wasser hier so trüb. Wir haben das genau so eingestellt. Wenn das Wasser klarer wäre, das entspricht nicht ihrem natürlichen Haibtat. Da fühlen sie sich dann nicht mehr wohl."

Maximilian Assman

Mehrere Millionen investiert

Maximilian Assmann und Fabian Riedl

Über zwei Jahre haben die beiden ihr Projekt geplant, Investoren gesucht und sich schlau gemacht, wie man so eine Zucht in Bayern überhaupt aufziehen kann. Mehrere Millionen hat die gesamte Anlage gekostet. In einem Nebenraum wird das Wasser gefiltert und wiederaufbereitet. Das Futter lagert in einer Kammer neben der Halle, in der Besuchern ein strenger Geruch in die die Nase steigt.

Die Becken sind in zwölf kleine Einheiten unterteilt - je nach Alter der Garnelen. Mit einer Schaufel füttert der studierte Lebensmitteltechniker die Tiere, stündlich. Im letzten Becken zappelt der jüngste Gambas-Nachwuchs:

Warmwasserbecken für jede Wachstumsstufe der Garnelen

"Also, die sind nur paar Milimeter groß, wenn sie ankommen. - Aber ist eher so ein Luxusprodukt oder? - Ja, weil so frische Garnelen gibt es in Deutschland ja noch nicht. Darum ist es noch ein Luxusprodukt."

Garnelenzüchter am Becken

Das könnte sich natürlich in Zukunft ändern, wenn auch andere in das Geschäft mit den Bio-Garnelen einsteigen. Auf ihre Idee kamen die beiden durch einen Zufall:

"Ich hab eine kleine Kreislaufanlage bei mir in der Wohnung zur Zucht von Flusskrebsen gehabt. Der Fabi ist ein alter Schulkollege von mir und hat mich besucht, hat des gesehen und war gleich begeistert davon. Ich hab auch - bevor ich die Idee hatte - schon immer sehr sehr gerne Garnelen gegessen. Was dann eben zu unserer Idee geführt hat, dass wir gesagt haben: Es muss doch möglich sein, eine wirklich reine gute Garnele auf den Markt zu bringen."

Maximilian Assmann


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Robert Puchinger, Mittwoch, 16.März, 18:12 Uhr

1. CO2-Bilanz

Kraße G´schicht, Viel Erfolg!