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Jubiläum Flughafen München Die zweischneidige Jobmaschine

Vor 25 Jahren am 16. Mai 1992 rollte der Umzug des Münchner Flughafens an. Der letzte Linienflieger landete in München-Riem. Der neue Flughafen im Erdinger Moos entpuppte sich als Jobmaschine – vom ersten Tag an wuchs er fast kontinuierlich. Trotzdem jubeln nicht alle. Und: Seit Jahren wird heftig um den geplanten Bau der dritten Startbahn gestritten.

Von: Stephan Lina

Stand: 16.05.2017

Der neue Münchner Flughafen | Bild: picture-alliance/dpa

Ein Vormittag am Münchener Flughafen. Gerade ist Flug LH429 gelandet, die Lufthansa-Maschine aus Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina. Dem Anschein nach war ein Großteil der Passagiere beruflich in den USA. Einige tragen Jacken mit BMW-Logo, andere tragen kleine Rucksäcke mit Siemens-Schriftzug. Beide Konzerne haben große Fabriken vor Ort: BMW das riesige US-Werk Spartanburg, Siemens einen Standort für Kraftwerkstechnik direkt in Charlotte.

Wirtschaftsmann Brossardt: Großteil Bayerns profitiert

Aus Sicht bayerischer Exportunternehmen ist es ein riesiger Wettbewerbsvorteil, dass ihre Mitarbeiter dank des Münchener Flughafens viele Orte auf dem Globus direkt erreichen können. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft zählt deshalb zu den großen Unterstützern des Airports. Nicht nur, weil er Exporte erleichtere, sondern auch, weil er generell eine Jobmaschine sei, sagt Verbands-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Der Flughafen habe mit seinen Arbeitsplätzen, die er direkt und indirekt schaffe, ein hohes Arbeitskräfteniveau in Bayern abgesichert – weit über das Flughafenumland hinaus. Zweitens, so Brossardt, habe der Airport dafür gesorgt, dass alle Branchen in Bayern sich international besser bewegen können. Und er habe drittens auch Bayerns Teilgebiete deutlich in ihrer Landesentwickelung vorangebracht.

"Die Auswirkungen gehen ja tief in die Oberpfalz, gehen auch nach Niederbayern und ins Fränkische hinein. Insofern hat er auch staatspolitisch aus unserer Sicht eine sehr große Bedeutung."

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

Flughafenchef Kerkloh: Großartige Multiplikator-Effekte

In dieselbe Kerbe schlägt Flughafenchef Michael Kerkloh. Er argumentiert, dass der Airport die Region wirtschaftlich beflügele. So gebe es im Landkreis Freising seit Jahren Vollbeschäftigung. Die Kaufkraft sei enorm stark, weil die Beschäftigten am Flughafen überdurchschnittlich viel verdienten, wie regelmäßige Untersuchungen ergeben hätten. Und nicht zuletzt habe auch die Landeshauptstadt München enorm profitiert – schon allein deshalb, weil mit dem Umzug plötzlich große Areale in Riem zur Verfügung standen. Dies habe einen Domino-Effekt ausgelöst:

"Wenn Sie sich einfach mal vorstellen: München hätte diese neue Messe, die ja auch Weltstatus hat, gar nicht bekommen. Dadurch sind in der Innenstadt wieder Flächen frei geworden, die ja zum Teil auch jetzt mit einer anspruchsvollen Wohnbebauung zu sehen sind. Insgesamt hat es – wie wir im Wirtschaftsdeutsch sagen würden – großartige Multiplikator-Effekte gegeben."

Flughafenchef Michael Kerkloh

Kerkloh verweist auf die vielen (Welt-)Unternehmen, die sich angesiedelt haben und die darauf setzen, dass der Flughafen eben diese Verbindungsqualität in die gesamte Welt habe.

Grünen-Politiker Magerl: Große Probleme gebracht

Der Flughafen als Jobmaschine. Spricht man Christian Magerl darauf an, fällt die Reaktion deutlich weniger euphorisch aus. Der grüne Landtagsabgeordnete ist seit Jahren ein Kritiker des Flughafenausbaus. Er verweist immer wieder auf die Probleme in der Region, die das Wachstum des Airports mit sich bringt:

"Der Flughafen hat eine Menge Zuzug in die Region gebracht – und die damit zusammenhängenden Probleme gerade auf dem Wohnungsmarkt wie bezahlbare Wohnungen. Und er hat eine Menge sekundären Landverbrauch durch diesen Zuzug mit sich gebracht. Das muss man also sehr zweischneidig sehen."

Grünen-Landtagsabgeordneter Christian Magerl

Magerl will gar nicht in Abrede stellen, dass der Flughafen Wirtschaftswachstum gebracht hat. Aber damit habe die Flughafengegend in erheblichem Umfang auch Probleme bekommen.

