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Flüchtlingsandrang in München Züge nach NRW sollen Entlastung bringen

Bis Mitternacht dürften laut Behörden gestern mehr als 6.000 Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof eingetroffen sein. Ein neues Verteilzentrum ist nicht in Sicht, dafür sollen nun täglich zwei Züge nach NRW weiterfahren. Österreich hat den Zugverkehr mit Ungarn gestoppt.

Stand: 11.09.2015

Österreich stoppt Zugverkehr mit Ungarn

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben wegen Überlastung durch Flüchtlinge den Zugverkehr von und nach Ungarn vorübergehend eingestellt. Betroffen seien Fernzüge und grenzüberschreitende Regionalzüge, teilte die ÖBB mit. Freiwillige und Busunternehmer sollten keine Flüchtlinge mehr an die Bahnhöfe bringen. "Eine geordnete Abwicklung der aktuellen Situation kann sonst nicht mehr gewährleistet werden", so ein ÖBB-Sprecher. Weitere Sonderzüge nach München seien vorerst nicht vorgesehen, sagte der Sprecher. Derzeit stünden insgesamt weniger Züge zur Verfügung, da etliche noch vom Wochenende gewartet und gereinigt werden müssten. Bis dahin könnten also weniger Flüchtlinge über die Wiener Route nach Bayern kommen.

Die Zahl der Migranten, die seit Samstag in der Landeshauptstadt eintrafen, ist inzwischen auf rund 40.000 gestiegen. Zwei regelmäßige Sonderzüge mit Flüchtlingen sollen von heute an nach Nordrhein-Westfalen fahren, um den Hauptbahnhof München zu entlasten. Jeweils bis zu 500 Migranten kämen dadurch täglich nach Düsseldorf und Dortmund, sagte gestern Abend die Sprecherin der Regierung von Oberbayern, Simone Hilgers. Möglicherweise könnten die Züge aus Österreich gleich an München vorbei Richtung Norden geleitet werden. Flüchtlinge aus Syrien kommen jetzt aber auch mit regulären Zügen aus dem österreichischen Wels in Bayern an. So erreichten gestern drei Regionalzüge mit rund 350 Migranten Passau. "Das gab es bisher nicht", sagte ein Sprecher der Bundespolizei und bestätigte einen Bericht des Bayerischen Rundfunks (Bayern 1). Die Neuankömmlinge wurden mit zehn Bussen zur Erstaufnahmeeinrichtung nach Deggendorf gebracht. Bislang waren die Flüchtlingszüge aus Österreich über die Strecke Linz-Salzburg–Rosenheim nach München gefahren.

Weiteres Verteilzentrum nicht in Sicht

Regierungspräsident Christoph Hillenbrand erläutert die Verteilung der Flüchtlinge

"Derzeit häufen sich die Signale, dass es schwieriger wird, auf diesen Ansturm zu reagieren", warnte der oberbayerische Regierungspräsident Christoph Hillenbrand. Die Weiterverteilung auf andere Bundesländer sei kompliziert. In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sei die Situation stark angespannt. Die Verteilung der Flüchtlinge mit Sonderzügen funktioniere nicht so wie erhofft. "Wenn Sonderzüge ausfallen, weichen Flüchtlinge auf reguläre Zugverbindungen aus - und landen am Ende wieder in München." Ein weiteres Drehkreuz sei nicht in Sicht.

Auch die Betreuung minderjähriger Flüchtlinge wird zunehmend zum Problem. "Die Stadt München ist hier an der Grenze ihrer Kapazitäten", sagte ein Sprecher des Stadtjugendamtes. Die 1.500 Plätze in den Erstaufnahmeeinrichtungen der Stadt seien nahezu erschöpft. 6.000 Kinder wurden heuer in München laut dem Stadtjugendamt in Obhut genommen. Rund 2.000 Jugendliche wurden inzwischen von anderen Kommunen in Bayern aufgenommen.

Leipzig lässt München im Stich

Die Hoffnung, dass Leipzig das zweite Drehkreuz in Deutschland wird, hat Burkhard Jung, der Oberbürgermeister der sächsischen Stadt, zerschlagen. "Es wird keinen Verteilbahnhof für Flüchtlinge in Leipzig geben", sagte er der Leipziger Volkszeitung. Der ins Auge gefasste Güterbahnhof am Flughafen Leipzig-Halle genüge nicht den Anforderungen. Ursprünglich sollten bereits seit Montag mehrere tausend Flüchtlinge von München nach Leipzig weiterreisen.

Sorgenvoller Blick Richtung Wochenende

Der Flüchtlingsstrom nach München bleibt auf hohem Niveau. Am Mittwoch wurden 6.218 Menschen registriert. Bis kurz vor 21 Uhr kamen gestern rund 4500 Menschen in München an. Insgesamt rechnete die Regierung von Oberbayern gestern mit 6000 Flüchtlingen. Wie viele es tatsächlich waren, ist noch nicht bekannt. 500 Neuankömmlinge wurden am Vormittag mit einem Zug nach Düsseldorf gebracht. Bis Mitternacht waren weitere Züge nach Niedersachsen vorgesehen. Zehn Busse verteilten die Menschen zusätzlich auf bayerische Bezirke.

Derzeit stehen in der Messe Riem und in Dornach rund 4.500 Notplätze bereit. In beiden Unterkünften sei derzeit der Zugang so hoch wie der Abgang, so die Regierung von Oberbayern. Christoph Hillenbrand, der Präsident der Regierung von Oberbayern, erklärte, er habe Sorge, wenn übers Wochenende mehr als 10.000 weitere Flüchtlinge in München ankommen.

