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Essstörungen Verzerrtes Selbstbild - gestörter Selbstwert

Essstörungen wie Magersucht und Bulimie betreffen immer mehr Menschen in jedem Alter: Frauen und Männer, Mädchen und Buben. Das zeigt sich auch in der Roseneck-Klinik in Prien am Chiemsee. Seit 30 Jahren bietet die Klinik Theapien an.

Von: Julia Binder

Stand: 21.04.2017

Eine junge Frau betrachtet ihre Figur im Spiegel - Symbolbild | Bild: picture-alliance/dpa/ Markku Ulander

Die junge Patientin ist erst 14 Jahre alt, doch die Essstörung hatte ihr Leben schon fest im Griff.

"Ich bin da, weil ich Anorexie hab und ja, ich will gerne gesund werden. Hier ist der beste Ort dafür, um die Krankheit zu besiegen."

Patientin, 14 Jahre alt

Das Mädel hat Kalorien gezählt, nur ganz bestimmte Sachen gegessen, sich andere bewusst verboten. Das ging so lange, bis ihr Körper zu schwach war, um in die Schule – ein Sportgymnasium – zu gehen.

"Der Selbstwert von - du bist gut in Sport - hat sich umgewandelt in - du bist dünn und untergewichtig. Das war dann mein Talent, das, was ich gut konnte. Das wollte ich eigentlich gar nicht, aber das hat sich so verselbstständigt."

Patientin, 14 Jahre alt

"Man kann nicht mehr richtig denken"

Die 14-Jährige war schließlich so untergewichtig, dass ihre Eltern sie ins Krankenhaus bringen mussten. Sie wurde per Sonde ernährt . Schließlich hat sie sich eingestanden, dass sie krank ist und dringend Hilfe braucht.

"Wenn man wirklich tief unten ist, ist es schwer. Man kann nicht mehr richtig denken. Man redet langsam, man kann sich nicht mehr konzentrieren. Das ist nicht nur, dass man dünn ist. Das ist viel mehr."

Patientin, 14 Jahre alt

Jahrelanger Kampf gegen Magersucht

Diese Erfahrungen bestätigt eine weitere Patientin der Roseneck-Klinik. Die 30-Jährige ist nicht zum ersten Mal hier in Therapie. Jahrelang kämpft sie schon mit ihrer Essstörung.

"Bei mir hat es mit 14 Jahren angefangen. Da wollte ich mir in der Fastenzeit beweisen, dass ich verzichten kann und willensstark bin. Zunächst habe ich Dinge ausgespart, die ich gerne gegessen habe. Ich habe auf Fleisch verzichtet und auf Süßigkeiten. Danach nicht wieder angefangen, normal zu essen."

Patientin, 30 Jahre alt

Zwischendurch hatte sie sehr gute Jahre, erzählt die eloquente Frau. Phasenweise war die Essstörung sogar ganz weg, doch sie kommt immer wieder.

"Auch jetzt empfinde ich meinen Körper als zu dünn, zu zerbrechlich und bin unzufrieden damit. Ich wünsch mir einen weiblichen, sportlichen, gesunden Körper."

Patientin, 30 Jahre alt

Ursachen sind vielschichtig und individuell

Die Gründe, warum Frauen, Mädchen und auch immer mehr Männer in eine Essstörung rutschen, sind vielfältig und individuell. Meist ist das Abmagern nur das, was sichtbar ist. Die eigentliche Ursache liegt viel tiefer. Trotzdem können gesellschaftliche Idealvorstellungen einen enormen Einfluss haben.

"Das ist schon ein Problem mit den sozialen Medien wie Instagram. Da bekommt man einen ganz anderen Blick, was normal ist. Da sieht man die ganzen dünnen Leute, die in Wirklichkeit noch nicht mal so dünn sind und denkt sich: Ich bin falsch, weil ich bin nicht so dünn."

Patientin, 14 Jahre alt

"Topmodel-Sendungen haben negativen Einfluss"

Neben den sozialen Netzwerken mit ihren bearbeiteten, geschönten Fotos haben auch Fernsehsendungen wie zum Beispiel „Germany‘s Next Topmodel“ einen negativen Einfluss, bestätigt Professor Ulrich Voderholzer, der ärztliche Direktor der Roseneck-Klinik.

"Die meisten fühlen sich zu dick oder befürchten, zu dick zu werden und beginnen eine Diät. Und eine Diät alleine kann schon wieder der Auslöser für eine Essstörung sein. Mir hat eine junge Frau mit Essstörung gesagt, wenn sie diese Sendung auch nur ein einziges Mal noch sieht, ist sie sofort wieder in ihren ganzen Essstörungs-Gedanken drin."

Professor Ulrich Voderholzer, der ärztliche Direktor der Roseneck-Klinik

Nach dreieinhalb Monaten in der Klinik hat die Schülerin gelernt, mit diesen Gedanken umzugehen. Zwei weitere Monate wird sie noch in Prien bleiben. Aber: Sie kann schon wieder positiv in die Zukunft blicken.

"Ich weiß, dass ich es schaffe. Also ziemlich, ziemlich, ziemlich sicher."

Patientin 14 Jahre alt


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