Gerade für junge Familien mit geringeren Einkommen sei es in der Region rund um Freising kaum noch möglich, an eine halbwegs bezahlbare Mietwohnung zu kommen, an einen Hausbau sei gar nicht zu denken, sagt der Grünen-Politiker. Er geht davon aus, dass sich diese Entwicklung noch verschärfe, sollte die dritte Startbahn gebaut werden. Deswegen hat Magerl auch kein Problem damit, wenn der Flughafen irgendwann die Grenzen seines Wachstums erreicht.


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Andi, Donnerstag, 18.Mai, 10:36 Uhr

15. Flughafen München - 3te. Startbahn

Also liebe Leute, die Verantwortlichen sollen erstmal die organisatorischen Voraussetzungen schaffen -in Abstimmung mit anderen Flughäfen- um die Flugzeiten effizienter zu gestalten. Schauen sie doch nur einmal auf die Zeiten, in denen die aktuellen Bahnen leer sind. Fällt das denn niemanden auf - oder wollen die das nicht sehen. Vom Beginn weg wurde in Mchn vieles richtig gemacht, aber inzwischen habe ich das Gefühl, die passen sich den Berliner Unfähigkeitsentscheidern an. Vor allem wenn solche Leute wie der Herr Huber noch mitmischt. Ich werde wieder auf die Straße gehen.

Conny, Donnerstag, 18.Mai, 07:02 Uhr

14. Flughafen Erdinger Moos

Ich möchte mal wissen ,wieviele Gegner der dritten Star und Landebahn selber schon geflogen sind , von Erdinger Flughafen. Viele Leute vergessen auch das Sie durch den Flughafen die wenigern Arbeitslosen im Landkreis Erding und Freising haben. Jeder will Fliegen (Urlaub ) aber keiner will ihn haben.

In die Tasche gelogen, Dienstag, 16.Mai, 14:48 Uhr

13. Schoenrednerei

JOBMASCHINE ??

Da macht sich der BR aber zum Akteur der Propagandamaschinerie der Eigentuemer und der Geschäftsleitung.
Für so etwas dürfen sich selbstbewusste Journalisten nicht hergeben.
Mit dem selben Marketingspruch wird auch in Frankfurt gearbeitet und unterschlagen, welch prekäre Arbeitsplaetze da zunehmend geschaffen wurden und werden. Man frage nur einmal bei den Bodenverkehrsdiensten oder den Gepäckkontrolleuren nach.

  • Antwort von Nürnberger, Dienstag, 16.Mai, 21:22 Uhr

    Warum dürfen selbstbewusste Journalisten die Wahrheit nicht schreiben?

Heinz Kränzlein, Dienstag, 16.Mai, 12:47 Uhr

12. Flughafen Ausbau

Dass die umliegenden Gemeinden gegen den Ausbau sind, ist ja verständlich. Ich kann nur nicht verstehen, warum die Flughafengesellschaft und die Politik beim Ausbau einer 3. Bahn auf der maximalen Länge von 4.000 m besteht. Weit mehr als 70% der abgefertigten Maschinen brauchen keine 4.000 m Bahn sondern 2.800 m tun es auch. Man könnte damit den Kritikern entgegenkommen.

  • Antwort von Selim, Dienstag, 16.Mai, 19:51 Uhr

    Der Mobiltelefonfunk braucht auch keine so riesen Funkstärken, wie derzeit üblich sind.
    Vielleicht kostet es mehr, weniger bereit zu stellen?
    Was für einen Grund sollte das sonst haben?
    Das schreit geradezu nach fantasievollen Erklärungen.
    Dann sind wir Doofis, die den Verschwörungstheoretikern glauben.
    Oder hat wer eine Erklärung für die 4000 Meter, die Herr Kränzlein angiibt?

Frank Cebulla, Dienstag, 16.Mai, 11:41 Uhr

11. War dabei

Freitagabend in Riem gelandet aus Amsterdam und Sonntagabend vom Erdinger Moos nach Amsterdam geflogen.
Im Flugzeug saßen 50% Passagiere die nach Mailand wollten, wurde im letzten Moment bemerkt und die mußten dann aussteigen in "ihr Flugzeug".
Ungewohnt damals die langen Rollbahnwege zum Start, man glaubte bis Amsterdam zu rollen.
Als damalige Vielflieger muß ich aber sagen und schreiben alles gut geklappt Eines wurde damals versäumt, gleich einen Fernbahnanschluß im Bahnhof zu bauen wie in Amsterdam oder Frankfurt. Bahnanschluß heute noch schlecht und der Autobahnanschluß wird immer mehr zur "Wagnisanfahrroute".

  • Antwort von Cosi, Samstag, 20.Mai, 09:44 Uhr

    Wieso Wagnisanfahrroute?
    Verstehe ich nicht!
    Die Autobahn Anbindung klappt wunderbar. , besser als die SBahn.