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Urteil in München Erkrankter Blindenhund kein Grund für Reiserücktritt

So etwas ist zweifellos ungewöhnlich: Ein blinder Mann wollte seine Reiserücktrittsversicherung in Anspruch nehmen, weil sein Hund erkrankt war. Die Versicherung wollte aber nicht zahlen - und bekam recht vor dem Amtsgericht München.

Von: Birgit Grundner

Stand: 17.07.2017

Blindenhund | Bild: picture-alliance/dpa

Der Blindenhund war so krank, dass er flugunfähig war. Es sollte auf die Kanareninsel Fuerteventura gehen. Ohne seinen Hund wäre der blinde Mann dort aufgeschmissen gewesen. Also stornierte er kurzfristig die Reise.

Hund steht nicht im Kleingedruckten

Doch nun bleibt er nach einer Entscheidung des Münchner Amtsgerichts auf den Stornokosten von knapp 1.000 Euro sitzen - trotz Reiserücktrittsverischerung. Begründung: Das Problem eines erkrankten Blindenhundes steht nicht im Kleingedruckten der Versicherung.

Gelockertes Hüft-Implantat hätte gereicht

Hätte sich ein Versicherungsnehmer zum Beispiel eine Bein- oder Armprothese gebrochen oder hätten sich bei ihm implantierte Gelenke gelockert - dann hätte der Mann seine Stornokosten ersetzt bekommen. Diese eher exotischen Möglichkeiten sind in den Versicherungsbedingungen ausdrücklich genannt - nicht aber ein erkrankter Blindenhund. Daher wurde die Klage abgewiesen. Kleingedruckt ist kleingedruckt.


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Wolfgang, Montag, 17.Juli, 15:36 Uhr

15. Wie wäre es mit Kostentranszparenz für freiwillig abzschliessende Versicherungen

So daß jede Gesellschaft veröffentlichen müsste und im Policenangebot direkt enthalten, in der Gesamtsumme oder je nach Versicherung:

Bruttobeitragseinnahmen, Steuern und ausgezahlte Regulierungen, dazu Rückstellungen für Regulierung oder bezahlt aus Rückstellugnen.

Eine Gesellschaft die 10% teurer wäre aber statt 45% dagegen 70% für Regulierungen verwendet dürfte in der Summe weniger "spitzfindig" sein. .

  • Antwort von Wolfgang, Montag, 17.Juli, 20:31 Uhr

    Ergänzung:

    Ich stelle mir die dazu die Frage ab wiewenig Regulierungsaufwand ( an Versicherte ausbezahlt ) als Teil der Bruttoeinahmen das alles Abzocke oder Betrug ist.

    Ich denke auch an Versicherungen wie Kreditausfall, smartphone, Reisegepäck, Kinderunfall usw.

Mac Mac, Montag, 17.Juli, 15:22 Uhr

14. Blind - Justiz, Richter Handlanger der Versicherung

... das ist Diskriminierung hoch drei und von den sogenannten unabhängigen "Richtern" durchgeführte Wortklauberei zu ungunsten des blinden Antragstellers, ein solcher Richter bekommt nun von seiner Versicherung wohl Sonderkonditionen, da diese Versicherungslobby hier entgegenkommend behandelt wurde...Auf eine solche Justiz kann man wirklich verzichten.... Einen gesunden vernünftigen Menschenverstand kann man dem Richter nicht zugestehen...

Hallo, Montag, 17.Juli, 14:28 Uhr

13. Ganz normal

Als ich mein Aquarium aufstellte musste ich auch erst in der Versicherung nachsehen ob es mit versichert ist. War es nicht.
Modellflieger gekauft. Auch nicht mitversichert.
Man muss einfach jeden Mist selbst berücksichtigen.
Vielleicht ist dieses Urteil ein Ansporn für andere Menschen sich die eigenen Versicherungen mal genau anzusehen und auch die unwahrscheinlichsten Probleme eventuell mitversichern zu lassen.

Diskriminierend für Blinde wäre es wenn ein Blinder den Ausfall seines Blindenhunds in der Reiserücktrittsverischerung mit versichern wollte und die Versicherung würde das ablehnen. Aber wenn er es selbst vergisst oder nicht dran denkt geht es ihm wie jedem anderen Menschen auch...

Hans Holtz, Montag, 17.Juli, 12:44 Uhr

12. Die Versicherung sollte zahlen, doch...

Ein blinder Mann kann ja kaum reisen, wenn sein Hund ausfällt. Doch frage ich mich, wohin will er denn, wenn er nichts sieht? Ist es nicht ziemlich leichtsinnig, sich in fremde Länder zu wagen, wenn man völlig im Dunklen tappt? Ich stelle es mir schrecklich vor, nichts sehen zu können. Da habe ich größte Hochachtung für solche Menschen, wie die ihren Alltag bewältigen. Doch umher reisen? Das würde ich mir nie antun, wenn ich blind wäre.

  • Antwort von Marketa, Montag, 17.Juli, 13:56 Uhr

    Lieber Herr Holtz, ein Freund von mir ist blind und sehr wohl gerne am reisen. Er fasst die Sachen/ Gebäude/ Ausstellungstücke an um zu wissen, wie sie aussehen. Er macht sogar Fotos und postet sie bei Facebook. Und freut sich über die Woooows, die von seinen Freunden kommen.Es gibt auch in manchen Museen die Möglichkeit, in diesem Falle alles anzufassen. Ich finde es großartig. Und dass es mutig ist, das muss ich glaube ich nicht hinzufügen.

Silvia Schuler, Montag, 17.Juli, 12:22 Uhr

11. Erkrankter Blindenhund

Da sieht man mal wieder das Behinderte Menschen Menschen 2.Klasse sind:-( Welcher Mensch dieser Versicherung hat das entschieden,dass dem Mann die Stornokosten nicht erstattet werden? Der blinde Mann ist doch schon genug gestraft, mit seiner Behinderung. Keine Ahnung was der Mann sich sonst so leisten kann, aber 1000.-Euro sind nun mal viel Geld.Weil Hund krank,hat der Besitzer bestimmt Tierarzt Kosten obendrein. Also hätte die Versicherung Gnade vor Recht erlassen können? Hauptsache dieser Versicherungs Mensch bekommt seine fette Versicherungs Prämie! Ob der blinde Mann die 1000.-Euro zahlen kann ist doch egal. Hauptsache die Versicherung hat Ihr Geld.
Ganz ehrlich...ARMES DEUTSCHLAND!!!!
Nur mal so, bin auch Körperbehindert. Bekomme meine Grenzen aufgezeigt,bzw.wo mir gesagt wird, das geht nicht, das kannst Du nicht. Woher wollen diese Menschen wissen, was ich kann oder nicht? Liebe Mitbürger u.Bürgerinnen hört endlich auf uns sogenannten Behinderten zu sagen was wir dürfen.

  • Antwort von Haußmann Rosemarie, Montag, 17.Juli, 13:17 Uhr

    Ich kann Ihnen nur zustimmen, denn auch ich habe eine Behinderung. Streitereien mit GKV und sonstigen Geldeintgreibern sind in diese Republik normal, abartig sind sie deswegen trotzdem.