Münchner Resolution zur Willkommenskultur

Auf einen Dringlichkeitsantrag der Grünen hin, hat der Münchner Stadtrat am Mittwoch im Feriensenat eine Resolution zur Willkommenskultur in München erlassen. Unter anderem heißt es darin: "Wir sind stolz, dass diese Stadt einen Schutz vor Krieg, Verfolgung und Not bieten kann. (...) Gleichzeitig appellieren wir an die Bundesregierung, die der Situation angemessenen bundespolitischen Maßnahmen zu ergreifen."

Im August hatte die Flüchtlingspolitik noch für Streit in der Rathaus-Koalition gesorgt. Bürgermeister Josef Schmid von der CSU hatte in einem Interview unter anderem Hilfe von anderen Bundesländern gefordert und falsche Zahlen angegeben. Die SPD zeigte sich irritiert und teilte damals mit: "München schreit nicht um Hilfe, München hilft." Am Dienstag hatte Schmid sich noch mal ähnlich geäußert. Man müsse mal über leerstehende Wohnungen reden, die es in anderen Teilen Deutschlands gebe - in München aber nicht.


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Dr. Karlheinz Kiefer, Donnerstag, 10.September, 07:41 Uhr

9. Asylsuchende

Arbeite als Notarzt im Bereich mehrerer Asylunterkünfte , Einsätze weil Asylbewerber regelmäßig im Rausch versuchen sich gegenseitig abzustechen , größtenteils Analphabeten , kein Wort Englisch . Ich glaube kaum , dass sich die Wirtschaft um diese Menschen interessiert, auch das Generationsproblem in Deutschland wird nicht gelöst , eher später die Sozialsysteme oder Justizbehörden beschäftigt . Dies betrifft nicht die Familien aus Syrien , sondern allein reisende Männer aus Afghanistan und Schwarzafrika
Polizei und Rettungsdienst ist auch schon genervt , nur öffentlich kein Kommentar , von " Gutmenschen " wird man sofort in das rechtsradikale Lager gestellt .
Spätestens in einem Jahr werden alle überfordert sein , Verwaltung - Polizei - Gesundheitswesen , dann sehe ich Gefahren für die soziale Sicherheit , spätestens wenn die Steuern aus diesem Grunde erhöht werden müssen .

  • Antwort von 12, Donnerstag, 10.September, 08:38 Uhr

    Ja, ich denke auch, dass man hier die "Fluchtgründe" betrachten muß.......Man muß sicher differenzieren......

Feri Anders, Donnerstag, 10.September, 00:45 Uhr

8. Flüchtlinge

Das ist die großte fehler politik Deutschland (...) Frau Merkel sagte sie sind arme menschen das galube ich auch
aber arme gebtes auf der ganze welt und sie kann nicht die ganze welt nach Detschland einladen oder wil sie das? Deutschlands Volk gehtes etwas gut weil fleßig und gut orientiert sind, was zuzeit Frau Merkel und seiner partei macht muss eine volksbefragung kommen
solche entscheidung darf nicht sie und seine partei aleine entscheiden (...) Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Enrico Pelocke, Donnerstag, 10.September, 00:31 Uhr

7. D = selbst schuld

Deutschland ist selbst schuld am Entstehen dieser Flüchtlingsströme, weil auch in Deutschland Waffen produziert werden, die direkt oder indirekt in die Krisenherde der Welt gelangen für Kriege oder Niederschlagen von Völksaufständen. Genauso exportieren USA, England, Frankreich, Rußland und China Waffen für Kriegstreiber, deren Folgen Kriegsflüchtlinge sind. Auch Deutschland hat über Neokolonialismus die Entwicklungsländer ausgebeutet. Folge: Wirtschaftsflüchtlinge. Ich fordere: Schmeißt bei allen Waffenfabriken die Maschinen auf den Schrott und quartiert dort die Flüchtlinge ein. Diese werden dann auf Kosten der Waffenproduzenten versorgt. Makaber wäre, wenn Kriegsflüchtlinge bei einer Waffenfirma Arbeit finden und dort Waffen produzieren, mit denen in ihrer Heimat noch lebenden Verwandten und Freunde getötet, verletzt oder zu Flüchtlingen gemacht werden. Aber das ist den Waffenproduzenten egal. Hauptsache sie machen Profit. Verbrecherstaat Deutschland!

David Ehrgart, Donnerstag, 10.September, 00:07 Uhr

6. München Hauptbahnhof am Mittwoch.

Die Stimmung ist wunderbar, es gibt großartige Solidarität. Freilich kann Deutschland das, wenn sich alle anstrengen. Ein paar Bedenkenträger gibt es immer. Aber die waren ja schon da vor zwei Jahren, als debattiert wurde, ob Deutschland in der Lage ist, 700 Syrer aufzunehmen, ist also nicht so ernst zu nehmen.

Alexander, Mittwoch, 09.September, 22:53 Uhr

5. Juhu

Juhu juhu Freibier für alle, es werden wieder mehr!! Das ganze Land hat jetzt gefälligst zu jubeln!! Endlich können wir die vielen leeren Wohnungen füllen und die vielen tollen Arbeitsplätze besetzen!! Deutschland ist gerettet! Dank unserer verantwortungsvollen und weitsichtigen Regierung!!